
Bischof Felix Genn bei seiner Predigt im Dankgottesdienst der Kaufmannschaft in St. Lamberti.
Bischof Genn beim Jubiläum der Kaufmannschaft zu Münster
Die Werte des "ehrbaren Kaufmanns"
Münster. Das 175-jährige Bestehen des Vereins der Kaufmannschaft zu Münster von 1835 wurde am Freitagabend (05.02.2010) mit vielen Begegnungen festlich zelebriert. Und doch stand vor dem traditionellen Kramermahl mit Ehrengast René Obermann, dem Chef des Telekom-Konzerns, eine andere Begegnung: Die Kaufleute feierten in St. Lamberti am Prinzipalmarkt einen Dankgottesdienst mit Bischof Felix Genn.
Es sei schon ein besonderes Zeichen, dass der Verein zuerst in der Kirche aufzeige, wo die Werte der "ehrbaren Kaufleute" verwurzelt seien, sagte Genn. Ethik, Sittlichkeit, Moral und Vertrauen lebten nicht vorrangig vom Blick auf den Profit, sondern vom Blick auf das Wort Gottes. "Ich möchte Sie hinweisen auf das Gute des Glaubens, der uns Kraft und Mut gibt", sagte der Bischof. Er erinnerte daran, wie maßgeblich die Kaufleute das Gesicht der Stadt mitprägen – und es nach dem Krieg ebenso maßgeblich hatten wiedererstehen lassen. "Sie übernehmen Verantwortung für die Stadtgesellschaft in vielerlei Hinsicht", lobte er.
"Das Amen muss in Ihren Geschäften ankommen"
Woher aber kämen angesichts der aktuellen lokalen wie globalen Herausforderungen die nötigen Werte? "Glauben und leben wir, dass wir die Vorhut von morgen und übermorgen sind und nicht die Nachhut von gestern? Prägt das unseren Umgang miteinander?", fragte der Bischof. Gott die Ehre zu geben, ihm den Platz vor allem Anderen einzuräumen, das sei der Weg, den es zu gehen gelte.
Allerdings verlange es durchaus Einsatz, sich für diese Ehre Gottes, für sein Wort einzusetzen: Im Evangelium koste das Johannes den Täufer den Kopf. Auch die Heilige vom Tag, die Märtyrerin Agatha, habe ihre Überzeugung mit dem Leben bezahlt. Das "Amen" als Unterschrift unter die "Vernunfts-Entscheidung", die Ehre Gottes allem voranzustellen, müsse "auf dem Prinzipalmarkt und in Ihren Geschäften ankommen", forderte der Bischof.
"Sonntag ist notwendig für den Menschen"
Er bezog auch zum Schutz des Sonntags Stellung: "Der Wechsel von Werk- und Sonntag, von Alltag und Feier ist notwendig für den Menschen." Nicht allein für die "seelische Erbauung" oder als Familientag müsse der erste Tag der Woche frei bleiben: "Er ist in erster Linie der Tag Gottes, an dem wir erfahren, dass wir eben nicht alles selber machen können, sondern dass unser Leben ein Geschenk ist."
Seite an Seite mit dem Vorsitzenden der münsterschen Kaufmannschaft, Hugo Fiege, feierte Oberbürgermeister Markus Lewe den Gottesdienst mit, den der Bischof gemeinsam mit dem Pfarrer von St. Lamberti, Ludger Winner, zelebrierte. Musikalisch gestaltete ein Blechbläser-Ensemble die Messe, in dem Mitglieder des Universitäts-Orchesters gemeinsam mit Musikern der Westfälischen Schule für Musik spielten. Nach dem Gottesdienst folgte Genn den Kaufleuten ins Rathaus und ließ sich vom Ritual des Kramermahls – von Grünkohl bis Tonpfeife – überraschen.
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Text: Heike Hänscheid | Foto: Heike Hänscheid
07.02.2010
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