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24.05.2012
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Gedenkstätte.

In den Gedenkstätten - wie hier in Kibuye - sind bewusst hunderte von Schädeln und Knochen ausgestellt. Sie sind ein Beweis der umfangreichen Gewalttaten während des Völkermords und machen eine Verharmlosung unmöglich.

Reisetagebuch Ruanda II:

Besuch in der Völkermord-Gedenkstätte Murambi

Murambi. Der Geruch macht den Anblick noch unerträglicher: Auf den einfachen Holztischen liegen die verwesten Leichen der Opfer: Männer, Frauen, Kinder, Junge, Alte - Opfer des Völkermords von 1994. Einige haben auf den Schädeln noch Reste des schwarzen Kraushaars, andere tragen die Überreste eines Hemds oder einer Hose. Bei manchen fehlt ein Fuß, andere haben Löcher im Schädel oder zertrümmerte Knochen. Man sieht, wo und mit welchen Waffen die Mörder zugeschlagen haben.

"Was wir gleich sehen werden, ist nicht einfach, aber es ist die Realität", hatte unsere ruandische Gastgeberin angekündigt. Doch die Genozid-Gedenkstätte in Murambi übertrifft alles Vorstellbare. Mit jedem Raum, den der Führer aufschließt, wird der Anblick unerträglicher. Im zweiten Raum sind es die Skelette von getöteten Kindern, auch sie mit eingeschlagenen Schädeln und zertrümmerten Knochen. Auf einen Tisch in der Mitte des Raums hat jemand ein Gedicht gelegt: "Schlaf mein Kind". Auf einigen Leichen liegen Blumen, die Angehörige mitgebracht haben.

Demonstration des Grauens

In jedem größeren Ort Ruandas gibt es eine Gedenkstätten oder Mahnmale, die an den Völkermord und die Opfer erinnern - vor allem an Orten, wo größere Gruppen ermordet wurden. Die Auseinandersetzung ist direkt: Überall sind Schädel und Knochen ausgestellt. Doch Murambi ist eine Demonstration des Grauens. In ihrer Unmittelbarkeit der Konfrontation mit dem gewaltsamen Tod ist diese Gedenkstätte eine der bewegendsten in ganz Ruanda. 50.000 Menschen aus der Umgebung hatten sich in der ehemaligen technischen Hochschule auf dem Murambi-Hügel in Sicherheit bringen wollen. Innerhalb von vier Tagen wurden sie durch Milizen getötet. Aus den Massengräbern wurden 27.000 Leichen exhumiert. 1.800 sind in den ehemaligen Schulgebäuden ausgestellt.

Warum? - Eine Frage, die auch in Murambi viele Besucher hilflos und sprachlos zurücklässt. Von den ehemaligen Klassenräumen geht es weiter in eine Halle, wo die Kleidungsstücke der Ermordeten in Regalen liegen. Auf der Wiese hinter den Schulgebäuden, wo sich auch die Massengräber befinden, stehen Schilder, die über die Rolle der französischen Truppen während des Völkermords aufklären. Sie hatten ihr Camp direkt neben der Schule. Während Zehntausende Ruander ermordet wurden, spielten die Franzosen nur wenige Meter entfernt Volleyball, wie auf einem Schild zu lesen ist.

Suche nach Verwandten

Etwas entfernt sitzen einige Frauen auf den Betonplatten in der Sonne und säubern Knochen in einer Waschschüssel. Zwei stehen mit gekrümmtem Rücken über dem Weg und lockern mit einer kleinen Spitzhacke den festen Erdboden, um dort nach weiteren Leichenteilen zu suchen. Wir erfahren, dass es Angehörige von Opfern sind, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, nach ihren ermordeten Verwandten zu suchen, um Gewissheit über die Umstände der Ermordung zu bekommen.

Während wir von Klassenraum zu Klassenraum gehen und die Skelette betrachten, verfolgt uns eine kleine Schar fröhlicher Kinder. Sie rufen laut "Muzungu" (Weiße) und winken uns begeistert zu. "Das ist die Zukunft Ruandas", sagt eine Mitreisende. Angesichts des Grauens, das ihre Eltern und Großeltern erlebt haben, schwingt darin die leise Hoffnung mit, dass diese Kinder es einmal besser haben werden.

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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
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