
Singen und Tanzen verbindet: Die Treffen mit Frauen in Ruanda geben Gastgeberinnen und Gästen Kraft und Hoffnung.
Projekte des Frauenmissionswerks in Ruanda
Gelebte Solidarität gibt Hoffnung
Mushubati. Noch ist das Feld bestellt, doch schon in naher Zukunft soll auf dem Landstück in der Gemeinde Mushubati ein Frauenzentrum entstehen. Judith, die Sprecherin der Witwen, erklärt das Projekt, das 180 Witwen dabei helfen soll, den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder zu verdienen. Im Frauenzentrum wollen sie Körbe flechten, eine Nähwerkstatt und ein Restaurant einrichten und eine Möglichkeit zur Übernachtung schaffen. Außerderm sollen dort Schulungen stattfinden und Räume zur Behandlung und Beratung kranker und traumatisierter Frauen entstehen.
Witwen leben in Ruanda am Rand der Gesellschaft. Ihre Männer wurden während des Völkermords getötet oder sind Opfer von Verkehrs- und Arbeitsunfällen. Oft haben die Frauen nicht genug zu essen und keine Möglichkeit, Geld zu verdienen oder ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Einige Witwen in Mushubati, erzählt Judith, hätten noch nicht einmal Dach über dem Kopf.
Partnerschaft mit Gesicht
Unterstützt wird das Projekt vom Päpstlichen Missionswerk der Frauen (PMF) mit Sitz in Koblenz. "Die Nöte und Erfahrungen von Frauen können besonders Frauen nachempfinden", sagt Margret Dieckmann-Nardmann, Präsidentin des Frauenmissionswerks. Seit 2002 fährt die Ostbevernerin ein Mal im Jahr mit unterschiedlichen Gruppen nach Ruanda, um Freunde und Bekannte zu besuchen. Bei der Gelegenheit informiert sie sich auch über die Projekte des PMF, die alle das Ziel haben, die Lebenssituation von Frauen zu verbessern.
"Partnerschaft bekommt durch Begegnung ein Gesicht", sagt Dieckmann-Nardmann. "Ich brauche den unmittelbaren Kontakt mit den Frauen. Die Begegnungen sind das Wichtigste." Bei ihren Ruanda-Reisen besucht sie gemeinsam mit Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Bistum Münster die Witwen in Mushubuati, wo bisher bereits eine Nähwerkstatt aufgebaut wurde, und in Busasamana, wo das Frauenmissionswerk ein Häuserprojekt fördert. Die Projekte sind in Absprache und Zusammenarbeit mit den Sprecherinnen der Witwenorganisationen, den Priestern der Gemeinde und dem zuständigen Bischof entstanden.
Tiefer Glaube prägt die Menschen
In Busasamana hat das Frauenmissionswerk den Bau von vier Häusern für Frauen unterstützt: "Ihre Dankbarkeit über das Haus, das ein Ersatz für eine Notunterkunft aus Plastik, Ästen und Laub ist, ist unbeschreiblich groß", hat Dieckmann-Nardmann erfahren, die die Frauen zuhause in ihren Häusern besucht hat. "Die herzliche Umarmung und ein nicht enden wollender Händedruck der Witwen und deren Kinder bleiben unvergessen."
Eine Witwe zeigte ihr einen kleinen abgetrennten Raum in ihrem neuen Haus, den sie als Kapelle nutzen möchte. "Der tiefe Glaube an den barmherzigen Gott prägt diese Menschen. Leben und Glauben gehören selbstverständlich zusammen, geben Halt und Hoffnung in den menschenverachtenden Lebensumständen."
Gegenseitige Geben und Nehmen
Auch in Mushubati wurden die Besucher von den Frauen der Witwengruppe St. Anna empfangen. Gemeinsam wurde gebetet, gesungen und getanzt. Die Frauen tauschten sich über ihren Alltag aus. "Es ist nicht immer einfach für das Sprecherteam, die Witwen zu motivieren, zusätzlich zu ihrer harten Feld- und Hausarbeit regelmäßig in die Pfarrei zu kommen, um für die Gemeinschaft Körbe zu flechten oder zu nähen", erfuhren die Besucher. Oft bedeute es für die Frauen lange Fußwege ohne ausreichend Nahrung.
Dennoch hätten die Witwen das Projekt Frauenzentrum fest in den Blick genommen. "Die Besuche, die Begegnung, unsere gelebte Solidarität geben den Frauen Kraft und Hoffnung", sagt Margret Dieckmann-Nardmann. Das gelte auch für die Besucher: "Solidarität bedeutet immer ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Es ist keine Einbahnstraße."
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
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