
Das Leben spielt sich in Ruanda auf den Straßen ab. Jeden Tag sind die Menschen mehrere Kilometer zu Fuß unterwegs, meist schwer bepackt.
Reisetagebuch Ruanda I:
Erste Eindrücke eines "Muzungu"
Ein Mal Ruanda von Ost nach West: Nach der Ankunft in Kigali am Vorabend geht es am nächsten Morgen noch im Dunkeln wieder los. Am Beginn unserer Reise steht das eher touristische Programm: ein Besuch des Akagera-Nationalparks, benannt nach dem größten Fluss Ruandas. Hier leben Tiere, von denen es die meisten in Europa nur im Zoo gibt: Giraffen, Zebras, Flusspferde, Impalas, Antilopen, Wasserbüffel, Marabus, Affen, exotische Vögel und zahlreiche bunte Schmetterlinge tummeln sich in dem Nationalpark an der Grenze zu Tansania.
Die zweistündige Fahrt dorthin ist eine gute Gelegenheit, Land und Leute kennen zu lernen. Denn als es gegen 6 Uhr morgens hell wird, beginnt auch schlagartig das Leben auf den Straßen: Kinder machen sich mit Kanistern auf den Weg zur nächsten Wasserstelle. Frauen balancieren Schüsseln und Säcke voller Kartoffeln und Gemüse auf dem Kopf zum nächsten Markt. Männer schieben mit Bananenstauden, Matratzen und Brennholz beladene Fahrräder die steilen Steigungen der Straße hoch.
Zu Fuß und schwer beladen
Das Leben in Ruanda spielt sich auf der Straße ab. Neben der asphaltierten Landstraße gibt es auf beiden Seiten einen unbefestigten Streifen, auf dem Scharen an Fußgängern und Fahrradfahrern unterwegs sind. Jeden Tag legen die Menschen mehrere Kilometer zum Markt oder zu ihrem Feld zurück, meist zu Fuß und schwer beladen. Keiner trägt seine Kanister, Schüsseln, Klappspaten und Spitzhacken in der Hand; selbst Baumstämme werden mit kleinen geflochtenen Kränzen aus Bananenblättern auf dem Kopf balanciert.
Ein Jugendlicher am Straßenrand streckt den vorbeibrausenden Autos und Motorrädern ein lebendes Huhn und einem Beutel Eier entgegen, die er verkaufen möchte. Da in Ruanda nicht viele Autos herumfahren, ist das für die Kinder in den Dörfern immer etwas Besonderes. Sobald sie den Motor hören, lassen sie vom Wasserabfüllen ab, laufen an den Straßenrand und gucken neugierig, wer dort vorbeikommt. Wenn sie uns im Auto entdecken, rufen sie begeistert "Muzungu", was "Weißer" bedeutet, und winken - meistens fröhlich, manchmal verschämt lächelnd.
Kindliche Neugier
Als Europäer erregt man sofort Aufmerksamkeit in Ruanda, ob man will oder nicht. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene bleiben neugierig stehen, umringen uns in einigem Abstand oder nähern sich, sofern sie ein paar Worte Englisch sprechen, um ein Gespräch zu beginnen. Die wichtigsten Wörter kennen schon die Kleinsten: Vor der Unterkunft haben sich eine Reihe ärmlich gekleideter Kinder vor der Tür aufgereiht und rufen im Chor "Good Morning" und "How are you".
Ganz versessen sind sie auf die leeren Halbliter-Trinkwasserflaschen, die wir im Kofferraum sammeln. Die Flaschen verteilen wir unterwegs an die Kinder, die sofort angelaufen kommen und sich um die offenen Autofenster drängen. Sie sind neugierig und gucken sich mit Begeisterung ihre Fotos im Display der Digitalkamera an. Doch es wird nicht nur gewunken. Vor allem die Jugendlichen kommen angelaufen und betteln. Sie wollen "faranga" - Geld. Denn davon haben die wenigsten genug.
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
29.07.2009
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