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24.05.2012
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Gedenkstätte.

Zahlreiche Menschen glaubten sich in der Kirche von Nyanza in Sicherheit, als Bulldozer die Kirchenmauern niederrissen und die Menschen darunter begruben. Das Gelände ist heute eine Gedenkstätte.

Hintergründe zum Völkermord

Blutiger Höhepunkt einer Auseinandersetzung

Es ist das traurigste und auch das blutigste Kapitel in der Geschichte Ruandas: Beim Völkermord 1994 wurden von April bis Juli nach Schätzungen etwa 800.000 bis eine Million Menschen getötet. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit brachten militante Angehörige der Hutu-Mehrheit innerhalb von 100 Tagen Tutsi und oppositionelle Hutu um. Nachbarn töteten Nachbarn, Freunde töteten Freunde, selbst vor den eigenen Familienmitgliedern machten die Täter nicht halt.  

Das Morden begann, als am 6. April 1994 das Flugzeug des damaligen Präsidenten Habyarimana abgeschossen wurde. Im ganzen Land begannen Hutu-Milizen die von langer Hand geplanten Massaker gegen die Tutsi. Mit Macheten, Knüppeln, Äxten und Handgranaten gingen sie gegen ihre Opfer vor und machten auch vor Kindern nicht Halt. Angestachelt wurden die Täter unter anderem durch Radiopropaganda, bei der dazu aufgerufen wurde, alle Tutsi - die als Kakerlaken bezeichnet wurden - umzubringen.

Ursachenforschung

Schon vor dem Völkermord gab es blutige Auseinandersetzungen zwischen Hutu und Tutsi. Die Spaltung der beiden ursprünglich ethnischen Gruppen - Tutsi waren aus dem Nordosten Afrikas stammende Rinderzüchter, Hutu ein aus Zentralafrika eingewandertes Bantuvolk - hat eine lange Geschichte. Die Kolonialmächte unterschieden die Bevölkerung nach rassistischen Kriterien: Tutsi galten als hochgewachsen und hellhäutig, Hutu als stämmig und dunkelhäutig. Bei einer Volkszählung wurde die Zugehörigkeit zu Tutsi oder Hutu amtlich festgelegt - unter anderem anhand der Anzahl der Rinder, die jemand besaß. Die Belgier banden die Tutsi in ihr Machtsystem ein. Das schürte Missgunst und Hass.

Im November 1959 kam es zu einer Revolte der Hutu gegen die Tutsi-Herrschaft. Dabei wurden schätzungsweise 10.000 bis 20.000 Menschen getötet, etwa 150.000 Tutsi flohen in die Nachbarländer. Die Hutu übernahmen die Macht, die im Land verbliebenen Tutsi wurden in die politische Bedeutungslosigkeit abgedrängt und Opfer von staatlicher Gewalt. 1973 richtete sich erneut eine massive Welle der Gewalt gegen die Tutsi. Obwohl ihnen vordergründig Chancengleichheit zugestanden wurde, beschränkten die offiziellen Stellen für Tutsi den Zugang zu Bildung und Arbeitsplätzen sowie zur politischen Macht.

Vom Bürgerkrieg zum Völkermord

1990 griff die Tutsi-Rebellenarmee Ruandische Patriotische Front (RPF) von Uganda aus das Land an. In Ruanda herrschte Bürgerkrieg. Immer wieder wurden Tutsi und Hutu-Oppositionelle Opfer von Gewalt und Massakern. Extremistische Hutu erstellten Todeslisten, die 1.500 Namen von Tutsi und oppositionellen Hutu enthielten, die von April bis Juli 1994 systematisch umgebracht wurde. Erst als die RPF das Land einnimmt, hört das Töten auf.

Die in Kigali stationierte UN-Friedensmission musste den Morden tatenlos zusehen, weil kein Mandat erhielt, um in den Völkermord einzuschreiten. Aus diesem Grund geben Ruander der Weltgemeinschaft eine Mitverantwortung am Völkermord. Gegen Frankreich richtet sich außerdem der Vorwurf, an den Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Auch den Kirchen wird das mehrheitliche Schweigen zum Völkermord vorgehalten.

Aufarbeiten und Erinnern

15 Jahre nach dem Völkermord bleibt die juristische und gesellschaftliche Aufarbeitung der Ereignisse ein wichtiges Thema. Die Politik steht im Zeichen des Wiederaufbaus und der Versöhnung. Öffentlich darf in Ruanda nicht mehr von Tutsi oder Hutu gesprochen werden, sondern nur noch von Ruander. Viele Täter sind jedoch immer noch nicht verurteilt. Da die Gerichte überlastet sind, finden Völkermordprozesse auch in so genannten Gacaca-Gerichten (Gacaca bedeutet "Grüne Fläche oder Wiese") statt, denen Laienrichter vorstehen. Die Verfahren sollen über Schuld und Strafmaß der Angeklagten entscheiden und einen Beitrag zur gesellschaftlichen Versöhnung leisten.

Der 7. April, der Beginn des Mordens, ist nationaler Gedenk- und Trauertag. Immer noch werden an diesem Tag Menschen beerdigt, die man aufgrund von Täteraussagen gefunden hat. In vielen Landesteilen gibt es Gedenkstätten zur Erinnerung an den Völkermord. Das zentrale Museum dieser Art, das Kigali Genocide Memorial Centre, wurde 2004 in der ruandischen Hauptstadt eröffnet. Die Gemeinschaftsgräber dieser Einrichtung beherbergen die Überreste von 250.000 Menschen.

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