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11.02.2012
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Bischof Genn besucht Bauernhof.

Vertrautes Umfeld: Bischof Genn im Kuhstall von Landwirt Georg Pentrup (r.) und dessen Sohn Gerold Pentrup (l.).

Bischof Genn besucht Bauernhof

"Spürbarer Wandel"

Bistum. Es war für Bischof Felix Genn ein Weg in die eigene Vergangenheit: "Bis in den Geruch hinein ist es eine Kindheitserinnerung", sagte er beim Ortstermin auf dem Hof Pentrup bei Ascheberg-Herbern, zu dem ihn der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) am Donnerstag (04.03.2010) eingeladen hatte. Sichtlich interessiert ließ sich der geborene Bauernsohn aus der Eifel durch die Stallungen des Milchbetriebes führen, stellte fachkundige Fragen und erkundigte sich bei der Familie von Landwirt Georg Pentrup nach ihrem Alltag sowie den technischen Neuerungen auf dem Hof.

"Ich komme gebürtig selbst aus der Landwirtschaft und konnte heute am eigenen Leib den massiven Strukturwandel spüren", sagte er in der anschließenden Gesprächsrunde in der "Tenne" des Bauernhofes. "Es ist vieles ganz anders als damals daheim." Neben Vertretern des WLV waren zu dieser Diskussionsrunde auch der Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft St. Lambertus und St. Anna in Ascheberg, Carsten W. Franken, sowie der Pfarrer aus St. Benediktus in Ascheberg-Herbern, Rudolf Kruse, und Vertreter einiger katholischer Verbände zusammengekommen.

Gespräch vor dem Kamin des Bauernhofes: Bischof Genn und WLV-Präsident Franz-Josef Möllers.

Betriebe mit Beständigkeit

"Ich habe im Bistum Essen massiv mit den Auswirkungen eines Strukturwandels auch auf die Kirche zu tun gehabt", so der Bischof weiter. Als Ruhrbischof habe er viel im Kontakt mit den Großkonzernen der Region gestanden, so dass schnell der Eindruck entstanden sei, dass vieles von ihnen abhänge. "Im Bistum Münster habe ich aber schnell gelernt, dass unser Land vom Mittelstand und von der Landwirtschaft lebt." Familienbetriebe wie der Hof Pentrup mit einer etwa 1000-jährigen Geschichte stünden für eine Beständigkeit, die er aus dem Ruhrgebiet nicht gekannt habe. "Aber auch diese Betriebe werden nun von den Auswirkungen der Globalisierung und des Europäischen Marktes getroffen."

Genn gab zu, dass er kein Fachmann in den Detailfragen des landwirtschaftlichen Strukturwandels sei. "Ich kann mich deshalb nicht um konkrete Preise, wohl aber um Prinzipien kümmern." Im Umgang mit der Schöpfung, in der Sensibilisierung für Nachhaltigkeit und die Wichtigkeit des regionalen Wirtschaftens sowie in der Bio-Energie-Debatte sah er Fragen, "die uns als Kirche nicht kalt lassen können". Wenn man aber auf die Menschen in den Strukturen schaue, sei er sich sicher, dass man Lösungen finden werde, auch wenn es einem selbst etwas kosten werde. "Ich bin froh und dankbar, dass wir im Bistum starke Verbände haben, die in diesen Diskussionen kompetent ihre Stimme erheben." Genn verwies unter anderem auf die Katholische Landjugendbewegung (KLJB), den mitgliederstärksten Jugendverband im Bistum.

Zusätzliche Motivation

Der Präsident des WLV, Franz-Josef Möllers, betonte in dem Gespräch, dass er von der Kirche vor allem Mut machende Aussagen erwarte. "Auf der Basis des christlichen Menschenbildes wünsche ich mir eine Begleitung in grundsätzlichen Fragen." Zuvor hatte er dem Bischof einen Überblick über die Mechanismen des landwirtschaftlichen Strukturwandels mit seinen Auswirkungen auf die Betriebe gegeben. Wenngleich man im Münsterland immer noch gut aufgestellt sei, stünden gerade die Familienbetriebe vor vielen Herausforderungen. Derzeit entstehe im Verband ein neues Leitbild, bei dem neben den grundlegenden Werten "Familie, Eigentum und Selbstständigkeit" auch die christliche Verankerung eine wichtige Rolle spiele. "Wenn wir unseren Weg mit der Unterstützung des Bischofs gehen können, ist das eine zusätzliche Motivation."

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Text: Michael Bönte | Fotos: Michael Bönte
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