
Bischof Felix Genn (v.l.) wurde begrüßt von den Verantwortlichen der Fazenda, Paul Stapel, Christian Heim und Hans Stapel.
Eröffnung der "Fazenda da Esperanca" im Kloster Mörmter
"Trick Gottes für unsere Zeit"
Xanten. Aufbruchstimmung, Glaubensfreude und Optimismus prägten die Eröffnung der "Fazenda da Esperanca", des "Hofs der Hoffnung", am Samstag (15.08.2009) im Kloster Mörmter in Xanten. "Starten wir gemeinsam dieses göttliche Abenteuer mit der Kirche", sagte der Gründer Hans Stapel am Ende des Pontifikalamts mit Bischof Felix Genn.
Eine Ahnung von diesem göttlichen Abenteuer bekamen die Gäste am "Tag der offenen Tür" in der ehemaligen Klausur: frisches Gelb für die Wände, helle Holzfußböden, solide Doppelstock-Betten erwarten die künftigen Bewohner. Neu im Haus: ein Oratorium mit Tabernakel – eine Baumscheibe, von der ein Wasserfall zu Boden plätschert, darüber farbig angestrahltes Struktur-Glas. "Lassen Sie Gott hier Gott sein. Er soll entscheiden, was hier geschieht. Er ist der Gründer und wird alles weiter führen", sagte Stapel. "Sagt ja zu denen, die ausgestoßen sind, die viel Schlechtes getan haben, die auf dem Weg zum Guten sind."
Das Charisma des heiligen Franz von Assisi und die Fokolar-Bewegung nannte Pfarrer Christian Heim aus Berlin als Quellen, "aus denen die Bewegung trinkt". Das vermittelte auch Nelson (30) aus Brasilien. "Jesus im Nächsten entdecken" – das ist das Lebensmotto des ehemals Drogenkranken. Auch Rebecca (28) aus Bayern hat ihr Leben wieder im Griff. Als "Rekuperantin" – so wird auf der Fazenda beizeichnet, wer auf dem einjährigen Weg der Neuorientierung ist – hat sie viele Deliriums-Erfahrungen und Therapien hinter sich. Jetzt ist sie überzeugt: "Ich bleibe auf der Fazenda. Es gefällt mir dort und es gibt meinem Leben wieder Sinn."
Genn: "Gott hat etwas mit den Menschen"
Luis Fernando aus Brasilien, der im Leitungsteam der Fazenda bleibt, erzählte den Gästen von der spürbaren Präsenz Gottes in den vier Wochen der Aufbauzeit. "Das wird bleiben", war er sicher. Wie Franziskaner-Schwester Tanja, die mit zwei Mitschwestern beim Umbau geholfen hat. "Wir haben manches Wunder gesehen. Wand an Wand mit dem ehemals jüngsten Bankräuber Deutschlands. Das Haus ist jetzt eingelebt. Es kann losgehen."
Da die Eröffnung am Festtag der Aufnahme Mariens in den Himmel stattfinde, könne das Werk nur gelingen, sagte Bischof Felix Genn. "Was hat jemand davon, sich mit Menschen zu beschäftigen, die süchtig waren, die einen Weg mit Schuld gegangen sind?", fragte der Bischof. "Gott hat etwas mit den Menschen", sagte er. Das ließen auch die Lebenszeugnisse aufblitzen. Wenn nur ein einziger Mensch Hoffnung für sein Leben schöpfe, habe sich die Fazenda gelohnt. "Hier kommen Glaube und Hoffnung leibhaftig zu uns." Als "Trick Gottes für unsere Zeit" könne die Fazenda auch eigene Sehnsüchte bewusst machen, "zu denen wir vielleicht weniger stehen". Die Fazenda helfe, sich zur eigenen Schwäche und Sucht zu bekennen. "Wir können das, weil Gott es mit den Menschen hat."
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Text: Walter Plümpe | Foto: Armin Fischer
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