
Aufmerksamer Zuhörer war Bischof Genn bei der Stadtdekanats-Versammlung in Münster.
Bischof Felix hörte Erfahrungen aus der Stadtdekanats-Versammlung
Hinter den Strukturen wieder Inhalte sichtbar machen
Münster. Nicht müde werden, trotz aller äußerer Prozesse nicht innerlich resignieren: Danke sagen und Mut machen wollte Bischof Felix Genn am Mittwoch (02.09.2009) bei einem Begegnungsabend mit den Mitgliedern der Stadtdekanats-Versammlung und den Vorständen des Stadtkomitees sowie der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) im Liudgerhaus. "Wir brauchen eine Verlebendigung von innen heraus", das wünsche er sich.
Nach einem gemeinsamen Gottesdienst, in dem der Bischof – speziell an die Mitglieder der ACK gewandt – davon sprach, dass die tiefen Wunden der in Jahrhunderten entstandenen Trennungen "auf dem Weg der Heilung" seien, wollte Bischof Felix zunächst Zuhörer sein.
"Überfüllt mit Informationen"
"Ich kann vieles noch nicht verstehen und auf vieles auch noch keine Antwort geben", so gab er ehrlich zu, nachdem die Gemeindevertreter ihn auf einen Parforce-Ritt durch Seelsorgeeinheiten, Fusionen mit längerer oder kurzer Vorgeschichte, durch Sorgen um die Jugendarbeit, massive Arbeitsbelastungen für Haupt- und Ehrenamtliche oder die Freuden gelungener Open-Air-Gottesdienste mitgenommen hatten. "Ich bin überfüllt mit Informationen" – diesen Stoßseufzer nahm man dem neuen Bistums-Hirten ab.
Dennoch ließ er es nicht bei der Bitte, ihm Zeit zu geben und den Blick auf das riesige Bistum nicht verlieren zu dürfen. Ganz konkret nannte Bischof Felix etwa die Notwendigkeit eines Personal- und Stellenplanes für Pastoralreferenten und Priester. "Ich habe bei vielen von Ihnen herausgehört, welche Unsicherheit gerade hinsichtlich dieser Zukunftsfragen bestehen." Auch bei den Strukturen müssten klare Konturen für die Menschen sichtbar werden. Dabei dürfe aber auch die finanzielle Komponente nicht unausgesprochen bleiben.
"Nicht mein Modell..."
Allerdings fragte Bischof Felix auch: "Bricht wirklich alles zusammen, wenn nicht mehr genügend Hauptamtliche da sind?" - "Das", so sagte er energisch, "das ist nicht mein Modell." Er sehe es vielmehr als wichtig an, jeden engagierten Christen innerlich so stark zu machen, dass das Feuer der Begeisterung für die Frohe Botschaft glühe und nach Weitergabe verlange. "Das Evangelium kommt auf zwei Beinen zu den Menschen", nahm er jedes Gemeindemitglied in die Pflicht.
Dass es bei allen Strukturfragen verstärkt wieder um die Inhalte gehen müsse, sei seine Überzeugung: "Was wollen wir als unsere pastoralen Ziele anstreben?" Etwa die Frage nach der Beteiligung jener Menschen, die nicht mehr an eine Gemeinde angebunden seien. Josef Rauschel vom Kirchenfoyer hatte gerade diese Suchenden als wachsende Klientel in seiner Einrichtung genannt – "hier entsteht zunehmend ein Ort der Seelsorge außerhalb von Gemeinde".
Verknüpfungen und Vernetzungen
Gerade Erfahrungen wie diese machten es zwingend nötig, so Bischof Genn, in Verknüpfungen und Vernetzungen weit über die Kirchtürme hinauszudenken. Dass dies in Münster bereits in einem großen Reichtum geschehe ("ich habe in Ihren Berichten viel Leben gespürt!"), das habe er bereits erfahren, auch wenn er noch nicht so genau wisse, wo etwa Gelmer liege. Damit endete ein langer Tag auch für den Bischof, der am Nachmittag bereits einen intensiven Austausch mit Gruppen und Institutionen der Caritas erlebt hatte.
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Text: Heike Hänscheid | Foto: Heike Hänscheid
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