
Diskussion beim Jubiläum (v.l.): Domvikar Stefan Sühling, Paul Kothes, Professorin Marie-Louise Klotz und Ernst Spranger, stellvertretender Direktor der Wasserburg.
60 Jahre Bildungszentrum Wasserburg Rindern
Lebendige Feuerstelle des Glaubens
Kleve. Als zentrale Einrichtung, die den Glauben verkündet und aus dem Glauben der Menschen lebt, hat Weihbischof Heinrich Janssen die Bildungsstätte "Wasserburg Rindern" gewürdigt. Der Glaube am Niederrhein habe nicht nur eine lange Geschichte, sondern auch lebendige Feuerstellen, Orte, an denen der Glaube lebe, sagte der niederrheinische Regionalbischof während der Festmesse in der Hauskapelle der Wasserburg. "Heute feiern wir 60 Jahre Wasserburg Rindern, das ist auch ein Stück niederrheinischer Glaubens- und Kirchengeschichte", sagte er. Wer die Programme des Hauses kenne, erfahre, in wie vielen Themen sich das ausdrücke.
Dass die Wasserburg seit 60 Jahren erfolgreich arbeite, sei gerade damit verbunden, dass die Besucher in der Einrichtung eine moderne Kirche erlebten, sagte Paul Kothes, Vorsitzender des Kuratoriums der Wasserburg, bei der Festveranstaltung. Es sei der "Spirit des Erfolges", dass hier zeitgemäße Formen des Glaubens ausprobiert würden.
Kristallisationsort des Glaubens
Sich nicht auf dem Erfolg der letzten 60 Jahre auszuruhen, sondern die Herausforderungen einer vom Glaubensschwund geprägten Gesellschaft anzunehmen, dazu ermutigte Domvikar Stefan Sühling, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster. Gerade angesichts der wegbrechenden volkskirchlichen Strukturen müsse die Wasserburg ein Lebens- und Kristallisationsort des Glaubens sein. Gerade hier würden zum Beispiel Landwirte auf die ethischen Aspekte ihres Berufes hingewiesen, sagte Sühling. Das sei notwendiger denn je, wenn man sehe, wie während der aktuellen Protestaktionen Milch vernichtet werde.
Als Einrichtung, die Grenzen überwinde, beschrieb Professorin Marie-Louise Klotz, Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal, die Wasserburg. Sie forderte einen stärkeren interdisziplinären Austausch deutsch-niederländischer Studenten. Die Wasserburg ist nach ihren Erfahrungen eine gastfreundliche Einrichtung, die ein breites Publikum integriere und keine Gruppen ausgrenze.
Als Glücksfall für die Stadt Kleve bezeichnete Bürgermeister Theodor Brauer die Einrichtung. Er dankte dem Bistum, dass es die Bildungseinrichtung so großzügig unterstütze. Als Zentrum für die Klever Netzwerkaktivitäten sei die Wasserburg, die eine Top-Adresse unter den Bildungshäusern sei, nicht mehr wegzudenken. Als Baustein der kulturellen sowie der Erwachsenenbildung trage die Wasserburg zum positiven Image der Stadt Kleve bei.
Stationen der Entwicklung
Zuvor hatte Kurt Kreiten, Direktor der Wasserburg, die Stationen ihrer Entwicklung aufgezeigt. Am 22. September 1949, einen Tag nach der offiziellen Gründung der Bundesrepublik, wurde der Verein "Katholische Landvolkshochschule Freudenberg" gegründet. Damit war Freudenberg die erste derartige Einrichtung des jungen Staates. Bis Ende 1955 stellten die Hiltruper Missionspatres ihr Freudenberger Haus der Schule zur Verfügung. 1956 erhielt die Landvolkshochschule vom Bistum Münster mit der Wasserburg ein eigenes Heim. Damit übernahm das Bistum auch die offizielle Trägerschaft. Die starke Ausrichtung auf den landwirtschaftlichen Berufsstand spiegelte sich in der Person eines der ersten Leiter wider: der spätere Bundestagsabgeordnete Emil Solke war zeitweilig Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes.
Prägende Gestalt der Geschichte war Arthur Hector, der das Haus von 1956 bis 1991 leitete. Schon in den 70er Jahren brach Hector die Konzentration auf die überwiegend landwirtschaftliche Bevölkerung auf und öffnete das Haus neuen Gruppen. Zum Ausdruck kam das durch die Änderung des Namens in "Katholische Heimvolkshochschule". Seit Anfang der 90er Jahre erfolgte die bauliche und thematische Umgestaltung des Hauses. Ab 1999 wurde die Bildungsarbeit des kurz zuvor geschlossenen St.-Norbert-Hauses als fünfter Fachbereich integriert.
Mit der Schließung des Diözesanbildungswerkes wurden 2005 neue Fachbereichsleitungen übernommen. Seit zwei Jahren wird die gemeinsame Arbeit insbesondere mit dem Franz-Hitze-Haus in Münster und der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst" in Warendorf-Freckenhorst unter dem Dach des "Verbundes der katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Münster" intensiviert. Mit neuem Namen präsentiert sich die Einrichtung seit 2008: "Wasserburg Rindern – Katholisches Bildungszentrum" heißt das Haus seitdem und präsentiert sich nach den Worten seines Direktors als Einrichtung "mit eigenem Flair".
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Jürgen Kappel
30.09.2009
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