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04.02.2012
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Kirche muss Wege ins "Web 2.0" finden.

Über Internetkultur und kirchliche Kommunikation berieten kirchliche Experten, Presseverantwortliche und Bischöfe bei einer Tagung im Vatikan.

Vatikan-Tagung:

Kirche muss Wege ins "Web 2.0" finden

Vatikanstadt. Die katholische Kirche sucht nach neuen Wegen in die Internetkultur des 21. Jahrhunderts. Am Sonntag (15.11.2009) ging im Vatikan eine viertägige Konferenz der Bischöflichen Europäischen Medienkommission (CEEM) zu Ende, bei der rund 100 kirchliche Experten, Presseverantwortliche und Bischöfe über "Internetkultur und kirchliche Kommunikation" berieten.

Papst Benedikt XVI. bestärkte das Engagement der Kirche auf dem Feld des Internets. Dies sei ein "Thema von großer Aktualität" für die kirchliche Kommunikation, sagte das Kirchenoberhaupt beim Angelusgebet am Sonntag auf dem Petersplatz.

Der Präsident des Päpstlichen Medienrats, Erzbischof Claudio Maria Celli, sagte nach Angaben aus Teilnehmerkreisen, die Kirche sei bislang zu stark im "ersten Web" verhaftet. Statt nur Texte im Internet einzustellen, brauche es mehr Bild, Bewegtbilder und Ton, um die Aufmerksamkeit und Fantasie der jüngeren Menschen zu gewinnen und mit ihnen in Kontakt zu treten.

Kathedralen im Internet

CEEM-Präsident Bischof Jean-Michel di Falco Leandri erklärte, die evangelikalen Gemeinschaften etwa in Südamerika und Afrika operierten offensiver im Internet, da sie den Menschen besser zuhören könnten. Die Kirche kommuniziere bislang zu viel mit sich selbst. Die Kathedralen des 21. Jahrhunderts müssten im Internet errichtet werden, so der französische Bischof bei der Eröffnung der Tagung. Wenn die Kirche dort nicht präsent sei, schneide sie sich selbst von einem Großteil des Lebens der Menschen ab. Allerdings dürfe man nicht glauben, "dass die Kommunikationsprobleme der Kirche mit ein paar einfachen Kommunikationsmaßnahmen zu lösen sind", so di Falco.

Als Gastreferenten waren offizielle Repräsentanten des sozialen Netzwerks Facebook, der Videoplattform Youtube und des Online-Enzyklopädie-Projekts Wikipedia beteiligt. Aus Teilnehmerkreisen hieß es im Anschluss, die Manager hätten sich zwar jugendlich, agil und einladend präsentiert. Allerdings seien die geschäftlichen Interessen im Hintergrund der Internet-Plattformen nicht zur Sprache gekommen. Teilnehmer verwiesen auch auf eine unterschwellige Zensur, die etwa in Wikipedia-Artikeln stattfinde. Die vorgebliche Objektivität böten auch solche internetbasierten Informationsquellen nicht.

Problem der Autorität kirchlicher Webseiten

Ein Teilnehmer sprach von einer "hilfreichen Bestandaufnahme". Antworten auf die zentrale Frage, inwieweit die Internetkultur die religiöse Praxis verändern werde, habe die Tagung noch nicht geben können. Man wolle jedoch ein Positionspapier erarbeiten und den nationalen Bischofskonferenzen vorlegen.

Bei der Konferenz kam auch das Problem der Autorität kirchlicher Webseiten zur Sprache. Vermeintlich katholische Internetportal könne jedermann aufsetzen, darin aber sowohl mit der kirchlichen Lehre konforme wie widersprechende Inhalte vertreten. Der Frankfurter Religionspädagoge Bernd Trocholepczy verwies in seinem Vortrag auf das wachsende Maß an Identitätsfindung und Welterschließung, die junge Menschen über das Internet fänden. Er warnte vor einer zunehmend klaffenden Lücke zwischen jenen, die wie automatisch mit diesem Medium aufwachsen, und jenen, die die sich damit schwer täten.

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