
Mühsam ist die Arbeit auf den Feldern Ruandas. Viele Menschen müssen mehrere Kilometer zurücklegen, ehe sie ihre Parzelle bearbeiten können.
Reisetagebuch Ruanda V:
Familien-Einblicke
Mushubati. Auf unserer Reise durch Ruanda sind wir bei vielen Menschen zu Gast und bekommen dabei Einblick in die unterschiedliche Lebensweise der Familien in Ruanda. Arm und reich - die Schere ist groß. Mehrmals sind wir bei für ruandische Verhältnisse begüterten Familien zu Besuch. Dort werden uns Cola, Fanta und Sprite angeboten und ein umfangreiches Mittagessen mit Kartoffeln, Reis, Fleisch oder Fisch, Pommes Frites und Gemüse aufgetischt.
Doch das ist die Ausnahme. Die meisten Ruander leben in kleinen sandfarbenen Lehmhäusern, wie sie auch im Dorf Mushubati stehen. An einem Vormittag besuchen wir Agatha und Innocent, die mit ihren vier Kindern in solch einem Haus mit zwei Zimmern wohnen. Der Weg führt von der unbefestigten Straße einige Meter den Hügel hinunter durch einen Bananengarten. Auf dem Weg dorthin begleitet uns eine Schar Nachbarskinder. Eine kleine Treppe führt in das Haus, das zwei Räume hat. Im ersten Raum stehen eine Bank und mehrere Stühle, in der Mitte ein kleiner Tisch.
Papst und Präsident Seite an Seite
Wir werden hereingebeten und sitzen uns gegenüber. Die Kinder - sechsjährige Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen, und zwei kleinere Kinder - greifen sofort nach den vier Brötchen, die wir mitgebracht haben. Unterhalten können wir uns leider nicht, weil Agatha und Innocent nur Kinyaruanda sprechen. So überlegen wir uns, ein Lied zu singen, und weil uns gerade nichts anderes einfällt, singen wir morgens um 10 Uhr "Der Mond ist aufgegangen" und dann im Kanon das "Magnificat". Dann singen Agatha, Innocent und die Kinder ein Lied für uns.
Auch bei einigen Priestern sind wir zu Besuch. Sie haben meist größere Häuser mit einem Wohnzimmer, das auch als Empfangsraum dient. In den meisten Empfangszimmern hängt eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination von Bildern: der Papst, der Ortsbischof, eine Herz-Jesu-Darstellung im Nazarener-Stil und ein Bild des Präsidenten Paul Kagamé. In Devotionalienläden werden neben Rosenkränzen auch Bilder von Heiligen und Seligen angeboten. Besonders beliebt ist Papst Johannes Paul II.: Er hat im September 1990 das Land besucht und genießt dort immer noch hohes Ansehen.
Feldarbeit mit krummem Rücken
Einblicke in das Alltagsleben der Menschen bekommen wir auch bei einer kurzen Wanderung zu einer Wasserquelle. Der Partnerschaftsverein Gisunzu-Ostbevern hat die Erschließung von Wasserstellen und Quellen unterstützt, damit die Landbevölkerung in der Nähe ihrer Häuser sauberes Trinkwasser zur Verfügung hat. Auf dem Weg zu einer dieser Quellen laufen wir auf schmalen Wegen mitten durch die kleinen Parzellen, auf denen Süßkartoffen und Bohnen wachsen.
Wir sehen Menschen, die mit krummem Rücken über den Boden gebeugt sind, die Erde lockern und Unkraut zupfen. Es ist eine schwere Arbeit; einen Fortschritt kann man kaum erkennen. Und manche Menschen müssen bis zu ihrer Parzelle viele Kilometer zu Fuß laufen. Wir kommen an einem alten Mann vorbei, der mit einer Machete sein Feld bearbeitet. Ich muss daran denken, dass während des Völkermords Tausende Menschen mit Macheten umgebracht wurden. Auf den Feldern aber ist die Machete ein alltägliches Werkzeug, ebenso wie der Klappspaten und die Spitzhacke, mit denen schon kleine Kinder bei der mühsamen Feldarbeit helfen.
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
14.08.2009
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