
Katholische und evangelische Bischöfe trafen sich zur Aussprache.
Nach Irritationen um internes evangelisches Papier
Spitzengespräch: Kirchen wollen Streit beilegen
Karlsruhe. Nach ökumenischen Irritationen haben sich Spitzenvertreter der katholischen und evangelischen Kirche am Mittwochabend (14.10.2009) in Karlsruhe zu einem klärenden Gespräch getroffen. Beide Seiten seien überzeugt, dass das "beschädigte Vertrauen wiederhergestellt werden kann und wird", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, nach dem dreistündigen Treffen. Man habe sich "offen, konstruktiv und im Geist christlicher Geschwisterlichkeit" ausgetauscht.
"Missgriff" und "kriminelle Energie"
Huber bezeichnete ein internes EKD-Thesenpapier, in dem die katholische Kirche in Deutschland als führungsschwach und verunsichert dargestellt wurde, als "Missgriff", den die Kirchenleitung klar zurückgewiesen habe. Die Thesen seien "missbräuchlich und mit krimineller Energie" verbreitet worden. Die evangelische Seite bitte um "Entschuldigung bei allen, die ihre Kirche und sich persönlich durch einzelne anstößige Aussagen beschwert fühlen müssen", sagte Huber.
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte, bei dem Treffen sei "das, was an Verletzungen sichtbar wurde, aufgearbeitet und bereinigt" worden. Auch er persönlich nehme die Entschuldigung der evangelischen Seite an. "Wir haben wieder eine gute Basis für die Ökumene in Deutschland gefunden", sagte Zollitsch. Er kündigte an, die katholisch-evangelischen Kontakte auszubauen. Auch der regelmäßig stattfindende Kontaktgesprächskreis solle intensiviert werden. Nun gelte es, den Blick nach vorne zu richten, etwa zum Ökumenischen Kirchentag in München. "Das, was uns verbindet ist größer, als das, was uns trennt", sagte Zollitsch.
Öffentlich gewordenes Dokument
Anlass für das Treffen waren Differenzen, die ein öffentlich gewordenes, eigentlich aber internes Thesenpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgelöst hat. Darin beschrieb ein hochrangiger EKD-Verantwortlicher die katholische Kirche in Deutschland als führungsschwach. Papst Benedikt XVI. wurde in dem Papier ein rückwärtsgewandter Kurs unterstellt. Zugleich reklamierte der Verfasser eine intellektuelle Meinungsführerschaft für die evangelische Kirche in Deutschland.
Teilnehmer des Gesprächs waren neben Huber und Zollitsch auf katholischer Seite der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, der für Ökumene-Fragen zuständige Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller sowie der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer. Evangelischerseits waren die Landesbischöfe Johannes Friedrich (Bayern) und Ulrich Fischer (Baden) sowie Kirchenamtspräsident Hermann Barth in Karlsruhe zugegen.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
15.10.2009
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