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24.05.2012
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Martha Gercke beim Aufstellen der Krippenfiguren

Inniger Moment: Martha Gercke beim Aufstellen der Krippenfiguren.

Krippe bringt Ruhe und Freude in die Altenwohngruppe

"Voll mit Szenen der Erinnerung"

Dülmen. Es ist ihr wohl innigster Moment in der Advents- und Weihnachtszeit. Ruhe, Freude, tiefe Gefühle – in diesem Augenblick verdichtet sich etwas. Vieles liegt weit zurück, das meiste davon ist ihrer Gedankenwelt entglitten, die Erinnerungen sind kaum greifbar. Aber jetzt: Sie hält das Jesuskind in den Händen – spielerisch, behutsam, ein wenig ehrfürchtig. So, wie sie es als Kind tat und wie sie es später mit ihrer Tochter getan hat. Der Moment vor der Krippe in der Wohngruppe für alte Menschen in der Heilig-Geist-Stiftung in Dülmen bringt für Martha Gercke wieder eine Menge an die Oberfläche.

Der Weg bis zu diesem Moment ist ein atmosphärischer. Dafür haben die Betreuer der Wohngruppe für Menschen mit und ohne Demenz an diesem Tag vor Heiligabend gesorgt. Es wird gesungen, Weihnachtsgebäck geknabbert, Gedichte und Geschichte gehört. Und immer wieder werden die Bewohner eingebunden, nach ihren Erinnerungen gefragt, ihnen Raum und Zeit dafür gegeben. So auch die 84-jährige Martha Gercke. "Auch wir hatten eine kleine Krippe daheim", sagt sie. "Sie war aus Holz selbst gebastelt, die Mutter hat sie immer aufgebaut." Selbst an die Holzfiguren kann sie sich wieder erinnern.

Wie bei ihren Mitbewohnern kommen die alten Erlebnisse nach und nach ins Gedächtnis zurück. Etwa jene an die Krippenausstellungen in Telgte: "Da waren wir jedes Jahr. Und wir haben auch in der Kapelle gebetet." Oder an die "gute Stube" daheim vor den Weihnachtsfeiertagen: "Sie war immer abgeschlossen, und wir Kinder haben immer durchs Schlüsselloch gelugt." Alles, was in dieser adventlich-weihnachtlichen Stimmung die Sinne anspricht, bringt bei ihr kleine Details und große Erlebnisse ins Bewusstsein. Erinnerungen, die beruhigen – das ist allen in der Runde anzumerken.

Spielerisch beruhigend

"So ruhig wie in diesen Momenten bekommen wir es selten in der Gruppe", weiß die Leiterin des sozialen Dienstes in dem Altenwohnheim, Beate Kluge. "Die Menschen hier erleben die Weihnacht auf diese Art nicht reizüberflutet und überfordernd, sondern spielerisch und beruhigend." Durch die Erinnerung wird es ruhig in den Herzen der alten Menschen, weil es eine Erinnerung an Geborgenheit und Liebe ist. "Deswegen ist diese Situation ein Glücksfall", sagt Kluge. "Wie jeder Moment, in dem der alte Mensch bemerken kann, dass da mal etwas war, das ihn heute noch trägt und lebhafte Gefühle schenkt."

Es sind die einfachen, klaren Dinge, die das schaffen. Augenblicke, in denen die Wahrnehmung auf etwas Bestimmtes reduziert wird, in dem ein starker Impuls steckt. "Das ist so beim Christbaumschmücken", sagt Kluge. "Und natürlich beim Aufstellen der Krippe." Die Bewohner suchen nach dem Stern an der Krippe, sie riechen das Stroh und fühlen das Holz der Figuren. "Und sind plötzlich wieder dort, wo sie all das als Kind erleben durften." Gerade in der Krippe liege eine große Chance, weil das Spielerische damals wie heute einen emotionalen Zugang verschaffe, erklärt Kluge. "Ähnlich wie ein Puppenhaus, voll mit Szenen der Erinnerung."

Martha Gercke erlebt das jetzt, wo sich die Gruppe um die kleine Krippe versammelt hat. Sie lässt die kleine Figur durch die Finger gleiten, schaut sie sich genau an und findet schließlich den richtigen Platz in der kleinen Holzhütte. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass sie in der Weihnachtszeit die Figur des Jesuskindes in die Hand nimmt. Wie in den vergangenen Jahren wird sie hin und wieder zur Krippe kommen, um das zu erleben, was sie jetzt genießt: Das Gefühl der Erinnerung, das ruhig und froh machen kann.

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