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04.02.2012
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Bedeutsame Annäherung

Zehn Jahre "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre"

Augsburg. Hochrangige Vertreter von Katholiken, Lutheranern und Methodisten treffen sich am Freitag und Samstag (30./31.10.2009) in Augsburg, um einen ökumenischen Meilenstein in Erinnerung zu rufen. Vor zehn Jahren wurde dort ein Dokument unterzeichnet, das die getrennten Christen einander wieder näherbringen sollte - in derselben Stadt, in der 1530 das "Augsburger Bekenntnis" der Reformation entstand.

In ihrer Erklärung bekräftigten der Lutherische Weltbund (LWB) und die römisch-katholische Kirche am Reformationstag 1999, dass die jahrhundertelang wiederholten gegenseitigen Verurteilungen in der für die Kirchenspaltung entscheidenden Frage nach der Rechtfertigung nicht länger Gegenstand gegenwärtiger Lehre in den beteiligten Kirchen sind.

Kernstück der Konflikte des 16. Jahrhunderts

Der Streit um die Rechtfertigungslehre war ein Kernstück der Konflikte des 16. Jahrhunderts, die zur Trennung der Protestanten von der römischen Kirche führten. "Wie kriege ich einen gnädigen Gott?", fragte der Reformator Martin Luther. Für ihn bildete die Antwort auf diese drängende Frage das Herzstück seiner Theologie: "Allein aus der Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken", so formuliert die "Gemeinsame Erklärung" die Antwort.

In dem Streit, der zu den gegenseitigen Lehrverurteilungen der lutherischen Bekenntnisschriften und des Trienter Konzils führte, ging es, moderner ausgedrückt, um das Verhältnis von Glaube und Handeln, Theorie und Praxis, Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Zentral und unumstritten ist jedenfalls für das christliche Bild vom Menschen, dass der Mensch nicht nur an der Summe seiner Taten zu messen ist, sondern seine unverlierbare Würde als Geschöpf Gottes hat.

Ergebnis eines mehrjährigen Dialogprozesses

Die "Gemeinsame Erklärung" war das Ergebnis eines mehrjährigen Dialogprozesses zwischen dem Vatikan und dem Lutherischen Weltbund (LWB). Dabei musste nicht zuletzt das Problem gelöst werden, dass es auf Seiten des LWB, dem mehr als 100 Kirchen angehören, kein der katholischen Kirche entsprechendes Lehramt gibt. So wurden die Mitgliedskirchen an der Beratung über den Entwurf beteiligt, die sich aber nicht alle äußerten.

Kritiker wandten sich sowohl gegen das Verfahren als auch gegen das Ergebnis. Besonders in Deutschland meldeten sich Gegenstimmen, zumal die am 25. Juni 1998 von der Römischen Glaubenskongregation veröffentlichte "Antwort der Katholischen Kirche" Zweifel weckte, ob tatsächlich alle Verurteilungen der Reformationszeit als obsolet zu gelten hätten.

Ratzinger beteiligt

Um diese Bedenken auszuräumen, formulierten Katholiken und Lutheraner noch eine "Gemeinsame Offizielle Feststellung" und einen "Anhang" zu der Erklärung; auf katholischer Seite war daran der damalige Kurienkardinal Joseph Ratzinger maßgeblich beteiligt.

Zehn Jahre nach Augsburg fällt die Bilanz zwiespältig aus. Auf der Haben-Seite ist zu verbuchen, dass sich 2006 auch der Weltrat der Methodistischen Kirchen dem Konsens zur Rechtfertigungslehre anschloss. Dessen ungeachtet ist die Kritik noch nicht verstummt.

Theologische Konsequenzen angemahnt

Erst am vergangenen Wochenende mahnte die Union Evangelischer Kirchen (UEK) in der EKD, in der 13 protestantische Kirchen zusammengeschlossen sind, theologische Konsequenzen aus der Erklärung an. Gleichzeitig würdigte sie das Papier als "eine bedeutsame Annäherung zwischen reformatorischen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche in zentralen Fragen kirchlicher Lehre".

Dennoch hat keine breite Beschäftigung mit der Erklärung eingesetzt. Das dürfte vor allem daran liegen, dass Luthers Kernfrage: "Wie kriege ich einen gnädigen Gott?" den Menschen des 21. Jahrhunderts nicht in dieser Form umtreibt. Zudem irritiert, dass es trotz dieser Übereinkunft in der Debatte um die kirchlichen Ämter und die Eucharistie- oder Abendmahlsgemeinschaft noch keine greifbaren Fortschritte gegeben hat.

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