
Die grünen Hügel Ruandas werden landwirtschaftlich genutzt. Die Menschen bauen auf den Hängen Bananen, Süßkartoffeln und Bohnen an.
Ruanda: Überblick Land und Leute
Das Land der tausend Hügel
Ruanda - das Land der tausend Hügel, aber auch der tausend Probleme: Sanfte grüne Hügel, glitzernde Seen und eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt prägen das kleine Land in Ost-Zentralafrika. Gleichzeitig ist Ruanda ein hoch verschuldetes Entwicklungsland mit großer Bevölkerungsdichte und extremer Armut. Und auch die Folgen des Völkermords von 1994 lasten schwer auf dem Land und seinen neun Millionen Einwohnern.
Die Republik Ruanda liegt knapp südlich des Äquators. Mit einer Fläche von 26.340 Quadratkilometern ist sie kleiner als Belgien. Im Norden grenzt sie an Uganda, im Osten an Tansania; im Süden und Westen schließen sich Burundi und die Demokratische Republik Kongo an. Wegen des hügeligen Hochlands mit einer durchschnittlichen Höhe von etwa 1.500 Metern wird Ruanda auch Land der tausend Hügel genannt. Durch den regelmäßigen Niederschlag ist es fast das ganze Jahr über grün. Nach Osten hin wird die Landschaft flacher. Dort prägen Savannengebiete mit kleinen Seen das Bild.
Eines der ärmsten Länder der Welt
Ungefähr 93 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Die wichtigsten Exportgüter sind Kaffee und Tee. Zum Eigenbedarf werden Bananen, Maniok, Süßkartoffeln, Kartoffeln, verschiedene Bohnensorten und Erbsen angebaut. Die Nahrungsmittelproduktion kann jedoch nicht mit der schnell wachsenden Bevölkerung Schritt halten. Mit 314 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Ruanda das am dichtesten bevölkerte Land Afrikas. Eine Familie hat im Durchschnitt fünf bis sechs Kinder.
Das größte Problem Ruandas ist die Armut. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 268 US-Dollar pro Einwohner ist es eines der ärmsten Länder der Welt. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, davon 20 Prozent unterhalb der Grenze absoluter Armut. Die Analphabetenrate der Erwachsenen liegt in Ruanda bei etwa 35 Prozent.
Wechselvolle Geschichte
Wie viele afrikanische Länder hat Ruanda eine wechselvolle Geschichte der Kolonialisierung hinter sich. Von 1884 bis 1916 war das Land Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Parallel begann die Missionierung. Die "Weißen Väter" gründeten im Jahr 1900 ihre erste Missionsstation in Ruanda. 93 Prozent der ruandischen Bevölkerung gehören heute einem christlichen Bekenntsnis an; 55 sind Prozent katholisch. Seit 1916 stand das Land unter dem Mandat der Belgier. Die Unabhängigkeit erfolgte 1962.
Das einschneidenste Ereignis der jüngeren Geschichte ist der Völkermord: Von April bis Juli 1994 wurden fast eine Million Menschen - überwiegend Angehörige der Gruppe der Tutsi, aber auch moderate Hutu - ermordet. Viele Menschen haben einen großen Teil ihrer Familien verloren. Zahlreiche Frauen, die bei einer Vergewaltigung mit HIV angesteckt wurden, sind in den nachfolgenden Jahren an Aids gestorben. In jedem Ort erinnert eine Gedenkstätte an die Opfer.
Versöhnung und Aufbauwille
Ruandas Präsident Paul Kagame und die Regierung unter Bernard Makuza möchten die Folgen von Krieg und Genozid bewältigen und streben eine nationale Aussöhnung an. Die Bevölkerung soll sich ihrer Zusammengehörigkeit über die ethnischen Schranken hinweg bewusst werden. Doch auch 15 Jahre nach dem Völkermord sind längst noch nicht alle Schuldigen verurteilt. Die Menschen sind immer noch intensiv mit der Aufarbeitung der Ereignisse beschäftigt.
Seit 1982 besteht eine intensive Partnerschaft zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz. Dort gibt es mehr als 50 Gemeinden und Landkreise, die partnerschaftliche Beziehungen zu ruandischen Gemeinden unterhalten. Etwa 250 ruandische und rheinland-pfälzische Schulen stehen miteinander in Kontakt. An der Partnerschaft beteiligen sich auch Kirchen, Universitäten und Fachhochschulen, Verbände, Unternehmen, Sportvereine und Bildungseinrichtungen.
Gorillas sind Besuchermagnet
Dem Wiederaufbau Ruandas helfen auch die Touristen. Im Jahr 2007 war der Tourismus der Wirtschaftszweig mit der höchsten Wachstumsrate im Land. Das Land setzt auf Klasse statt auf Masse und auf ökologischen Tourismus. Vor allem die Tierwelt - Giraffen, Flusspferde, Zebras, Antilopen und Wasserbüffel - und die einzigartige Naturlandschaft - etwa der Kivusee oder die bis zu 4.500 Meter hohen und zum Teil noch aktiven Virunga-Vulkane im Norden - locken von Jahr zu Jahr mehr Besucher an. Ein Höhepunkt für Ruandareisende ist ein Besuch bei den seltenen Berggorillas, deren Erforschung mit dem Namen der Amerikanerin Dian Fossey verbunden ist.
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
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