
Erinnerten an Dom Hélder Camara (v.l.): Bernd Klaschka von Adveniat, Bischof Felix Genn und Pfarrer Reinhold Waltermann.
Erinnerung an Dom Hélder Camara in Münster
Mutiger Prophet und Fürsprecher der Armen
Bistum. Er war Prophet und Wegweiser für die Kirche in Brasilien. Als Fürsprecher und Verteidiger der Armen, als Lehrer des Betens und als Optimist Gottes hat er den Menschen in Lateinamerika und darüber hinaus Orientierung gegeben: Dom Hélder Camara (1909-1999), Erzbischof von Olinda und Recife (1964-1985), lebte die Vision eines dem Menschen und der Welt zugewandten Christseins. Eine Veranstaltung in der Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus in Münster erinnerte am Dienstag (03.11.2009) an den unermüdlichen Mahner, dessen Leitsatz "Gott lebt in besonderer Weise in den Armen" eine ganze Theologen-Generation prägte.
"Dom Hélder Camara war wegweisend nicht nur für seine Zeit, sondern ist es auch im Heute, bleibt es im Morgen", sagte Prälat Bernd Klaschka, aus dem Bistum Münster stammender Geschäftsführer der Bischöflichen Aktion Adveniat. Viele Christen hätten auch heute eine lebendige Beziehung zu Hélder Camara, dessen Vermächtnis unvergessen sei. "Beeindruckend ist sein glaubwürdiges Einstehen für die Kirche der Armen, seine berührende Verbindung von Mystik, Spiritualität und Aktion. In den Armen erkannte er das Antlitz Christi."
Aufbruch der Kirche Lateinamerikas
Für Adveniat zeige sein Wirken den Aufbruch der lateinamerikanischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Klaschka erinnerte an die Lebensstationen des Bischofs, der in Brasilien unter der rechtsgerichteten Militärdiktatur mit einem Redeverbot belegt wurde. Mit der Ermordung befreundeter Priester wollten die Militärs Hélder Camara in die Knie zwingen. "Aber dieser Bischof blieb ein Optimist Gottes, ein optimistischer Mensch. Er machte Menschen Mut und schenkte Hofffnung", sagte Klaschka vor mehr als 200 Zuhörern.
Pfarrer Reinhold Waltermann aus Münster, bei dem Hélder Camara in den 1970er und 1980er Jahren mehrfach zu Gast war, erinnerte an die "tragische Zeit der Kirchenwende in Brasilien", als nach der Emeritierung Camaras "konservative Kirchenleute den vielen Projekten Camaras ein Ende setzten". Dies habe zu Resignation bei vielen progressiven Kräften der Kirche geführt.
Genn: Öffnung für andere wichtig für die Kirche
Einen Blick auf das Bistum Münster im "Geist des Optimisten Gottes" warf Bischof Felix Genn, Ihm habe die Gebetshaltung Camaras immer imponiert. Genn bekannte: "Ich lebe aus dem Gebet. Das Leben aus der Heiligen Schrift ist für mich grundlegend. Es geht darum, Christus näher kennen zu lernen. Wie denkt er? Wie handelt er?" Der Bischof betonte, für ihn selbst seien feste Gebetszeiten "unabdingbar". Aus dieser Haltung erwachse die Liebe zu Menschen: "Ich versuche in meinem bischöflichen Dienst, empathisch zu sein, zuzuhören, was die Menschen bewegt."
Dieses Öffnen für andere sei wichtig für den Communio-Gedanken der Kirche. Der bischöfliche Dienst bleibe davon nicht unberührt. "Ohne Beratung kann ich meinen Dienst nicht tun. Von daher achte ich auf die kirchlichen Gremien. Bei all den Aufgaben, die Diözese zu verwalten, stelle ich mir die Frage: Verlierst du die Armen nicht aus dem Blick?" Als Essener Bischof habe er soziale Probleme praktisch vor der Haustür kennen gelernt. "Vor dem Bischofshaus haben wir soziale Betreuung für die Drogenabhängigen geleistet. Die Situationen dort haben auch meine Ohnmacht gezeigt." Wichtig sei für ihn, das soziale Handeln der Kirche nicht nur an die professionellen Dienste des Caritasverbands abzugeben: "Die Caritas muss in den Gemeinden verankert sein."
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Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard
04.11.2009
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