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24.05.2012
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Krippe im St.-Paulus-Dom.

Bischof Felix Genn predigte am Heiligabend und am 1. Weihnachtsfeiertag im Dom.

Christmette im Dom: Bischof Genn möchte Kirchenferne gewinnen

"Nehmen Sie den Geschmack dieser Festzeit wahr"

Bistum. Menschen, die nicht intensiv am kirchlichen Leben teilnehmen, hat Bischof Felix Genn in seiner Weihnachtspredigt besonders angesprochen: "Ich möchte Sie in dieser Nacht gewinnen, liebe Schwestern und Brüder. Ich möchte Sie gewinnen für Gott." Das sagte Genn in der Mitternachtsmette (25.12.2009) im münsterschen St.-Paulus-Dom. "Nehmen Sie den Geschmack wahr, den die Worte der Lieder, der Liturgie, der Gebete und der heiligen Texte in dieser Nacht und in dieser Festzeit verbreiten."

Er könne verstehen, dass Menschen nicht so ohne Weiteres und leicht den Glauben teilen könnten, meinte der Bischof. Dennoch sei es "höchst spannend" sich damit auseinander zu setzen. Der Glaube an Gott sei für den leichter verständlich, der um die innere Struktur einer Beziehung wisse.

Beziehung leben

Genn meinte weitere: "Eine menschliche Beziehung kann von außen her kaum verstanden werden, erschließt sich aber denjenigen, die diese Beziehung leben, ganz von innen her, und ermöglicht es dann auch in einem zweiten Schritt, mit den Kräften des Verstandes das Unverständliche wenigstens annähernd zu beantworten und für andere durchsichtig zu machen."

So sei es auch mit der Botschaft der Heiligen Nacht. Sie sei so schön, "dass sie dem, der sich in sie hinein begibt, ihre Wahrheit zeigt und von daher kundtut: So ist es gut". Gerade mit dieser Botschaft sei es wirklich gut um den Menschen bestellt. Der Bischof lud die Menschen im überfüllten Dom ein: "Probieren Sie doch die gute Nachricht aus, dass Gott als erstem die Ehre gebührt, wenn diese Welt Frieden haben will." Dann spürten die Menschen, dass Gott ein wunderbarer Ratgeber sei. Er sei ein starker Gott. "Aber er ist eben stark, weil er auf die Idee kam, einer von uns zu werden."

"Die Stöcke der Treiber zerbrechen"

Wer sich auf Gott einlässt, erfährt nach den Worten des Bischofs: "Die drückenden Joche, die Traghölzer unseres Lebens und die Stöcke der Treiber, Hektik und Stress, Hetzen und Jagen – alles wird zerbrochen, weil dieses Licht mitten in allem Dunkel aufgegangen ist, das Licht eines Armen, der Bruder und Freund ist und starker Gott zugleich." Wer sich Gott überlasse, könne selbst zu einem Zeugen dieses Armen werden – und darauf käme es heute an, weil die Welt nichts mehr brauche als das.

In der Kirche vermitteln – nicht Engel – aber einfache Menschen, dass der Retter geboren ist, wie Genn erklärte. "Nehmt ihn auf und das Angesicht der Erde wird erneuert." Das Klima werde menschenfreundlicher, Gewalt und Terror könnten verschwinden, weil die Liebe um sich greife und die Menschen sich nur darin noch Konkurrenz machten: "Voll Eifer danach zu streben, das Gute zu tun – denn wir sind Gottes Eigentum geworden."

Hinweis auf Weltklimagipfel

Genn ging auch auf den zurückliegenden Weltklimagipfel ein: "Wir spüren nach dem ganzen Aufwand in Kopenhagen noch einmal mehr, wie schwierig es ist, die Probleme der Welt auf Konferenzen zu lösen, wenn der nationale und wirtschaftliche Egoismus das Handeln bestimmt, das Eigene einem immer noch näher ist als das, was die anderen und die gesamte Welt brauchen."

An Weihnachten geht es nach Darstellung des Bischofs um das Umgekehrte: "Gott setzt darauf, in diesem System etwas ändern zu können – und er macht es nicht, indem er mit dem Schwert kommt, den römischen Kaiser vom Thron stürzt, sondern die Niedrigen erhöht: Maria, Josef, die Hirten auf dem Feld, die Kleinen, ein paar Fischer vom See Genezareth, die Missionare des Armen, dich, mich, uns."

Adveniat-Aktion

Mit Blick auf die Bischöfliche Adveniat-Aktion, deren Vorsitzender Genn ist, erinnerte er an die Situation in Haiti. Es sei das ärmste Land Lateinamerikas, und doch zähle es zum Kontinent der Hoffnung, weil die Kirche in lebendigen Menschen der Armut trotze. Auch die Menschen in Lateinamerika seien nicht frei von der Versuchung des Materialismus und Egoismus. "Aber sie sind offen, selbst in der tiefsten Armut, sich auf das Wort einzulassen, das in dieser Stunde damals wie heute erklingt: In diesem Kind von Betlehem ist uns die Gnade Gottes erschienen, die allein alle Menschen retten kann."

Im Christkind zeige sich, "wie viel Gott vom Menschen hält, wie sehr ihm am Menschen liegt, wie er voll Eifer danach strebt, uns los zu lösen von unserer Gier, nur für uns selbst zu schaufeln, damit wir um so mehr Menschen werden, die voll Eifer danach streben, das Gute zu tun".

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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
25.12.2009

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