
Am Samstag und Sonntag fand die 157. Osnabrücker Fußwallfahrt statt.
Osnabrücker Wallfahrt nach Telgte im 157. Jahr
Ein "Marathon des Glaubens" setzt Zeichen
Telgte. So manches Päckchen, das die Seele be- und niederdrückt, verliert sich einfach beim Gehen. Gisela Hülsmann weiß, wovon sie redet: Sie pilgert seit 1969 regelmäßig mit der Osnabrücker Wallfahrt nach Telgte. Und das sind von ihrem Heimatort Gellenbeck aus immerhin 42 Kilometer.
Wie sie, so haben an diesem Samstag (11. 07.2009) haben 8.700 Menschen die Tradition dieses "Marathons des Glaubens" auch im 157. Jahr lebendig erhalten.
Seit drei Jahren mit dem Fahrrad
Anneliese und Theo Ascher gehören zu ihren. Seit drei Jahren fahren sie den Pilgerweg per Fahrrad in einer kleinen Gruppe – immerhin werden beide in Kürze 80 Jahre alt. "Früher sind wir natürlich gelaufen", so erzählen die Osnabrücker. Um 11 Uhr haben sie sich in den Sattel geschwungen und sind, gegen wenig einladendes Wetter bestens gewappnet, kurz vor der Fußgruppe in der Emsstadt angekommen.
Begeistert standen sie wie andere, die per Bus oder Auto anreisten, dann Spalier, als die Massen der Fußpilger gegen 15.45 Uhr mit Fahnen und Bannern auf den Kirchplatz einzogen. Genau dieses Gefühl mag auch Ingrid Schwaberg, die mit der 20-köpfigen Gellenbecker Gruppe um 3.30 Uhr losgewandert war: "Dieser festliche Einmarsch hier, das Gefühl, es geschafft zu haben…". Tochter Linda sorgte übrigens für die Ökumene in der Wandergemeinschaft: "Ich bin evangelisch und gehe begeistert mit".
Premiere für Weihbischof Overbeck
Premiere dagegen für Weihbischof Franz-Josef Overbeck: Er hatte sich in Glandorf dem von Ort zu Ort anwachsenden Pilgerstrom angeschlossen und wurde "gleich getauft", wie sein Namensvetter, der Osnabrücker Diözesanbischof Franz-Josef Bode, schmunzelnd erzählte: "Der heftige Regenschauer wenige Kilometer vor dem Ziel hat ihn genau erwischt."
Aber wen störte letztlich das Wetter? "Ist jemand nass geworden?" wendete sich Bode lachend an die vielen Kommunionkinder aus Glandorf und Bad Laer, Glane oder Oesede, die sich mit selbst gestalteten Fahnen und mit einem eigenen Lied der großen Pilgerfamilie vorstellten.
Jesus im Herzen tragen
Weihbischof Overbeck begrüßte die Wallfahrer auf dem Kirchplatz und erinnerte an die beiden für die Diözese Münster wichtigen Jubiläen: "Sowohl der heilige Paulus als Bistumspatron als auch der heilige Liudger als erster Bischof hier waren Menschen, die Jesus im Herzen trugen und ihn zu den Menschen gebracht haben", so sagte er. Jesus und seine schmerzhafte Mutter nähmen die vielen Anliegen der Menschen auf, die auch bei dieser Pilgerfahrt zu ihnen getragen würden.
"Ich weiß, wem ich glaube", so lautete das Motto der traditionsreichen und wohl größten Fußwallfahrt Deutschlands, die sich mit rund 20 Begleitfahrzeugen über fast zwei Kilometer Länge gen Telgte bewegte. "Dabei ist es heute gar nicht mehr so einfach zu wissen, wem man glauben kann", so hatte Bischof Bode am Rastplatz Oedingberge bei Glandorf den Wandernden zugerufen. Gerade die Teilnahme aber so vieler junger Menschen mache Mut: "Dieses ‚Gebet mit den Füßen‘ setzt ein großartiges Zeichen auch nach außen!"
"Ein Marienkind kann nie verloren gehen"
Vielleicht will deshalb die siebenjährige Ruth im kommenden Jahr auch unbedingt mitlaufen. Dieses Mal war sie im Auto der Osnabrücker Großeltern Änne und Klaus Kenkel dabei, die ab Telgte per mitgebrachtem Fahrrad nach Ostbevern radelten und sich dort für das letzte Wegstück einreihten.
Ruths andere Großmutter, Maria König, pilgert seit 1955 den Weg zum Telgter Gnadenbild: "Vielleicht ist es mein Vorname? Mein Volksschullehrer hatte mal gesagt ‚Ein Marienkind kann nie verloren gehen‘ – mir ist es wichtig, immer wieder hierher zu kommen".
Sonntag ab 5.30 Uhr zurück
Nach dem sakramentalen Segen verteilten sich die Pilgermassen langsam – die einen suchten den Zeltplatz oder ihre Nachtquartier in der Marienschule oder im Rochus-Hospital auf, andere brauchten erst einmal ein Eis oder einen Kaffee.
Mit mehreren Gottesdiensten und Andachten endete der Samstag und begann ab 5.30 Uhr dann auch wieder der Sonntag als Rückpilgertag. Wie bei Gisela Hülsmann ist hoffentlich so mancher Kummer und manches Päckchen dabei zurückgeblieben.
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Text: Heike Hänscheid | Foto: Andrea Hertleif
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