
Overbeck: "Nur geistliche Menschen können andere geistlich bewegen."
Eindeutig und glaubwürdig
Der neue Essener Bischof im Porträt
Essen / Bistum. Bei Bischof Franz-Josef Overbeck weiß man, wo man dran ist. Er ist ein Mann klarer Worte, aber auch eines eindeutigen Lebensstils.
Er wünsche sich Menschen im Dienst der Kirche, die "nicht nur fühlen, sondern auch denken" können. Geistliche und praktische pastorale Eignung sei ebenso unverzichtbar wie die Fähigkeit und Bereitschaft zu theologischer Reflexion und schlicht "Liebe zur Kirche". – Das formulierte der Priester 2003 bei einer Konferenz der Beauftragten für die Berufungspastoral.
Ein Römer
Rom hat Overbeck geprägt. In der Ewigen Stadt studierte er Theologie. "Römer bleibt man Zeit seines Lebens", erklärte er einmal. In Rom war der gebürtige Marler mit Katholiken aller Herren Länder zusammengekommen. Er erlebte dort "eine verdichtete Form von Katholizismus", was für ihn bedeutete, den kulturellen wie den kirchlichen Horizont zu weiten. Nach Studienjahren in Rom und Münster promovierte er im Februar 2000 mit einer Arbeit über die "Anthropologie und Trinitätslehre Wolfhart Pannenbergs".
Im Jahr 2000 wurde er Leiter des Instituts für Diakonat und pastorale Dienste (IDP), der Aus- und Fortbildungsstätte der Pastoralreferenten und Ständigen Diakone im Bistum Münster. Dabei legte Overbeck stets großen Wert auf eine "möglichst solide Einführung in das geistliche Leben und in die Theologie". In Verbindung mit der konkreten seelsorglichen Arbeit sollten die Seelsorgerinnen und Seelsorger zu einem Profil kommen, das dem missionarischen Auftrag der Kirche gerecht werde, wie er es 2007 aus Anlass der 50-Jahr-Feier des IDP hervorhob.
Papst Johannes Paul II. und Franz-Josef Overbeck. |
"Entschlossenheit, die barmherzig bleibt"
Nicht zuletzt aus seiner Kaplanszeit in Haltern sowie seiner Tätigkeit als kirchlicher Assistent für die jesuitisch geprägte "Gemeinschaft Christlichen Lebens" weiß er: "Dort, wo Sie zum Beispiel Glaubenswissen vermitteln wollen, müssen Sie in Glaubensauseinandersetzungen informiert wie glaubwürdig sein. Wenn das nicht der Fall ist, ist vieles nicht vermittelbar."
Und wie ist Franz-Josef Overbeck als Mensch? Der neue Bischof von Essen ist ein Intellektueller im besten Sinn: belesen, ein Freund von moderner Kunst, Theater und Oper, aber auch ein Familienmensch. Als neuer IDP-Leiter gab Overbeck im Jahr 2000 gegenüber Kirche+Leben schmunzelnd zu, eine "gewisse Strenge" an sich zu haben, er wolle sie aber als "Treue" verstanden wissen und als "Entschlossenheit, die barmherzig bleibt".
"Geistliches Leben braucht Disziplin"
Einfachheit und Bescheidenheit zeichnen ihn dennoch bei aller Eindeutigkeit aus: "Grundlegend bleibt dabei, dass wir alle 'Mitarbeiter Gottes' sind, die bescheiden bleiben und ihren Dienst tun, den die Kirche und viele Menschen selbstverständlich erwarten dürfen."
Großen Wert legt Overbeck auf ein geistliches Leben, das nach seiner Einschätzung "viel Disziplin benötigt", die er sich selbst abverlangt. Aber eben auch nötig hält für die Pastoralreferenten: Sie bräuchten im alltäglichen Leben einen geistlichen Rhythmus. Mit Blick auf die Diakone formuliert Overbeck: "Das 'Zielprofil' ist ein geistlicher Mensch, der im Auftrag des Bischofs dafür da ist, wahrhaft und persönlich zu zeigen: Christus dient, und die Kirche dient."
Die Begleitung im geistlichen Leben durch Seelsorgerinnen und Seelsorger sieht Overbeck als immer wichtiger an: "Je mehr die Christen verstreut leben, desto notwendiger ist es in Zukunft, mit ihnen zu leben und zu beten, sie zu Gottesdiensten zu versammeln. Deshalb geben wir in der Ausbildung Hilfestellungen, wie die Pastoralreferenten selbst zu geistlichen Menschen werden. Denn nur geistliche Menschen können andere geistlich bewegen."
Bischof Reinhard Lettmann weihte Franz-Josef Overbeck 2007 zum Bischof. |
"Um Gottes willen bei den Menschen"
Papst Benedikt XVI., der Overbeck seinerzeit als Kardinal zum Priester geweiht hat, ernannte den Geistlichen im Juli 2007 zum Weihbischof in Münster. Am 1. September 2007 empfing Overbeck im münsterschen St.-Paulus-Dom die Bischofsweihe und war als Regionalbischof in der rund 365.000 Katholiken zählenden Region Münster-Warendorf tätig.
Das Bischofsamt auszuüben, bedeutet für Overbeck, "einen Dienst zu tun, der klar und eindeutig macht, worum es im Evangelium geht: um Gottes willen bei den Menschen und für sie dazu sein". Als Leitwort hatte er die Anfangsworte des Magnifikats gewählt: "Meine Seele preist die Größe des Herrn."
"Positives Selbstbewusstsein der Christen"
Einen Tag, nachdem Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch von Bischof Reinhard Lettmann offiziell angenommen hatte, wurde Overbeck am 29. März 2008 vom Domkapitel für die Zeit der Sedisvakanz zum Diözesan-Administrator des Bistums Münster gewählt. In einem "Wort an die Diözese" bat er damals um "vertrauensvolle Unterstützung und Zusammenarbeit".
Im Paulus-Jahr warb er für eine Auseinandersetzung mit dem Patron des Bistums Münster und formulierte als eine Botschaft des Heiligen für heute: "Ich glaube, es braucht vor allen Dingen dazu ein neues, ein positives Selbstbewusstsein der Christen. Sie sollten sich eben nicht nur aus einer reichen Geschichte herkommend verstehen und nicht nur sehen, was sich heute ändert. Viele betrachten dies negativ und sagen: Wir befinden uns auf dem Rückzug. Das ist eine Perspektive, die überhaupt nicht förderlich ist für die Zukunft." Overbeck – ein Mann klarer Worte eben.
In einem Hirtenbrief zur Ernennung von Felix Genn zum Bischof von Münster rief er Ende vergangenen Jahres die Gläubigen auf, Bischof Genn "mit offenen Herzen" zu empfangen und "mit großer Freude" willkommen zu heißen. Gleiches wünscht ihm nun seine Heimatdiözese beim Umzug in das Nachbarbistum.
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Text: Norbert Göckener | Fotos: Michael Bönte, Archiv
28.10.2009
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