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24.05.2012
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Medientipp: Literatur über Ruanda

Literatur über Ruanda.

Medientipp: Literatur über Ruanda

Schreiben gegen das Vergessen

Neuere Literatur über Ruanda beschäftigt sich vor allem mit dem Völkermord. Meist mehrere Jahre nach dem Geschehen haben Betroffene ihre persönliche Geschichte aufgeschrieben. Die autobiografischen Werke, Dokumentationen und Romane geben einen Einblick in das Leben der Menschen vor 1994 und beschreiben ihr Schicksal während des Völkermords. Die Liste ist nicht vollständig; die aufgeführten Bücher geben einen ersten Eindruck davon, wie die Menschen vor Ort mit ihrer Geschichte leben.

Gil Courtemanche: Ein Sonntag am Pool in Kigali. 310 Seiten. 9,90 Euro. Fischer Taschenbuch 2005.

In Romanform schreibt der kanadische Autor und Journalist Gil Courtemanche über den Völkermord in Ruanda. An einem Hotelpool in Kigali 1994 verliebt sich der Journalist Valcourt in die junge schwarze Kellnerin Gentille. Sie ist eine Hutu, sieht aber aus wie eine Tutsi und wird deshalb verfolgt. Die Hinweise auf die bevorstehende Katastrophe verdichten sich. Vergebens hoffen die beiden auf Hilfe - die Vereinten Nationen können das Morden nicht stoppen. Courtemanches Roman ist gleichzeitig eine Chronik und ein Bericht: "Manche Leser mögen einige gewaltsame oder grausame Szenen meiner blühenden Phantasie zuschreiben", schreibt der Autor im Vorwort. "Sie irren sich."

Roméo Dallaire: Handschlag mit dem Teufel. Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda. 650 Seiten. 24,80 Euro. Zu Klampen 2008.

Als Befehlshaber der UN-Blauhelme geht der Kanadier Roméo Dallaire 1993 nach Ruanda, um den Frieden zwischen Hutu und Tutsi zu sichern. Als das Morden beginnt, müssen Dallaire und seine Truppe tatenlos zusehen: Die Blauhelme - eine viel zu kleine Truppe mit schlechter Ausrüstung - erhalten kein Mandat zum Einschreiten. Obwohl es Dallaire gelang, mehr als 30.000 Menschen zu retten, erlebte er das Scheitern der Mission als eigenes Scheitern und wäre daran fast zerbrochen. "Handschlag mit dem Teufel" ist der verstörende Augenzeugenbericht eines tragischen Helden. Heute ist Dallaire Senator im kanadischen Parlament und hat eine Stiftung für ruandische Waisenkinder gegründet.

Jean Hatzfeld: Zeit der Macheten: Gespräche mit den Tätern des Völkermordes in Ruanda. 315 Seiten. 24,90 Euro. Psychosozial-Verlag 2004.

In diesem Werk kommen die Täter zu Wort. Nachdem der Journalist Jean Hatzfeld zunächst Überlebende des Völkermords in Ruanda interviewt hatte, kehrte er kurz darauf in das Land zurück und befragte die Täter des organisierten Mordens von 1994. Mit seinen Fragen versucht er zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass ganz normale Bauern auf ihre Nachbarn losgingen und diese aufs Brutalste mit Macheten und Knüppeln ermordeten. Die Berichte geben Einblicke in die Denkweisen und Verleugnungsstrategien der Täter. In seinem Nachwort analysiert Hans-Jürgen Wirth die individuellen und kollektiven psychosozialen Prozesse, die diese Verbrechen möglich machten.

Immaculée Ilibagiza: Aschenblüte. Ich wurde gerettet, damit ich erzählen kann, 288 Seiten. 7,95 Euro. Ullstein Taschenbuch 2008.

"Ich hörte sie meinen Namen brüllen. Sie waren auf der anderen Seite der Wand, gerade mal zwei Zentimeter Holz und Tünche trennten uns." Mit fünf weiteren Frauen hält sich Imaculée Ilibagiza während des Völkermords in einem winzigen Toilettenraum eines Pfarrhauses versteckt. Mehrmals durchsuchen die Killer das Haus des Geistlichen, doch wie durch ein Wunder entdecken sie die Frauen nicht. In dieser Lage sucht Imaculée Ilibagiza immer öfter das Gespräch mit Gott, bei dem sie Trost und Halt findet. Als sie nach drei Monaten ihr Versteck verlässt und erfährt, dass ein Großteil ihrer Familie ermordet wurde, hilft ihr der Glaube, den Mördern ihrer Eltern und Brüder zu vergeben.

Esther Mujawayo / Souâd Belhaddad: Ein Leben mehr. Wie ich der Hölle Ruandas entkam. 360 Seiten. 8,95 Euro. Ullstein Taschenbuch 2007.

Eindrucksvoll und ergreifend schildet Esther Mujawayo, wie sie mit ihren drei Töchtern dem Völkermord in Ruanda entkommen ist. Ihr Mann und rund 300 ihrer engsten Familienangehörigen, Verwandten und Freunde wurden ermordet. "Ich kann nicht genau sagen, wann, aber es kam ein Moment, in dem ich mir sagte: Esther, wenn du überleben willst, musst du ins Auge fassen, was dir geblieben ist, und nicht, was du verloren hast." Sie findet die Kraft, sich ein neues Leben aufzubauen und denen zu helfen, denen es schlechter geht als ihr: den vielen traumatisierten Witwen und Kindern Ruandas. Esther Mujawayo lebt heute in Deutschland und arbeitet als Therapeutin mit Flüchtlingen.

Paul Rusesabagina: Ein gewöhnlicher Mensch. Die wahre Geschichte hinter "Hotel Ruanda". 256 Seiten. 9,90 Euro. Berlin Verlag 2008.

Der Film "Hotel Ruanda" hat ihm bereits ein Denkmal gesetzt: Während des Völkermords war Paul Rusesabagina Direktor des Hotels "Mille Collines" in Ruandas Hauptstadt Kigali. Während draußen militante Hutu mit Macheten bewaffnet durch die Straßen ziehen und tausende Menschen töten, kann Rusesabagina im Hotel mehr als 1.200 Tutsi und gemäßigten Hutu Zuflucht geben und ihnen somit das Leben retten. Weil er wegen seines mutigen Einsatzes während des Völkermords in Ruanda selbst bedroht wurde, suchte er in Belgien für sich und seine Familie Asyl. In seinem Buch kommt Paul Rusesabagina selbst zu Wort und erzählt "die wahre Geschichte hinter 'Hotel Ruanda'".

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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
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