
Viele Biker entzündeten in Kevelaer eine Kerze und hielten für einen kurzen Moment zum Gebet inne.
Biker wallfahren seit 25 Jahren nach Kevelaer
Stille Momente und laute Maschinen
Kevelaer. Es knallt. So laut, dass die Zuschauer aufschrecken. Der Startschuss ist gefallen, die Ruhe in Kevelaer vorüber. Denn jetzt kommen die großen Maschinen – mit aufheulenden Motoren, knallendem Auspuff und dreimaligem Hupen zum Gruß an die Gottesmutter. Am Wochenende (18. / 19.07.2009) haben wieder die Biker bei ihrer Motorradwallfahrt den Marienwallfahrtsort erobert.
Mehr als 1.000 Maschinen erreichen binnen weniger Minuten den Kapellenplatz. Waren sie mit viel Getöse gekommen, herrscht doch plötzlich beeindruckende Ruhe am Gnadenbild. "Wenn Maria ruft, kommen wir", sagt Norbert Blenkers aus Weeze, der seit zwölf Jahren bei der Motorradwallfahrt dabei ist. Diese gibt es allerdings schon länger: Seit nunmehr 25 Jahren kommen Biker aus ganz Deutschland und den nahen Niederlanden zum Niederrhein.
Silber- und Goldhochzeit
Ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr waren die Silber- und Goldhochzeitsfeiern zweier Biker-Paare. Die zunächst geplante Kindstaufe wurde abgesagt. Im 25. Ehejahr ließen sich Gisela und Paul Brenneis bei der Motorradwallfahrt von Kaplan Martin Klüsener segnen. Dieser war sich sicher, dass sie "die Tugenden der Motorradfahrer in ihrer Ehe leben: Vertrauen, Verlässlichkeit und festen Zusammenhalt".
Das gilt natürlich umso mehr bei Tine und Martin Gottfried aus Weeze. Die Schwiegereltern von Norbert Blenkers fuhren einst selbst Motorrad und konnten sich kaum etwas Schöneres vorstellen, als ihr goldenes Ehejubiläum inmitten Gleichgesinnter zu feiern. "Für uns ist das auch eine Art Abschluss vom Motorradfahren", sagt der 74-jährige Martin Gottfried. Aufregend war es für sie, "schließlich wird man nicht jeden Tag von 2.000 Bikern empfangen", meinte Norbert Blenkers lächelnd.
"Die Zeit ist schnell vergangen", sagt die 70-jährige Tine Gottfried. "Und wir lieben uns immer noch." Vor zwei Jahren hatten ihre Tochter Andrea und Ehemann Norbert Blenkers bei der Motorradwallfahrt ihre Silberhochzeit gefeiert, "Gedanken, die mir Gänsehaut bereiten", sagt Norbert Blenkers. Schließlich sei Motorradfahren mehr als ein Hobby. Ein "echtes Lebensgefühl", Freiheit, stehe dahinter. "Deshalb ist die Wallfahrt für mich der Höhepunkt des Jahres."
Beeindruckende Stille
Auch der Kevelaerer Wallfahrtsrektor Stefan Zekorn war beeindruckt vom Geschehen in der Innenstadt. Zwar ist er selbst kein Motorradfahrer, doch begeistern diese ihn immer wieder: "Allein die Gebetsatmosphäre ist faszinierend. Wenn so viele Menschen mit ihren Maschinen zusammen kommen und es plötzlich so still wird, dass man Stecknadeln fallen hören kann, dann zeigt das, warum die Menschen herkommen: um zu beten, Ruhe zu finden, um die schützende Hand zu bitten." Aus dem, was vor 25 Jahren mit wenigen Interessierten begann, ist inzwischen eine Großveranstaltung geworden. "Kein Wunder", meint Kaplan Klüsener. "Daran sieht man, was aus gutem Willen, Tatkraft und Gottes Segen werden kann."
Neben dem traditionell lautstarken Begrüßungskonvoi zum Kapellenplatz fehlte auch im 25. Jahr die Lichterfahrt am Abend nicht. Inmitten des geselligen Beisammenseins, auf dem Zeltplatz oder während der Andachten blieben auch viele stille Momente. Einige gehören stets verunglückten Bikern, deren Namen auf einer Gedenkrolle verewigt im "Biker Memorial" zu finden sind. Dieses errichteten die Motorradfahrer 2004 in der kleinen Kapelle "Maria in der Not".
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Text: Katrin Reinders | Foto: Katrin Reinders
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