
Haiti – hier eine Mutter mit Kindern vor ihrer Hütte im Dorf Sur Prendre – gilt als das ärmste Land Mittelamerikas.
Schweres Erdbeben erschüttert Karibikinsel
Papst und Bischof Genn rufen zu Hilfe für Haiti auf
Port-au-Prince / Münster / Bonn. Ein schweres Erdbeben hat in der Nacht zu Mittwoch (13.01.2010) deutscher Zeit die Karibikinsel Haiti erschüttert und große Schäden angerichtet. Offizielle Zahlen über das Ausmaß gibt es bisher nicht, es werden aber zehntausende Tote befürchtet. Die Bundesregierung, die EU und deutsche Hilfswerke stellten erste Hilfe bereit. Papst Benedikt XVI. rief zu weltweiter Solidarität mit den Opfern auf. Das Beben der Stärke 7,0 betraf vor allem die Hauptstadt Port-au-Prince.
"Wir sind von dieser neuerlichen Katastrophe im ärmsten Land Amerikas tief betroffen", sagte Münsters Bischof Felix Genn, Vorsitzender der Bischöflichen Kommission für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat nach Angaben von dessen Pressestelle. Durch die Besuche haitianischer Gäste in Deutschland im vergangenen Advent bestehe "eine besondere Nähe zu den Menschen". Haiti war Beispielland der Adveniat-Weihnachtsaktion 2009.
Papst Benedikt XVI. mahnte die internationale Gemeinschaft zu tatkräftiger Unterstützung. Zugleich sagte er Hilfe durch kirchliche Einrichtungen zu. In Deutschland gab das bischöfliche Hilfswerk Misereor 30.000 Euro an Soforthilfe. Das katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat stellte der Haitianischen Bischofskonferenz 20.000 Euro zur Verfügung. Caritas International beteiligt sich mit 100.000 Euro.
Helfer vor Ort berichteten von unübersichtlichen und chaotischen Zuständen. Häuser seien eingestürzt, Straßen blockiert, das Telefonnetz zusammengebrochen. Rettungsmaßnahmen seien deshalb schwierig. Auch verfüge das verarmte Land kaum über Raumgerät und ausgebaute Infrastruktur wie geteerte Straßen, erläuterte Adveniat-Länderreferent Michael Huhn. Nach Angaben des Hilfswerks handelt es sich um das schwerste Erdbeben auf der Insel seit Menschengedenken.
Mitarbeiter der Welthungerhilfe berichteten von zahllosen Leichen, die sie auf den Straßen der Hauptstadt gesehen haben. Es sei zu befürchten, dass es vor allem in den dicht besiedelten Armengebieten viele Opfer gegeben hat. Auch die Hilfsgruppe Catholic Relief Services in Port-au-Prince rechnet mit hohen Opferzahlen. Es seien Tausende Tote zu erwarten, sagte der Chef des Verbands, Karel Zelenka. Sprecherin Sara Fajardo ergänzte: "Die Informationen, die uns bislang vorliegen, weisen darauf hin, dass wir vor einer Katastrophe und einem totalen Chaos stehen."
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, pd | Foto: pd
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