
Am Sonntag feierte Kurienkardinal Walter Kasper mit den Gläubigen in Kevelaer ein Pontifikalamt. Anschließend spendete er den "Päpstlichen Segen".
Kurienkardinal Walter Kasper zur Ökumene:
Impuls des Heiligen Geistes
Kevelaer. Als Impuls des Heiligen Geistes bezeichnete Kardinal Walter Kasper die Ökumene bei seinem Besuch in Kevelaer am Samstag (12.09.2009). Durch den Heiligen Geist wirke der Auftrag Jesu, "dass alle eins seien", bis in die heutige Zeit.
Für Kasper, der zuletzt in den 1960er Jahren als Dogmatikprofessor der münsterschen Universität in Kevelaer gewesen war, sind die Fortschritte in der Ökumene wie ein Wunder. Begonnen habe die Ökumene unter Papst Johannes XXIII., erinnerte er. Der damalige Kurienkardinal Augustin Bea hatte die Erklärung "Nostra Aetate" vorbereitet, die dem Jahrhunderte alten Vorwurf widersprach, dass die Juden "Gottesmörder" seien. Auch an der Entstehung des Ökumene-Dekrets "Unitatis redintegratio" war Bea maßgeblich beteiligt.
Persönliche Begegnung
Kurienkardinal Kasper, der Präsident des Rates zur Förderung der Einheit der Christen ist, beschrieb, dass die persönliche Begegnung einzelner kirchlicher Würdenträger bis heute entscheidend für den Fortschritt in der Ökumene sei. Zum Beispiel müsse man die Begegnung zwischen Papst Paul VI. und Athenagoras, dem Patriarchen von Konstantinopel, am 5. und 6. Januar 1965 in Jerusalem als Durchbruch der Beziehungen zwischen Rom und Konstantinopel werten. Es sei schon viel geschehen, sagte Kasper. Erst wenn man sich vor Augen führe, welche Ergebnisse es in den seit mehr als 60 Jahren geführten ökumenischen Gesprächen gebe, wisse man die Ergebnisse zu schätzen. Auch wenn noch deutliche Unterschiede bestünden.
In den Ökumenegesprächen dürfe man auch Maria nicht vergessen, die normalerweise nicht im Mittelpunkt stehe. Die Frage nach der Bedeutung Mariens müsse man in gegenseitigem Respekt voreinander angehen. Am leichtesten sei es mit den orthodoxen Christen. Sie verehrten Maria als Heilige und "Unbefleckte Empfängnis".
Wunsch nach Einheit der Christen
Kasper berichtete von der Entscheidung des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II., der russisch-orthodoxen Kirche und dem ganzen russischen Volk 2004 die Ikone der Muttergottes von Kasan zurückzugeben. Das Marienbild war elf Jahre lang in einem der privaten Wohnräume des Papstes aufbewahrt und verehrt worden. Als Kardinal Kasper dem Patriarchen Aleksij II. die Ikone übergab, brachte er brieflich den Wunsch des Papstes nach der Einheit der Christen zum Ausdruck.
"Maria kann helfen, den Rest der Ökumene zu überwinden", sagte Kaspar. Die Frage sei, welche Formen der Marienverehrung gemeinsam mit den Protestanten, Anglikanern oder den Reformierten gefunden werden könnten. Viele Missverständnisse habe es in der Vergangenheit gegeben: Klar sei jedoch, dass man Maria nicht anbete. Man verehre sie als Fürsprecherin. Luther selbst sei ein großer Marienverehrer gewesen, wie aus seinem Kommentar zum Magnifikat hervorgehe. Für die Reformatoren sei nach wie vor die Frage schwierig, wie der Mensch an der Gnade Gottes mitwirken könne, da allein die Gnade Gottes wirke ("sola gratia").
Aber auch die Lutheraner bekräftigten Maria als "Schwester im Glauben". Kaspar erinnerte an die herausgehobene Stellung Mariens in dem Dokument "Communio sanctorum", das eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und die Kirchenleitungen der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen geschrieben hätten. Sie sage "Ja" zum Heilswillen Gottes. Sie habe als einziges Geschöpf den ursprünglichen Heilsplan Gottes durchgehalten.
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Gerhard Seybert
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