
Der Steinmetz Bernd Wirtz bei Restaurierungsarbeiten in seiner Werkstatt in Haltern.
Eine große Portion Gottesfurcht
Zeitintensive Arbeit am Stein
Haltern am See. Bernd Wirtz aus Haltern ist Steinmetz- und Steinbildhauermeister. Zudem hat er sich zum Restaurator im Handwerk weitergebildet. Sein Unternehmen, das er 1994 übernommen hat, hat sein Urgroßvater 1881 gegründet. "Er hat bei der Erstellung von Bildstöcken das Material gewechselt. Anfangs hat er, wie viele Steinmetzen der Region, Baumberger Sandstein verwendet. Dann ist er auf Savoner, einen Muschelkalk aus der Umgebung von Lothringen, umgestiegen", berichtet Wirtz. Wahrscheinlich habe der Urgroßvater den Werkstoff in München kennen gelernt.
"Savoner hat große Vorteile: Er ist weicher und dadurch besser zu verarbeiten. Und trotzdem ist er weitaus witterungsbeständiger als Sandstein", sagt der 45-Jährige. Sein Urgroßvater habe nach Köln, Wesel und Xanten geliefert. "Leider gibt es keine Aufzeichnungen, was er alles gefertigt hat. Das, was ich weiß, habe ich von meiner Großmutter erfahren, die ihre Informationen wiederum von ihrer Schwiegermutter hatte", bedauert der Handwerksmeister.
Die Aufträge, alte Bildstöcke zu restaurieren, gingen immer weiter zurück. "Die Kirchengemeinden, die häufig unsere Auftraggeber sind, haben weniger Geld zur Verfügung. Und von privater Seite werden selten verfalle Bildstöcke in Auftrag gegeben", berichtet er aus seinem Geschäftsalltag. Anfragen, neue Glaubenszeugnisse zu errichten, gibt es so gut wie keine.
Welche Regeln gilt es zu beachten, um lange Freude an einem Bildstock zu haben? "Der größte Fehler, den man begehen kann, ist es, den Sandstein mit einem Hochdruckreiniger zu säubern. Bei jeder Reinigung wird eine Schicht des Steins durch den rotierenden Strahl abgetragen. Filigrane Details fliegen sofort mit weg", warnt der Experte. Wer seinen Bildstock reinigen wolle, müsse Zeit mitbringen. "Über kleine Düsen wird die Station eine längere Zeit lang mit Wasser benebelt. Anschließend lässt sie sich mit einer kleinen Bürste reinigen." Es schade einem Bildstock nicht, wenn er durch die Witterung grün geworden sei. "Aber Moos und Risse sind für den Erhalt des Bildstocks gefährlich. Denn Moos hat Wurzeln, und durch die Risse kann Wasser in die Station kommen, das bei Frost den Stein sprengen kann."
Wird eine Station zur Restauration bei ihm in Auftrag gegeben, muss er als Restaurator schauen, was möglich ist. "Ausbesserungen mache ich nur, wenn Fotos vom Originalzustand vorhanden sind. Noch in den 1970er Jahren haben die Steinmetzen ihrer Phantasie freien Lauf gelassen. Dafür gibt es Beispiele am Kölner Dom. Aber das ist heute nicht mehr üblich", erklärt Wirtz. Mit Steinersatzmörtel, der von einer Fachfirma nach einer Steinprobe hergestellt wird, können Fehlstellen aufgearbeitet werden. "Aber immer muss mit dem Kunden ein Konsens zwischen dem gefunden werden, was fachlich zu vertreten ist und dem, was der Kunde wünscht. Ein alter Bildstock darf nach der Restaurierung nicht aussehen, als sei er neu."
Die Arbeit sei sehr zeitintensiv. So würden sich entsprechend die Kosten berechnen. "Sie sind von verschiedenen Faktoren abhängig: Soll ein Bildstock restauriert werden oder nur der Ist-Zustand erhalten bleiben? Kann die Arbeit in der Werkstatt gemacht werden oder müssen wir vor Ort restaurieren? Es beginnt bei 3.000 Euro, aber nach oben hin gibt es keine Grenze", informiert Wirtz.
Zur Restaurierung stehen inzwischen die Stationen an, die um die Jahrhundertwende und nach dem Ersten Weltkrieg aufgestellt wurden. "Damals hat übrigens eine Figur in Lebensgröße das Jahresgehalt eines Lehrers gekostet", hat der Steinmetz in alten Unterlagen recherchiert.
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