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11.02.2012
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Pfarrer Hans Döink.

Pfarrer Hans Döink ist Leiter der Kommission für Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche und andere kirchliche Mitarbeiter - hier vor dem Bild "Hahnenschrei" in seinem Arbeitszimmer.

Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche

Pfarrer Döink: "Ein notwendiger Reinigungsprozess"

Bistum. "Mich hat ein Schwein missbraucht!" – Anrufe wie diese lassen Pfarrer Hans Döink auch nach Jahren als Leiter der Kommission für Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche und andere kirchliche Mitarbeiter nicht kalt. Allen Hinweisen geht er nach. Und gerade gegenwärtig klingelt sein Telefon oft.

Eine Ursache sind sicherlich die derzeitigen Veröffentlichungen zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche; Journalisten melden sich bei ihm, aber eben auch Betroffene. Dass das Thema derzeit in den Medien ist, sieht Döink als "Reinigungsprozess, der notwendig ist" für die Kirche. Er spricht von "Wir": "Was haben wir für einen Mist gemacht", gibt er unumwunden zu.

Zu lange verharmlost

Zu lange sei das Thema verharmlost worden, wobei Döink einschränkt, dass diese Tendenz zum Vertuschen und Verschweigen insgesamt in der Gesellschaft so gewesen sei. Erst seit einigen Jahren sei ein anderes Bewusstsein entstanden. Und auch die Wissenschaft, die noch vor Jahren meinte, Pädophilie sei heilbar, ist zu einer anderen Auffassung gekommen: Pädophilie ist nicht heilbar. Der Betroffene kann höchstens lernen, damit zu leben und sie zu beherrschen.

Seit Anfang 2003 sind im Bistum Münster zehn Verdachtsfälle gemeldet worden, die sich jedoch nicht alle bestätigt haben. Zuletzt hatte Döink, der seit Oktober 2007 in der Kommission mit der Kriminalhauptkommissarin a. D. Gudrun Schramm-Arntzen und der Kirchenrechtlerin Professor Myriam Wijlens zusammenarbeitet, zwei Fälle mit denen er sich beschäftigte und für die sich auch die regionalen Medien interessierten.

Geständnis: Minderjährige in Kinderdorf missbraucht

Die Kommission wird bei Bekanntwerden von Vorwürfen direkt tätig und leitet Untersuchungen ein. Hilfreich sind dem früheren Regens des Priesterseminars und langjährigen Dülmener Pfarrdechanten dabei die Fachkompetenz der früheren Kriminalhauptkommissarin Schramm-Arntzen und der Kirchenrechtlerin Wijlens, die mittlerweile auch von anderen Diözesen um Hilfe gebeten werden.

In einem Fall wurde jüngst direkt bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet; es erging ein Strafbefehl. Bei einem Verhör durch die Kommission hatte ein Priester des Bistums Münster, der sich in Lateinamerika in einem Kinderdorf an Minderjährigen vergangen hatte, ein umfassendes Geständnis abgelegt. Das kirchliche Verfahren gegen den Geistlichen steht noch aus, soll aber schnellstmöglich durchgeführt werden.

Kaplan betrunken bei einer Adventsfeier

In dem anderen Fall ist ein Kaplan im oldenburgischen Teil des Bistums hingegen vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs entlastet worden. Nach der kircheninternen Untersuchung stellte die Kommission in ihrem Abschlussbericht fest, dass der Verdacht des sexuellen Missbrauchs sich nicht bestätigt habe. Auch die Einschätzung der Polizei ging in die gleiche Richtung. Bischof Felix Genn hatte den 39-Jährigen nach Bekanntwerden der Vorwürfe bis auf weiteres beurlaubt.

Die Untersuchungen ergaben, dass der Geistliche bei einer Adventsfeier in alkoholisiertem Zustand Jugendlichen unter anderem einen gemeinsamen Saunabesuch vorgeschlagen habe. Nach einer Entscheidung des Bischofs von Münster ist der Kaplan bis zum Abschluss einer therapeutischen Maßnahme beurlaubt. Danach werde ein weiterer Einsatz zu klären sein, hieß es in einer Pressemitteilung des Bischöflichen Offizialates in Vechta. Außerdem werde die Angelegenheit zur Überprüfung an die Glaubenskongregation in Rom weitergeleitet.

Unterschiedliche Fälle

"Jeder Fall ist anders", berichtet Döink, der als Vicarius Cooperator in der Gemeinde Anna Katharina in Coesfeld arbeitet. Mal melde sich ein Opfer, mal meldeten sich Angehörige von Opfern, ein anderes Mal werde die Kommission durch polizeiliche Ermittlungen auf einen Fall aufmerksam. Eigene Untersuchungen stellt die Kommission um Pfarrer Döink in jedem Fall an.

Wenn Beschuldigte vernommen werden, gibt ein Protokoll die Ergebnisse dieser Befragung wieder. Zusammen mit einer kirchenrechtlichen Stellungnahme und einer Empfehlung für das weitere Vorgehen geht dies dann an den Bischof, der entscheidet, ob die Angelegenheit nach Rom weitergegeben wird. Haben sich die Vorwürfe bestätigt, wird der Fall gegebenenfalls an die staatliche Justiz übergeben. Innerkirchlich werden Amtsträger in der Regel laiisiert – sei es auf deren eigenen Wunsch oder durch ein kirchliches Strafverfahren.

Doch nicht nur den Tätern widmet sich die Kommission: Soweit möglich versucht sie den Opfern Hilfsangebote zu machen. "In jedem Fall drücken wir unser tiefes Bedauern aus für das Unrecht, das dem Betroffenen durch einen kirchlichen Mitarbeiter widerfahren ist", betont Döink.

"Wir haben einen anderen moralischen Anspruch"

Die vom Nachrichtenmagazin "Spiegel" jüngst veröffentlichten Zahlen über kirchliche Missbrauchsfälle zeigen nach Ansicht eines Berliner Kriminalpsychiaters Hans-Ludwig Kröber, dass sexueller Missbrauch bei Mitarbeitern der katholischen Kirche sehr viel seltener vorkommt als bei anderen erwachsenen Männern. Nichtzölibatär lebende Männer werden laut Kröber mit einer 36 Mal höheren Wahrscheinlichkeit zu Missbrauchstätern als katholische Priester. Insgesamt habe es seit 1995 in Deutschland rund 210.000 polizeilich erfasste Fälle von Kindesmissbrauch gegeben. Im Vergleich dazu sei die vom "Spiegel" in einer Umfrage ermittelte Zahl von 94 Verdächtigen innerhalb der katholischen Kirche verschwindend gering.

Pfarrer Döink beruhigt dies nicht. Die große Aufregung um dieses Thema ist für ihn mehr als verständlich. "Schließlich haben wir einen anderen moralischen Anspruch an uns und treten so auch in und gegenüber der Gesellschaft auf", begründet der Priester seine Auffassung.

Seine sexuelle Identität kennen

Der 71-Jährige, der 14 Jahre Leiter des Priesterseminars in Münster war und 1996 Pfarrer in Dülmen wurde, glaubt, dass bei den Priesteramtskandidaten verstärkt auf die menschliche Reife zu achten sei. Er weiß aus früheren Jahren, dass auch das Thema Homosexualität ein Tabu in der Priesterausbildung war: "Ein Priester muss um seine sexuelle Identität wissen, auch wenn er zölibatär lebt", betont der Geistliche.

Jeder Priester soll nach seinen Worten in geistlicher Begleitung sein, um einen Ort der Reflexion und des Austausches zu haben. Mit den Angeboten zur Supervision, regelmäßigen Studienwochen im Priesterseminar und den Gesprächsmöglichkeiten dort gebe es gute Wege, Probleme anzusprechen.

"Das sind wir den Opfern schuldig"

Hans Döink blickt oft auf ein Bild in seinem Arbeitszimmer: Es ist ein Holzschnitt von Andreas Felger mit dem Titel "Hahnenschrei". Was die Kirche angesichts des Missbrauchsskandals gegenwärtig erlebt, ist wie einst für Petrus der Hahnenschrei – eine Mahnung, in sich zu gehen, meint Döink. "Wir müssen uns diesen Missbräuchen offen stellen, sie aufklären und informieren – das sind wir den Opfern und auch der Gesellschaft schuldig."

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

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Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem FensterBistumskommission für Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger

Text: Norbert Göckener | Foto: Norbert Göckener
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