
Sozialethiker Karl Gabriel.
Sozialethiker Karl Gabriel:
Papst-Enzyklika unpräzise
Münster. Kritik an der Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. hat der münsterische Sozialethiker Karl Gabriel geübt. "Die Begriffe und Konzepte, die der Papst zum Begreifen der gegenwärtigen Weltsituation anbietet, bleiben in einem Maße unpräzise und unterkomplex, dass sie in Widerspruch zu seinen Absichten geraten", schreibt er in einem Beitrag für die Internetseite des Exzellenzclusters "Religion und Politik" der Universität Münster. Der Papst lasse den Kenntnisstand der Sozialwissenschaften zu Globalisierung und Entwicklung "über weite Strecken außer Acht", so Gabriel.
Eine weitere Schwäche sieht der Wissenschaftler in der ethischen Argumentation in der Enzyklika "Caritas in veritate" (Liebe in Wahrheit). Der Papst umgehe die Tatsache, dass die katholische Kirche nur noch eine von vielen Religionen im globalen Weltanschauungsmarkt darstelle.
Er verweise ausgerechnet auf das Naturrecht, "als dessen Kritiker er sich als junger Theologe einst einen Namen gemachte hatte". Dass Benedikt XVI. die Politik auffordere, seine eigene Konzeption von "Liebe in der Wahrheit" zur Unterscheidung der Religionen heranzuziehen, bringe ihn "in die Nähe einer fundamentalistischen Position", so Gabriel.
Die Enzyklika war 7. Juli im Vatikan vorgestellt worden. Es ist die erste Sozialenzyklika von Benedikt XVI. Darin fordert der Papst eine Steuerungsinstanz, um die Weltwirtschaft zu lenken und die Folgen der aktuellen Krise zu meistern. Ausdrücklich verurteilt das Kirchenoberhaupt Profitgier und Egoismus, warnt jedoch vor Fatalismus oder einem blinden Widerstand gegen die Globalisierung.
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