
Immer mehr Christen leiden unter Verfolgung.
Menschenrechtler: Keine Koalitionen mit der Linkspartei
80 Prozent aller religiös Verfolgten sind Christen
Bonn. Etwa 80 Prozent aller religiös Verfolgten weltweit sind nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) Christen.
Ihr Anteil wachse weiter, etwa durch die Einführung und Anwendung des islamischen Rechts, der Scharia, in zahlreichen Ländern der Erde, sagte der Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation, Martin Lessenthin, am Donnerstag (17.09.2009) der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. Er berief sich auf eine Erhebung unter den Mitarbeitern und Mitgliedern seiner Organisation. Zu ähnlichen Ergebnissen kämen etwa die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) oder das internationale Hilfswerk Kirche in Not.
Oft gehe religiöse Verfolgung auch mit ethnischer Diskriminierung einher, betonte Lessenthin. Als Beispiel nannte er etwa den Iran oder China, wo neben Falun Gong, der evangelischen Hauskirchenbewegung und der romtreuen katholischen Untergrundkirche auch muslimische Uiguren und lamaistische Buddhisten aus Tibet Ziel behördlicher Unterdrückung seien.
Verfolgung anderer Religionen
Gleichzeitig erinnerte der IGFM-Vorsitzende auch an Verfolgung anderer Religionen durch oder mit Duldung von Christen. Seine Organisation habe mit gleicher Deutlichkeit wie gegen Islamismus auch gegen Menschenrechtsverstöße von Russen im überwiegend muslimischen Tschetschenien oder von Serben in Bosnien oder im Kosovo protestiert.
Als einen besonderen Fall nannte Lessenthin Indien, wo Christen, Muslime und Buddhisten gleichermaßen unter Übergriffen radikaler Hindus zu leiden hätten. Die Kritik der IGFM richte sich nicht nur gegen die Verfolger selbst, sondern auch gegen die Obrigkeit in jenen Staaten, die den betroffenen Minderheiten keinen Schutz biete. Dies gelte etwa für Nigeria, wo die Zentralbehörden zu wenig gegen die "barbarischen" Strafen unter der Scharia in überwiegend muslimischen Bundesstaaten einschritten.
Von in der DDR begangenem Unrecht distanzieren
Überdies warnte die IGFM vor jeder Koalition mit der Linkspartei. Eine Partei, deren führende Mitglieder sich bis heute nicht glaubhaft von in der DDR begangenem Unrecht distanzierten, dürfe nicht in einem Bündnis auf Bundes- oder Landesebene mitregieren, sagte Lessenthin. Die Erklärung der "Linken" zu ihrer Verantwortung sei ungenügend.
Am Donnerstag startete die IGFM in Frankfurt eine entsprechende Unterschriftenkampagne, der sich an die Vorsitzenden der Parteien im Deutschen Bundestag richtet. In dem Appell wird die DDR als ein "Unrechtsstaat" bezeichnet, der die Menschenrechte Andersdenkender "über Jahrzehnte hinweg auf das Schwerste verletzt" habe.
Systematischer Terror und psychische Folter
Als Beispiele nennt die Organisation systematischen Terror und psychische Folter in Haft, Hinrichtungen, Morde an der innerdeutschen Grenze, Zerstörung von Familien, die Bespitzelung in Betrieben, gesellschaftlichen Organisationen und Kirchen sowie Studier- und Ausbildungsverbote für Andersdenkende.
Der zuletzt zu verzeichnende Machtzuwachs der Linken 20 Jahre nach dem Mauerfall sei vor diesem Hintergrund eine "schwer zu ertragende Entwicklung", so die IGFM. Als eine "umbenannte SED" stelle die Partei Hunderttausende Schicksale "schulterzuckend als bloße Fehler" oder "unvermeidlichen Irrweg" dar. Es dürfe, so schließt der Appell, eine Zusammenarbeit nur mit jenen geben, die sich klar zu den Menschenrechten und der Aufarbeitung von Unrecht bekennten und "Verharmlosung, Nostalgie und Bündnissen mit Altgestrigen" entgegenträten.
36.000 Mitglieder
Die IGFM wurde 1972 von 13 Mitgliedern gegründet, zum Teil verfolgte Dissidenten aus der Sowjetunion und der DDR. Heute hat die Organisation nach eigenen Angaben 36.000 Mitglieder weltweit, die in 26 nationalen Sektionen organisiert sind. Die deutsche Sektion zählt demnach rund 3.000 Mitglieder.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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