
Die Präsidentin des Frauenmissionswerks, Margret Dieckmann-Nardmann aus Ostbevern, engagiert sich für benachteiligte Frauen in aller Welt.
M. Dieckmann-Nardmann ist Präsidentin des Frauenmissionswerks
Gemeinschaft im Beten und Handeln
Ostbevern. Frauen sind Träger des Lebens und der Hoffnung, sagt Margret Dieckmann-Nardmann. Die Ostbevenerin ist Präsidentin des Päpstlichen Missionswerks der Frauen in Deutschland. Durch diese Aufgabe und ihr Engagement in der Eine-Welt-Arbeit weiß sie, dass Frauen in vielen Ländern der Welt benachteiligt sind und unter Gewalt leiden. Für diese Frauen setzt sich das Missionswerk ein.
Die Leidenschaft und das Interesse für Menschen auf anderen Kontinenten hat sie schon früh gepackt: "Seit meinem 17. Lebensjahr begleitet mich die Eine-Welt-Arbeit", sagt Margret Dieckmann-Nardmann. In ihrer Heimatgemeinde im Bistum Osnabrück baute sie mit mehreren Frauen und Jugendlichen einen Eine-Welt-Laden auf. In ihrer jetzigen Gemeinde St. Ambrosius in Ostbevern setzte sie die entwicklungspolitische Arbeit fort. Eine Gruppe lag ihr dabei von Anfang an besonders am Herzen: "Die Situation der Frauen ist mir zeitlebens ein besonderes Anliegen", sagt die dreifache Mutter. "Da wollte ich meine Energie reinstecken."
Mittlerweile bestimmt das Engagement für benachteiligte Frauen in aller Welt einen großen Teil ihres Alltags: Seit Herbst 2007 arbeitet Margret Dieckmann-Nardmann neben ihrer Tätigkeit als pastorale Mitarbeiterin ihrer Gemeinde ehrenamtlich als Präsidentin des Päpstlichen Missionswerks der Frauen in Deutschland, einer Laienbewegung engagierter christlicher Frauen. "Frauen sind Träger des Lebens und der Hoffnung", sagt Dieckmann-Nardmann. Doch weltweit litten Frauen und Mädchen immer noch unter Benachteiligung, Unterdrückung und Gewalt.
Aktuelle Aufgaben
1893 gründete die Lehrerin Katharina Schynse aus Pfaffendorf bei Koblenz den "Verein katholischer Frauen und Jungfrauen zur Unterstützung der zentralafrikanischen Mission", aus dem später das Frauenmissionswerk hervorging. Schynses Bruder August war einer der ersten Weißen Väter im Kongo und berichtete in Briefen von den Lebensumständen der Menschen in Zentralafrika. Katharina Schynse und ihre Mitstreiterinnen verbanden die Hilfe für Frauen in Not mit der Unterstützung der Missionsarbeit.
Aufgaben, die auch heute - 116 Jahre später - aktuell sind. Die 13 000 Mitglieder des Frauenmissionswerks, das in 18 deutschen Bistümern vertreten ist, stellen den jungen Kirchen Messgewänder und liturgische Geräte für die Feier von Gottesdiensten als Spende zur Verfügung – mit der Maßgabe, dass dabei die kulturelle Identität eines Lands berücksichtigt und gefördert wird. So fertigen beispielsweise Frauen aus dem Bistum Mainz ehrenamtlich Gebetsschals für Rabbiner an. Der Verkaufserlös fließt in ein Projekt in Guatemala, wo Frauen auf traditionelle Weise Priestergewänder für die Ortskirche weben.
Gebet als Basis
Das Werk versteht sich als internationale Gemeinschaft sowohl im Gebet, als auch im Handeln. "Das Gebet, das uns alle miteinander verbindet, ist die Basis", sagt Dieckmann-Nardmann. Im Gebet fühlten sich Frauen miteinander verbunden. Auch bei der Feier der Eucharistie teilten sie als weltweite Tischgemeinschaft das Leben und das Leiden und gingen dadurch gestärkt auseinander. Doch: "Das Gebet allein hilft nicht", sagt Dieckmann-Nardmann.
Immer noch seien Frauen Opfer von Gewalt, Unterdrückung, Zwangsprostitution, Mitgiftmorden, Genitalverstümmelung, Vergewaltigung und Frauenhandel. Vielen bleibe der Zugang zu Schulen und Bildung verwehrt. "Vom christlichen Gottesbild ausgehend sind Mann und Frau gleichwertige Partner, deren Würde aufgrund ihres Menschseins geachtet wird", lautet ein Grundsatz des Frauenmissionswerks.
"Begegnungen sind das Wichtigste"
Daher versuche das Frauenmissionswerk durch Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa, die Lebenssituation der Frauen zu verbessern, sie zu fördern und damit langfristig Geschlechtergerechtigkeit zu erzielen. Und das gehe nur über persönliche Kontakte, sagt Margret Dieckmann-Nardmann. "Die Begegnungen sind das Wichtigste." Seit 2002 reist sie ein Mal im Jahr nach Ruanda, um dort zwei Projekte zu besuchen, die ihr besonders am Herzen liegen.
Das Frauenmissionswerk unterstützt im Nordwesten Ruandas Witwen, deren Männer, Kinder und Familien beim Völkermord von 1994 getötet wurden. "Ich brauche den unmittelbaren Kontakt mit den Frauen in den Hütten und in den Wäldern", sagt Dieckmann-Nardmann. "Das ist mir ein großes Anliegen."
Erschütternde Begegnungen
Auch wenn diese Begegnungen mitunter erschütternd sind. Witwen stünden in Ruanda am Rand der Gesellschaft. "Sie haben kein Haus, kein Geld, leben unter Blättern und Plastikfolien." Mithilfe des Frauenmissionswerks entstanden Häuser und eine Nähwerkstatt, in der die Frauen für ihren Lebensunterhalt arbeiten können. Eine Hühnerfarm in Uganda und ein Ausbildungszentrum auf der indonesischen Insel Sumba, wo eine Fachschule für traditionelles Webhandwerk entsteht, sind weitere Bespiele dafür, wie Frauen durch berufliche Förderung Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein erlangen könnten. "Die Frauen merken, dass sie gemeinsam stärker sind und mehr erreichen können", sagt Dieckmann-Nardmann.
Durch ihre Arbeit als Präsidentin in der Zentrale des Frauenmissionswerks in Koblenz und bei ihren Besuchen bei den Mitgliedern in den deutschen Bistümern bekomme sie einen "größeren Weitblick" für die Lage der Frauen weltweit. "Wir haben als Christen eine Verantwortung, die Welt mitzugestalten und nicht nur auf uns zu schauen oder vorbeizuschauen", sagt Dieckmann-Nardmann. Die Nöte und Erfahrungen von Frauen könnten besonders Frauen gut nachempfinden.
Dennoch sei es für das vergleichsweise kleine Werk nicht leicht, neue Mitglieder zu werben. Frauen seien heute stark in den Beruf und die Familie eingebunden. "Wir könnten mehr machen", wünscht sich Margret Dieckmann-Nardmann. "Die Situation der Frauen ist nach wie vor katastrophal."
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
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