
Exzellenz trifft Tollitäten (v.l.): Das Stadtjugendprinzenpaar Marleen Waltersmann und André Wichtrup sowie der münstersche Prinz Karneval 2010, Andreas IV. Koch, zu Gast bei Bischof Felix Genn – im Hintergrund beobachtet von Münsters Prinzengarde.
Empfang und Pontifikalamt für die münsterschen Karnevalisten
Bischof Felix Genn: "Jesus ist der Grund aller Freude"
Bistum. Bischof Felix Genn hat die Karnevalisten eingeladen, sich von der Kraft Jesu stärken zu lassen. Dass das Pontifikalamt zu Karneval nun schon zum 22. Mal in Münster stattfinde, zeigt Genn zufolge, dass Jesus nicht nur das Leben sei, sondern auch "der Grund aller Freude". Dieser trage auch dann, "wenn die schönen Tage des Karnevals vorbei sind".
Wider Erwarten trug der Bischof am Sonntag (07.02.2010) im St.-Paulus-Dom doch seine Mitra. Beim Empfang für Münsters Prinz Karneval 2010, Andreas IV. Koch, am Samstag (06.02.2010) hatte Genn eine Prinzgardistenmütze erhalten. "Da muss ich mich erstmal vor den Spiegel stellen, um zu sehen, ob mir die Mütze oder meine Mitra besser steht", sagte er.
Der Prinz und der Bischof. |
"Sich einfangen lassen"
In der Predigt im Dom ging der Bischof vom Tagesevangelium vom "Menschenfischer" aus (Lk 5). Genn sagte, er könne verstehen, wenn Menschen sich nicht einfangen lassen wollten. Sie seien ja im Alltag schon "genug Kräften ausgeliefert". Jesus aber wolle "uns ins Leben führen", sagte der Bischof. Er wünschte den Zuhörern die Einsicht: "Sich einfangen zu lassen, um ein Freund Jesu zu sein – da mache ich doch gern mit!"
Am Samstag (06.02.2010) waren Andreas IV., das Stadtjugendprinzenpaar André Wichtrup und Marleen Waltersmann, die Prinzengarde, die Karnevalistische Stadtwache und ihr Spielmannszug im Bischofshaus aufmarschiert. Genn riet den Karnevalisten, immer einige leere Flaschen Bier im Kühlschrank zu haben: "Es könnte ja sein, dass mal jemand kommt, der kein Bier trinken will."
Prinz Andreas IV., der früher Messdiener in Heilig Kreuz Münster war und einige Jahre einem Verein im katholischen Sportverband DJK angehörte, erinnerte an den Prinzenempfang 2009 durch Weihbischof Franz-Josef Overbeck. "Wegen herausragender Leistungen" beim Besuch der Karnevalisten sei Overbeck als Bischof nach Essen befördert worden. Deshalb, sagte der Prinz, sorge er sich um Genn: "Wir hoffen, dass Sie nicht auch befördert werden!" Wohin, das konnte sich mancher Karnevalist mühelos vorstellen: "Der Papst ist ja schon etwas älter", murmelte jemand im Foyer des Bischofshauses.
Karnevalisten auch am Altar
Generalprinzmarschall Andreas Wissing nannte es ein "ganz besonderes Glück", dass die Karnevalisten mit dem Bischof im Dom Eucharistie feiern dürften. Denn die Kirche "gibt uns die Werte an die Hand, um unser Leben zu gestalten. In der und mit der Kirche fühlen wir uns geborgen." Prinz Andreas IV. betonte "das gute Miteinander von Kirche und Karneval".
Das wurde auch am Altar deutlich, denn traditionell übernahmen Karnevalisten die liturgischen Laiendienste. Hermann Limberg (Prinz 1998) trug das Kapitelskreuz, den Bischofsstab hatte Rolf Schmitt (Prinz 1979) in Obhut. Den Altardienst versahen Manfred Hamer (Prinz 1988) und Wolfgang Ahrens, das Weihrauchfass schwenkten Willi Bücker und Dietmar Hohmann. Die Lesungen trug Ehren-Generalprinzmarschall Ernst Albers (Prinz 1985) vor, die Fürbitten das Stadtjugendprinzenpaar. Musikalisch gestalteten das Kolping-Blasorchester Albersloh und der Chor "Quartettverein Rheingold" (Karnevalsgesellschaft "Fidele Bierkutscher") die Feier.
Kritik an Tätern im Missbrauchs-Skandal
Wie sehr der aktuelle Skandal um sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Priester auch Bischof Felix Genn bewegt, das wurde sogar im Pontifikalamt für die Karnevalisten deutlich. In der Predigt sagte Genn, die priesterlichen Missbrauchs-Täter hätten "das Zeugnis, das sie zu geben haben, tief verdunkelt".
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Dossier: Bischof Felix Genn
Text: Jens Joest | Fotos: Jens Joest
07.02.2010
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