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11.02.2012
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Dialogpreis

Jugendliche aus den katholischen Jugendverbänden des Bistums erhielten den Dialogpreis 2009 für ihre 72-Stunden-Aktion "Uns schickt der Himmel".

"Dialogpreis"-Verleihung und Neujahrsempfang des Diözesankomitees

Kardinal Rodriguez fordert Globalisierung der Solidarität

Bistum. Einen ethischen Rahmen und solidarisches Handeln im Zeitalter der Globalisierung hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz in Honduras und Präsident von "Caritas International", Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, gefordert: "Statt Wahrheit, Gerechtigkeit, wahrer Freiheit und Solidarität ist mit der Globalisierung ein neuer Moloch errichtet worden, ein stolzer und unabhängiger Markt, der seine eigenen Gesetze über jegliche anderen Werte stellt", sagte Rodriguez am Samstagabend (09.01.2010) beim Neujahrsempfang des Diözesankomitees der Katholiken in Münster.

Solidarität und Ethik müssten die Globalisierung bestimmen, nicht die Gesetze des kapitalistischen Handelns, die "Wohlstand und Hochkonjunktur nur für ein paar wenige" hervorbrächten. Mit scharfen Worten kritisierte Rodriguez die Verfehlungen, die mit der Wirtschafts- und Finanzkrise zu Tage traten: "Lügen, Betrug, die Fälschung von Zahlen durch die Mitglieder von Verwaltungsräten, die Gewährleistung von millionenschweren Boni als Belohnung für Manager, die Banken und Finanzgesellschaften ausgeraubt haben, die mit Millionen in ihren Taschen und ohne Gerichtsprozess ausgeschieden sind, internationale Finanzorganisationen, die kleine Länder durch strukturelle Mechanismen unterdrücken und ihre Augen vor den Exzessen der großen Länder schließen - all dies schafft Unrecht und führte uns in die Krise."

"Habsucht Weniger drängt Mehrheit an den Rand"

Rodriguez, der vor mehr als 250 Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft über "Ethische Herausforderungen der Globalisierung" sprach, analysierte schonungslos: "Wir leben weiterhin in einer Welt voller offenkundiger Ungleichheiten, und trotz der Produktivität und des Wohlstands sammelt sich dieser zunehmend in einer geringer werdenden Anzahl von Händen." Es werde eine Welt geschaffen, "in der die Habsucht Weniger die Mehrheit an den Rand der Geschichte drängt". Einige Gesellschaften könnten die Vorteile des technischen Fortschritts genießen, doch diese positive Entwicklung für Wenige verstärke die Ausgrenzung der Schwächeren.

Der Präsident von "Caritas International" deckte die widersprüchlichen politischen Rahmenbedingungen von Freiheit und Abschottung auf: Auf der einen Seite gebe es das Bedürfnis, alle Grenzen für die wirtschaftlichen Güter zu öffnen und den Kreislauf von Geld und Gütern zu vereinfachen. Auf der anderen Seite verstärkten die reichen Länder ihre Grenzschutzeinrichtungen, um Einwanderung zu verhindern. "Wir könnten sagen, dass nur die Reichen globalisiert sind. Die Technologie hält sie gleichzeitig auf Distanz zu den Armen, die unterworfen bleiben und für die Reichen arbeiten müssen, weil das System arme Menschen in gewissen Teilen der Welt braucht."

Bischof Genn (l.) und Kardinal Rodriguez beim Neujahrsempfang des Diözesankomitees.

"Ethik entspringt
aus dem Inneren"

Angesichts dieser Ungerechtigkeit fordert Rodriguez eine Globalisierung der Solidarität im Geist des Evangeliums. Die elementarste Solidarität sei jene, die versuche, Handlungen, die sich gegen die Solidarität richteten, zu vermeiden. Dazu zählten beispielsweise Umweltverschmutzung, das Zerstören von Vertrauen und das Schüren von Korruption. Solidarität stehe in Beziehung zu fundamentalen Werten wie Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Beteiligung, sowie zur Goldenen Regel der Nächstenliebe: Handle an anderen, wie du von ihnen behandelt werden möchtest. Die Solidarität braucht nach Ansicht von Rodriguez die Empathie, das Mitgefühl, aber auch das Teilen der materiellen Güter: "Wenn man sieht, dass alle Menschen als ein Ganzes miteinander die erreichbaren Güter teilen, dann haben wir Solidarität erreicht."

Um Solidarität zu erreichen, brauche es ein Umdenken der Menschen und das Bewusstsein für die religiös grundgelegte Ethik. "Ethik ist keine Zwangsjacke, die man von außen durch religiöse Konventionen angezogen bekommt, sondern etwas das aus dem Inneren entspringt." Rodriguez zitierte aus der Sozialenzyklika "Caritas in veritate" von Papst Benedikt XVI., in der es heißt: "Ohne rechtschaffende Menschen, ohne Wirtschaftsfachleute und Politiker, die in ihrem Gewissen den Aufruf zum Gemeinwohl nachdrücklich leben, ist die Entwicklung nicht möglich." Noch aber ist es dem Kardinal zufolge nicht zu spät, die Welt positiv zu gestalten. Notwendig sei die Rückkehr zu einer Ethik, die Jesus Christus grundgelegt habe.

Pernhorst: "Verantwortung der Industrienationen"

Die Vorsitzende des Diözesankomitees, Margret Pernhorst, erinnerte daran, dass sich das Diözesankomitee derzeit schwerpunktmäßig mit dem Thema "Klima und Gerechtigkeit" beschäftige und gemeinsam mit katholischen Verbänden und Pfarrgemeinden Maßnahmen zum Klimaschutz erarbeite. Auch in der Zeit der Wirtschafts- und Finanzkrise dürften Maßnahmen zum Klimaschutz nicht vernachlässigt werden: "Die Auswirkungen des Klimawandels treffen die armen Länder dieser Welt zuerst. Wir sind uns bewusst, dass die Industrienationen eine besondere Verantwortung für die armen Länder haben." Der christliche Blick auf die Globalisierung sei in besonderer Weise "von der Perspektive der Benachteiligten geprägt". Er lasse ein Schweigen angesichts weltweiter Ungleichheit nicht zu. Gefordert sei eine ethisch verantwortbare Gestaltung der Globalisierung, nicht zuletzt, weil die Menschheit eine "globale Schicksals- und Risikogemeinschaft" bilde.

Genn: Ungerechtigkeit lässt Menschen verzweifeln

Die weltweite Ungerechtigkeit lasse viele Menschen verzweifeln, sagte Bischof Felix Genn im Pontifikalamt anlässlich des Neujahrsempfangs im St.-Paulus-Dom. Christen müssten sich dafür einsetzen, "die Welt wieder in Ordnung zu bringen". Das wollten das Diözesankomitee und die katholischen Verbände. Der Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit sei verbunden mit der Bewahrung der Schöpfung sowie eines Verhaltens, das Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen trägt. Genn bekundete seine Solidarität mit Kardinal Rodriguez, dessen Heimatland eine politische Krise erlebt und von sozialer Armut geprägt ist. Angesichts der unübersichtlichen politischen Lage in Honduras nach dem Putsch im Sommer 2009 wünschte Genn dem Kardinal Standfestigkeit, wie sie Clemens August von Galen bewiesen habe. Dessen Wahlspruch "Nec laudibus, nec timore" (Weder Lob noch Tadel) sei in unsicheren Zeiten eine Richtschnur.

Beim Neujahrsempfang erhielten fünf Personen, Gruppen und Projekte den "Dialogpreis für gute Taten 2009", den das Bistum Münster und die Bistumszeitung Kirche+Leben vergeben. Bischof Felix Genn und Kirche+Leben-Chefredakteur Hans-Josef Joest überreichten die Preise.

Die Träger des "Dialogpreises für gute Taten 2009"

Hans Josef Büsen und die "Ausbildungspaten" der Kolpingsfamilie Haltern, die mit fachlicher und menschlicher Begleitung jungen Menschen helfen, ihre Ausbildung zu einem guten Ende zu bringen.

Der Verband KKV Lohne (Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung), der regelmäßig Menschen mit Behinderungen in ihrem Wohnheim abholt und zum Gottesdienst in der Pfarrkirche begleitet.

Die "Karmariders" aus Duisburg-Rheinhausen – fünf Männer, die sieben Wochen lang 2.500 Kilometer per Rad durch Indien gefahren sind und über Kilometer-Sponsoren in der Heimat benachteiligte Kinder in Indien unterstützt haben.

Anni Pietrzik aus St. Marien Ahlen, die sich trotz angeborener Blindheit als Lektorin und Kommunionhelferin engagiert.

Die bistumsweite "72-Stunden-Aktion" der katholischen Jugendgruppen und Jugendverbände, bei der im Mai 2009 rund 15.000 Jugendliche im gemeinnützigen Einsatz waren. Vorbereitet wurde die Aktion vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend und der Abteilung Kinder- und Jugendseelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDokumentiert: Predigt von Bischof Genn beim Gottesdienst zum Neujahrsempfang des Diözesankomitees der Katholiken (09.01.2010)
  1. undefinedPorträt: Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga (08.01.2010)
  2. undefinedKardinal Rodriguez besucht das Bistum Münster (08.01.2010)
  3. undefinedFünf Preisträger des "Dialogpreises für gute Taten 2009" (07.01.2010)
  4. Öffnet internen Link im aktuellen FensterFotostrecke:Die Preisträger des Dialogpreises 2009 (11.01.2010)
  5. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn
  6. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Diözesankomitee der Katholiken
  7. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Bistumszeitung Kirche+Leben

Text: Johannes Bernard | Fotos: Michael Bönte
10.01.2010

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    1. Beeindruckende Entwicklungs-Zusammenarbeit
    1. Prophet globaler Solidarität
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