Bischofskonferenz sagt Ökumene-Gespräch ab
EKD-Papier sorgt weiter für Unruhe
Bonn. Ein Papier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) belastet weiter den Dialog der beiden großen Kirchen. Wie die katholische Deutsche Bischofskonferenz am Montag (12.10.2009) in Bonn mitteilte, wurde das für diese Woche turnusgemäß angesetzte Treffen des Kontaktgesprächskreises zwischen der EKD und ihr abgesagt. Stattdessen soll es ein "klärendes Gespräch" zwischen führenden Vertretern beider Seiten geben.
Das Papier des EKD-Kirchenamts-Funktionärs Thies Gundlach enthalte "harte Worte", so Bischofskonferenz-Sprecher Matthias Kopp. "In dieser Situation wäre es falsch, einfach zur Tagesordnung des halbjährlichen Gesprächskreises überzugehen." Der Sprecher weiter: "Wir haben die Erwartung geäußert, dass die evangelische Seite die Sache möglichst schnell klärt."
Kritik an Lage der katholischen Kirche
In dem umstrittenen Papier äußert sich Gundlach kritisch über die Lage der katholischen Kirche in Deutschland und einen angeblich rückwärtsgewandten Kurs von Papst Benedikt XVI. Zugleich reklamiert der Verfasser eine intellektuelle Meinungsführerschaft für die evangelische Kirche; wörtlich heißt es: "Die intellektuelle und positionelle Präsenz in gesellschaftlich relevanten Fragen wird in den letzten Jahren deutlich von der evangelischen Kirche dominiert und geprägt." Das eigentlich interne Papier wurde vor einiger Zeit den Medien zugespielt, die in der vergangenen Woche Details daraus veröffentlichten.
Die evangelische Seite sei nun aufgefordert, die Angelegenheit möglichst schnell zu klären, betonte Kopp. Diesem Zweck solle auch ein Treffen am Mittwoch anstelle des ursprünglich vorgesehenen Kontaktgesprächs dienen. Daran nehmen den Angaben zufolge jeweils drei führende Vertreter der Bischofskonferenz und des EKD-Rates teil. Ziel sei es, "ein derzeit sehr belastendes und in der Öffentlichkeit breit diskutiertes Problem zu lösen", so Kopp.
Anlässe für Verstimmungen
Anlässe für Verstimmungen gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. So war die katholische Seite konsterniert, als sich zur Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" durch Repräsentanten des Lutherischen Weltbundes und der katholischen Kirche am 31. Oktober 1999 protestantische Theologen zu Wort meldeten, die diesen ökumenischen Erfolg gleich wieder in Frage stellten.
Auf Protest der evangelischen Seite stieß dagegen das ein Jahr später veröffentlichte Vatikan-Dokument "Dominus Iesus", in dem den Kirchen aus der Reformation bescheinigt wurde, sie seien nicht Kirchen "im eigentlichen Sinn". Eine Position, die 2007 in einem weiteren Dokument der Römischen Glaubenskongregation zu "einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" bekräftigt wurde.
Begräbnis von Roger Schutz
Vor und nach dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin waren intern - vor allem im Zusammenhang mit der Diskussion über ein gemeinsames Abendmahl - manche Unfreundlichkeit über die jeweils andere Seite zu hören.
Atmosphärische Trübungen waren auch bei einem anderen Ereignis zu spüren, das die Christen eigentlich zusammenführte: Das Begräbnis des ermordeten Priors der Gemeinschaft von Taize, Roger Schutz, im August 2005 wurde als katholisches Requiem gefeiert mit Kurienkardinal Walter Kasper als Zelebranten. Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber konnte dabei nur eine Lesung vortragen.
Huber spricht bei "Donum Vitae"
Auch die bewährte Zusammenarbeit der Kirchen im politischen Berlin musste in der vergangenen Legislaturperiode einen Dämpfer hinnehmen: In der Diskussion um das Stammzell-Gesetz preschte Huber mit einem unabgestimmten liberalen Kompromissvorschlag vor und düpierte damit die Katholiken.
Auf katholischer Seite wird auch mit Missvergnügen die Ankündigung aufgenommen, dass Huber in zwei Wochen beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Schwangerenberatungs-Organisation "Donum Vitae" sprechen wird, die von katholischen Laien gegen den Willen der Bischöfe gegründet wurde.
Ökumenisches "Highlight"
Am 30. und 31. Oktober treffen sich hochrangige Vertreter der katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbunds in Augsburg zur Feier des zehnten Jahrestags der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Wieder ein ökumenisches "Highlight". Am Rande wird dabei auch Gelegenheit sein, die gegenwärtigen Verstimmungen anzusprechen.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
13.10.2009
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