
Gemeinsam mit Propst Hans-Bernd Serries (links neben ihm) feierte Bischof Felix Genn die Eucharistie im Billerbecker Dom.
Bischof feiert den Gedenktag des heiligen Liudger in Billerbeck
Felix Genn: Europa verliert sein Gedächtnis
Billerbeck. "Immer, wenn ich in Billerbeck bin, spüre ich, dass ich in einer langen Tradition des Glaubens und der Glaubenden stehe." Bischof Felix Genn hat am Freitagabend (26.03.2010) den Gedenktag des heiligen Liudger im nahezu vollbesetzten Ludgerus-Dom gefeiert – und sich fast auf den Tag genau ein Jahr zurückerinnert, als er am Sterbeort des Bistumsgründers als dessen 75. Nachfolger in seinem neuen Bistum begrüßt worden war.
Dass es zwölf Monate später schwere Zeiten für die katholische Kirche und auch das Bistum sind, hört man aus vielen seiner Worte. Ob er um die vergebende Liebe Gottes bittet, "wo wir das Gesicht der Kirche verdunkelt haben", ob er um Zuversicht für die Kirche betet, oder als er die Fürbitten spontan um die Bitten "für Papst Benedikt, für die Sorgen jedes Einzelnen, für die Opfer von Missbrauch und Gewalt, und für die Täter" erweitert – bei aller Festlichkeit des Gottesdienstes merkt man Genn die Last dieser Tage und des Amtes an.
Herausforderung für das christliche Abendland
In der Predigt erzählt der Bischof von dem Moment, als in Essen-Werden der Sarg des heiligen Liudger geöffnet wurde: "Das fast vollständig erhaltene Gerippe des Mannes, der sich ganz und gar Christus zur Verfügung gestellt hatte, zu sehen, hat mich tief bewegt", sagt er. "Ich sah den Mund, der das Evangelium verkündet hat, seine Füße, die so viele Wege gegangen sind bis hierher nach Billerbeck, wo er sein Leben dem Schöpfer zurückgab. Und ich sah seine Hände, mit denen er gesegnet hat." Dennoch sei ihm deutlich geworden: Da ist mehr als dieser verehrte Ort und die Reliquien: "Das, was ihn vom Herzen her bewegt hat – die Kraft, Menschen innerlich für das Evangelium brennen zu lassen", das fordere auch den heutigen Menschen heraus.
Das ganze christliche Abendland sei herausgefordert, sagte Genn. Es bestehe derzeit die Gefahr, dass dieser Kontinent "sein Gedächtnis verliert", dass er dement werde und sich weder seiner Wurzeln noch seines Weges erinnere. Die innerste Mitte, die Liudger den Menschen Europas verkündet habe, die müsse in der Eucharistie, aber vor allem im Alltag gelebt und bezeugt werden.
Der Bischof bat, die Zuversicht nicht zu verlieren und auch in der derzeitigen Bedrängnis Vertrauen auf den Siegeszug Christi zu haben. "Im Augenblick ist mir nicht nach Triumph zumute", schloss der Bischof seine Predigt. "Aber ich sehe durch alles Dunkle hindurch das kleine Licht, das wir in der Osternacht in der Hand tragen werden."
Eine Tafel erinnert an den Empfang Bischof Genns in Billerbeck im Jubiläumsjahr 2009. |
Tafel erinnert an Empfang des Bischofs 2009
"Tief beeindruckt“ dankte Propst Hans-Bernd Serries "für die Feier, für Wort und Zeugnis" – was die Gemeinde mit Beifall unterstrich. Etliche Gläubige begleiteten Propst und Bischof noch zur benachbarten St.-Johanni-Kirche, an deren Außenwand eine kleine Bronzetafel angebracht wurde, die Genn segnete. Sie erinnert an das Jubiläumsjahr 2009, in dem der 1200. Todestag Liudgers begangen wurde – und in dem der 75. Nachfolger des Bistumsgründers in seiner Diözese zuerst in Billerbeck empfangen worden war. Bürgermeisterin Marion Dirks lud Felix Genn ein, sich demnächst ins Goldene Buch der Stadt einzutragen. "Mein Kaplan wird einen Termin finden", meinte der Bischof. "Dann werde ich demnächst mal nicht in der Eisdiele einkehren, sondern im Rathaus!"
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Text: Heike Hänscheid | Fotos: Heike Hänscheid
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