
Eine kleine Gruppe von Menschen trifft sich ein Mal in der Woche in der Kirche zum gemeinsamen Gebet.
Religion und Religiosität in Ruanda
In Gott verwurzelt
Kibirisi. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Die beiden Seitentüren der einfachen Backsteinkirche stehen während des gesamten Gottesdienstes offen. Von draußen dringen der Geruch von Feuer, das Meckern von Ziegen und das Lachen der Kinder hinein. Wenn ein Handy klingelt, verlässt der Besitzer zum Telefonieren die Kirche und kommt kurze Zeit später zurück. Frauen wickeln in den Bänken ihre Babys. Kinder laufen vor die Tür und klettern auf oder unter den Jeep des Pfarrers.
Es geht lebhaft zu im Gottesdienst in der Kirche von Kibirisi, einer Außenstation der Gemeinde Mushubati. Aber auch andächtig: In den Reihen sitzen dicht gedrängt Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder. Die Kirchenlieder kennen schon die Jüngeren auswendig und singen kräftig mit. "Die Menschen haben ein Verlangen nach Religion", sagt Father Eugène Murenzi. "Die Kirchen sind voll." In den Gemeinden der Hauptstadt gebe es sonntags sogar vier bis fünf Messen, erzählt der Priester. In einigen Gemeinden müssten die Menschen vor der Tür stehen, weil die Kirche zu klein sei.
Viele neue Priester
Einige Pfarreien in Ruanda hätten bis zu 50.000 Christen. Da die Bevölkerung im Land ständig wachse, würden auch immer mehr Kirchen gebaut, erzählt Eugène Murenzi. "Wir haben das Glück, das wir jedes Jahr viele Berufungen und eine große Zahl an neuen Priestern haben." Die Gemeinde Mushubati hat vier Außenstationen mit insgesamt 17 kleinen Kirchen, die von drei Priestern betreut werden. Die weiteste Außenstation liegt 29 Kilometer entfernt. Ein Mal im Monat, so erzählt Eugène Murenzi, kommt ein Priester in die kleinen Kirchen.
Doch die Kirche in Ruanda lebt auch vom Engagement der Gläubigen. "Eine Menge Menschen sind in das christliche Leben eingebunden", sagt der Priester. Viele hätten sich christlichen Gemeinschaften angeschlossen. Einige Gruppen treffen sich regelmäßig zum Gebet in der Kirche. Andere sind als Katecheten tätig und übernehmen verschiedene Aufgaben innerhalb der kleinen Basisgemeinden, die meist aus 15 bis 20 Familien bestehen: Sie sind als Gruppenleiter tätig, unterweisen die Menschen im christlichen Glauben, helfen bei der Lösung von Konflikten und organisieren Hilfe für Witwen und Waisen.
Friedlich zusammenleben
"Die Menschen sind in Gott verwurzelt", sagt Father Eugène. In seinen Predigten bestärkt er sie in ihrem Glauben. "Wenn du dich in seine Hand begibst, löst Gott alle Probleme. Aber vorher musst du eine besondere Beziehung aufbauen und zu ihm beten. Dann bist du auf dem richtigen Weg." Die Menschen müssten lernen, dass sie Brüder und Schwestern seien, gibt er auch den Gläubigen in Kibirisi mit auf den Weg. Nur so könnten alle friedlich zusammenleben.
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
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