
Weihbischof Franz-Josef Overbeck segnete vor dem festlichen geschmückten Coesfelder Kreuz Kinder.
Jubiläums-Kreuztracht in Coesfeld
Dem Leben auf der Spur durch Jesus
Coesfeld. Gemeinsam mit 1.500 Christen aus Coesfeld und Umgebung hat Weihbischof Franz-Josef Overbeck am Sonntag (20.09.2009) an der Kleinen Kapelle des Coesfelder Kreuzwegs ein stimmungsvolles Pontifikalamt gefeiert.
In diesem Jahr begehen die Coesfelder das 350-jährige Jubiläum "ihres“ Kreuzwegs unter dem Motto "In der Spur des Glaubens“. Dieses griff Overbeck in seiner Predigt unter verschiedenen Aspekten auf: menschlich erfahrenes Leid, gesellschaftliche Nöte und Fragen von Ehe und Familie.
"Alle Menschen sind dem Leben auf der Spur. Sie wollen erfüllt und froh leben. Genau das tun wir Christen. Als Menschen, deren Lebensform Christus - das heißt der Glaube ist, sind wir dem Leben auf der Spur, dem Kreuz nach.“ Andere Menschen folgten anderen Spuren, doch die Christen seien der Überzeugung, dass sie das Leben fänden, wenn sie das Kreuz fänden.
Von Gott finden lassen
"Wir lassen uns von Gott finden, der sich uns im Kreuz seines Sohnes zugesellt“, betonte Overbeck. Die Antwort auf die Fragen der Menschen gebe Gott. "Durch die Leiden des eigenen Lebens und durch die Leiden der Geschichte kommen wir dem Leben dann auf die Spur, wenn wir diese Leiden verstehen, deuten und tragen in der Kraft des Kreuzes Christi. Gott ist dem Leben auf der Spur und die Brücke zu ihm ist Jesus“, sagte der Weihbischof.
"Seid so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht“, zitierte Overbeck aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper (Phil 2,5). "Dieses einfache Wort weist uns darauf hin, dass der Glaube und das Leben zusammengehören, dass das Leben und Christus zusammengehören. Darum sind wir dem Leben nur dann auf der Spur, wenn wir es in der Gesinnung Christi leben.“
Nichts Menschliches ist Gott fern
Nichts Menschliches sei Gott fern, außer der Sünde. So nahm er den Tod in seinem Sohn Christus auf sich. Auf diese Weise seien die Gläubigen mit Christus selbst auf der Spur, das heißt mit Gott, der mit ihnen geht. "Wir sind dem Leben auf der Spur, das Christus uns schenkt durch sein Kreuz“, erklärte der promovierte Theologe. Dies verdeutlichte er in drei Schritten.
Zum Leben gehörten Krankheit, Leid und Tod. Die Herausforderung der Christen bestehe darin, durch ihr Leben zu zeigen, dass sie dieses annehmen. "Wir Christen gehen mit Jesus den Weg auf das Ende zu. Wir sind nicht einsam, er geht mit uns“, sagte der 45-Jährige. Ein weiteres "Kreuz“, das viele Menschen ungefragt zu tragen und auszuhalten hätten, seien die Auswirkungen der Wirtschaftskrise: Arbeitslosigkeit, neue Armut und soziale Ungerechtigkeit. Aber im Kreuz Christi werde die Solidarität Gottes mit den Menschen deutlich.
Solidarität und Gerechtigkeit
Deshalb sei es wichtig, als Christen solidarisch zu leben und zu handeln. "Wo Solidarität und Gerechtigkeit geübt werden, sind wir dem Leben auf der Spur.“ Eine weitere konkrete Herausforderung sei das Thema Ehe und Familie. "Mittlerweile gibt es Gegenden, in denen die Hälfte der Kinder nicht mehr in einer Familie mit Vater und Mutter leben, sind über ein Drittel aller Eheleute geschieden, müssen viele Menschen einsam und allein Alter und Sterben bewältigen.“
Gott sei den Menschen treu, er verlasse sie nie. Die Treue, eine Haltung, die positive Werte im Leben eines jeden Menschen befördere, lohne es sich zu verfolgen. "Sie zeigt, dass wir Christen uns in unserem Verhalten mühen, der Treue Gottes zu uns Menschen ein Gesicht zu geben. Wer treu ist, ist dem Leben auf der Spur“, betonte Overbeck und fügte abschließend hinzu: "Wir kommen dem Leben auf die Spur, wenn wir Christus folgen. Christ sein ist Lebensform. Diese Form hat einen Namen: Jesus Christus, der uns im Kreuz erlöst.“
Großer Kreuzweg
Nach dem Segen durch den Weihbischof setzten die Gläubigen ihren Weg auf dem Großen Kreuzweg fort. Hinter dem, von Firmlingen getragenen Coesfelder Kreuz, gingen Kinder mit, die während des Gottesdienstes ein großes Mandala aus Naturmaterialien gefertigt hatten. Der Tag endete für die Pilger dort, wo er begonnen hatte: in der St.-Lamberti-Kirche mit dem Abschluss-Segen.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe
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