
Eine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener tanzt vor dem Altar zur Musik.
Reisetagebuch Ruanda III:
Gottesdienst im Flüchtlingscamp
Kibuye. An diesem Morgen begleiten wir Father Elie Hatangimbabazi, den Caritasdirektor des Bistums Nyundo, zu einem Gottesdienst in einem Flüchtlingscamp von UNHCR, dem Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen. Für den Weg in das Camp, das in etwa 2.500 Meter Höhe in den Bergen im Westen Ruandas liegt, müssen wir in einen der Geländewagen der Vereinten Nationen umsteigen. Auf dem Dach sind die Palmwedel für den Sonntagsgottesdienst festgebunden.
An Bord ist außer dem Fahrer, dem Priester und uns noch eine ruandische Ordensschwester, die den Gottesdienst mitfeiern möchte. Über staubige und kurvenreiche Straßen arbeitet sich der Jeep die Berge hinauf. Auf der einen Seite blicken wir auf den Kivusee, der zu einem Urlaubsparadies für Touristen geworden ist. Auf der anderen Seite kommt eine riesige Ansammlung von sandfarbenen Hütten mit Wellblechdach in Sicht: In dem Flüchtlingscamp leben mittlerweile etwa 18.000 Menschen auf engstem Raum. Wie lange sie dort bleiben müssen, ist ungewiss. Es sind Ruander, die im Kongo geboren sind und darauf warten, in ihre Heimat zurückzukehren. Früher verlief die Grenze anders. Im Kongo sind sie nicht erwünscht.
Nicht alle haben Platz
Etwa 500 Gläubige haben sich schon auf dem großen Platz versammelt, wo die Messe beginnt. Ordner sorgen dafür, dass die Prozession von Priester, Lektoren und Messdienern einen Weg durch die Menschenmenge zum Altar findet. Da die Kirche einen Sturmschaden hat, ziehen die Menschen anschließend in die Versammlungshalle des Camps: ein dunkles Gebäude mit Wellblechdach, in das nur durch die offenen Fenster und Türen etwas Licht hineinfällt. Auch die Neonröhren, die an der Holzbalkenkonstruktion der Decke hängen, schaffen es nicht, den schummrigen Raum zu erleuchten.
Die Halle ist viel zu klein für alle Gottesdienstbesucher. Einige müssen draußen bleiben und verfolgen die Messe durch die geöffneten Fenster. Ein paar neugierige Kinder in bunten Plastiksandalen und UNHCR-Shirts laufen immer wieder durch die Tür vor den Altarbereich. Von Zeit zu Zeit werden sie von einem Ordner mit einer Handbewegung verscheucht oder mit einem Palmwedel auf Abstand gehalten. Bänke gibt es nur im vorderen Bereich der Halle. Weiter hinten stehen die Menschen in dichten Reihen aneinander gedrängt.
Lauter Gesang
Es wird mehrstimmig gesungen - das meiste auf Kisuaheli, wie Father Elie uns nachher erzählt. Und so laut, dass der Gesang des Chors und der Gläubigen selbst die kleine Yamaha-Elektroorgel übertönt, an der ein junger Mann die Lieder begleitet. Eine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener, die in weiße Gewänder mit blauen Bändern gekleidet sind, tanzt vor den zwei Stufen, die zum Altarbereich hochführen. Wir klatschen mit, und auch die zehn Messdiener bewegen sich rhythmisch zum Takt der Musik.
Das Evangelium ist lang; es ist die komplette Passion. Ich verstehe nur einzelne Namen wie Jesus, Pilatus, Galiläa, Judas und Maria Magdalena. Zur Gabenbereitung holen die Messdiener neuen Weihrauch. Feine Rauchschwaden ziehen durch das dunkle Gebäude zur offenen Tür nach draußen. Die Messe dauert gut zwei Stunden. Danach setzen wir uns ins Auto und verlassen das Flüchtlingscamp wieder. Die Menschen müssen bleiben. Wie lange noch, wissen sie nicht.
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
18.08.2009
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