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24.05.2012
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Komera-Centre.

Der Priester Eugène Murenzi hat mit Komera-Centre ein Zuhause für 46 traumatisierte, behinderte und taubstumme Kinder geschaffen. Um sich mit den taubstummen Kindern zu verständigen, hat er die Zeichensprache gelernt.

Besuch im Komera-Centre

Wo täglich kleine Wunder geschehen

Mushubati. "Komera", rufen sich die Menschen in Ruanda zu, wenn sie sich unterwegs auf der Straße begegnen. Es ist ein ermutigender Ruf, der so viel bedeutet wie "Sei stark". Das gilt in besonderer Weise auch für die 46 behinderten, taubstummen und traumatisierten Kinder und Jugendlichen, die im Komera-Centre in der Gemeinde Mushubati leben.

Hier wohnen Kinder wie Faustin, der miterleben musste, wie seine Großmutter mit einer Machete umgebracht wurde, und der seitdem stumm war. Oder wie Egide, der traumatisiert war, weil seine Mutter während der Schwangerschaft das durch den Völkermord verursachte Trauma auf das ungeborene Kind übertrug. Und da ist noch Ndiyogusa, die als Dreijährige beerdigt wurde, weil ihre Eltern dachten, dass sie tot sei. Erst im Sarg wachte das Mädchen auf. Seitdem hat sie weder gesprochen noch Gefühle geäußert.

Konzept und Ziel

Alle Kinder im Komera-Centre haben in irgendeiner Form Kommunikationsprobleme, erklärt Father Eugène Murenzi (56). Er war acht Jahre lang Gemeindepfarrer in Mushubati, wurde jedoch im vergangenen Jahr vom Bischof für die Leitung und Weiterentwicklung des Komera-Centres freigestellt. "Das Ziel ist, den Kindern, die ohne Sprache sind, Kommunikation zu ermöglichen", erklärt er das Konzept des Zentrums. Gemeinsam mit dem niederländischen Therapeuten Wiljo Woodi Oosterom, von dessen Therapiekonzept der "Totalen Kommunikation" Father Eugène begeistert war, baute er mit Unterstützung des Kindermissionswerks das Zentrum in der Gemeinde Mushubati auf.

Es ist ein gepflegtes Gelände mit sauber angelegten Blumen- und Gemüsebeeten. Die roten Ziegelsteinhäuser mit den blauen Tür- und Fensterrahmen heißen nach Frère Roger, Mutter Teresa und dem Therapeuten Oosterom. Auch die Schulgebäude haben sprechende Namen: So besuchen die Taubstummen beispielsweise die Effata-Klasse ("Öffne dich").

Individuelles Trainingsprogramm

Auch wenn an diesem Tag Ferien sind, sind die Kinder dennoch präsent: Im Esszimmer kleben ihre Fotos mit einer Reihe an Piktogrammen dahinter. Sie zeigen eine Zahnbürste, einen Teller mit Besteck oder ein Bett. "Wir arbeiten mit Visualisierung", erklärt Father Eugène das Prinzip. Dazu zählen die Gebärdensprache, die Körpersprache, Fotos und auch Piktogramme. Damit können die Kinder ihren Tag strukturieren, aber auch ihre Gefühle ausdrücken: ein lachendes Gesicht für gute Laune und eines mit hängenden Mundwinkeln für schlechte Laune. Auf den Schlafsaaltüren helfen verschiedene Farben bei der Orientierung.

Viele Kinder seien anfangs verwahrlost gewesen, erzählt Father Eugène. Eltern erkennen die Behinderung ihres Kindes nicht oder wollen sie nicht wahrhaben. Hinzu kommt, dass viele Beeinträchtigungen erst spät erkannt werden und es nur wenig Hilfe und Unterstützung für behinderte Kinder gibt. "Das wichtigste, das sie hier bekommen, ist Liebe", sagt der Priester. "Auch wenn jemand Probleme hat, ist er immer noch ein Mensch." Im Komera-Centre bekommen diese Kinder ein auf ihre Behinderung zugeschnittenes individuelles Trainingsprogramm.

Den Alltag meistern

Leben im Komera-Centre bedeutet auch, lernen, den Alltag zu meisten und kleine Aufgaben zu übernehmen. So lernen die Kinder beispielsweise, die Teller abzuwaschen oder Kartoffeln zu schälen - Dinge, mit denen sie sich auch zuhause nützlich machen können, sagt Father Eugène. Die Eltern seien erstaunt über die Fortschritte ihrer Kinder. Sie werden zusätzlich bei Hausbesuchen der Mitarbeiter des Komera-Centres darin unterrichtet, wie sie ihre Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen und fördern können.

Auch Father Eugène freut sich über die Erfolge der Kinder. "Sie lernen langsam, aber sie machen beständig Fortschritte", sagt er begeistert. "Kinder, die zuhause im Schatten waren, blühen auf." So habe er miterlebt, wie stumme Menschen nach dem Training miteinander kommunizieren konnten. "Jedes Mal, wenn ich hierher komme, sehe ich ein Wunder."

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