
Papst Benedikt XVI.
Neujahrsempfang der Botschafter im Vatikan
Papst kritisiert Widerstand im Kampf gegen Klimawandel
Vatikanstadt. Papst Benedikt XVI. wirft der Staatengemeinschaft Versäumnisse im Kampf gegen den Klimawandel vor. Die "politischen und wirtschaftlichen Widerstände" im Kampf gegen Umweltverschmutzung bereiteten ihm "große Sorgen", sagte der Papst beim Neujahrsempfang der Botschafter am Montag (11.01.2010) im Vatikan. Zugleich warnte er vor einer "schwerwiegenden und weitreichenden sozialen Instabilität" als Folge der globalen Wirtschaftskrise.
Mit dem Klimawandel stehe das Schicksal ganzer Länder auf dem Spiel, insbesondere der kleinen Inselstaaten, betonte Benedikt XVI. Er kritisierte den Ausgang des Klimagipfels von Kopenhagen; eine Einigung müsse jetzt bei den folgenden Konferenzen in Bonn und Mexiko-Stadt erreicht werden. Die Neujahrsansprache an die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten gilt als eine der bedeutendsten politischen Reden des Kirchenoberhaupts im Jahr.
"Mentalität des Egoismus"
Wenn der Mensch seine Grenzen vergesse, werde die Schöpfung bedroht, sagte der Papst. Ausdrücklich verwies er auf Umweltsünden im ehemaligen Ostblock. Dort habe ein "Wirtschaftssystem ohne Bezugspunkte, die auf der Wahrheit über den Menschen beruhen", nicht nur der Würde und der Freiheit der Menschen und Völker, sondern auch der Natur tiefe Wunden zugefügt.
Als eigentliche Ursache der "dramatischen Krise" der Weltwirtschaft wie der Umweltzerstörung bezeichnete Benedikt XVI. eine "Mentalität des Egoismus und des Materialismus". Die Leugnung Gottes entstelle die personale Freiheit und zerstöre die Schöpfung, so der Papst. Die Sorge um die Schöpfung sei "nicht in erster Linie eine Antwort auf einen ästhetischen, sondern vielmehr auf einen moralischen Anspruch".
Mahnung zu gerechter Ressourcenverteilung
Der Weltfrieden kann nach Worten Benedikts XVI. nicht ohne gerechte Verteilung der natürlichen Ressourcen gefördert werden. Unter anderem in Afrika seien Rohstoffe Anlass für viele Konflikte und "eine der Quellen für ein permanentes Risiko", sagte der Papst. Besondere Rücksicht verlangte er für die armen Länder. Die Erde sei in der Lage, all ihre Bewohner zu ernähren. Es könne nicht angehen, dass aus Egoismus "einige die für alle bestimmten Güter für sich allein in Anspruch nehmen", so das Kirchenoberhaupt.
Zugleich rief Benedikt XVI. in seiner politischen Grundsatzrede zu einem stärkeren Kampf gegen den Drogenhandel auf. In Staaten wie Afghanistan und einige Ländern Lateinamerikas stelle der Drogenanbau noch immer eine erhebliche landwirtschaftliche Einkommensquelle dar. Hier müsse es eine Umstellung geben. Der Papst mahnte die internationale Gemeinschaft, sich nicht mit dem Drogenhandel und den schwerwiegenden durch Drogen hervorgerufenen sozialen Problemen abzufinden.
Kritik an Rüstungsausgaben
Nachdrücklich kritisierte der Papst die Zunahme der Rüstungsausgaben und die Aufwendungen für Atomwaffenarsenale. Die "enormen wirtschaftlichen Ressourcen" für diese Zwecke sollten für die Entwicklung der ärmsten Staaten verwandt werden. Erwartungen knüpfte Benedikt XVI. dabei an die Konferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags im Mai in New York.
Im Blick auf Konflikte wie in Darfur, Somalia und der Demokratischen Republik Kongo beklagte der Papst eine "resignierte Gleichgültigkeit der weltweiten öffentlichen Meinung". Solche gewalttätigen Auseinandersetzungen trügen "gemeinsam mit den Geißeln der Armut und des Hungers sowie den Naturkatastrophen und der Umweltzerstörung dazu bei, dass immer mehr Menschen ihr eigenes Land verlassen". An die Regierungen appellierte er, auf diesen Exodus mit Gerechtigkeit, Solidarität und Weitblick zu reagieren.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
11.01.2010
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