
Minister Armin Laschet besuchte den St.-Jakobi-Kindergarten in Coesfeld.
Minister Armin Laschet besuchte katholische Einrichtungen
Integrativ und generationsübergreifend
Coesfeld. "Wir Fröschelein, wir Fröschelein, wir sind ein lust'ger Chor." Ein munterer Chor aus Erwachsenen und Kindern begrüßte am Montag (06.07.2009) im Kindergarten St. Jakobi in Coesfeld Armin Laschet, Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die Mädchen und Jungen präsentierten mit ihren Singpaten das Kinderlied auf Deutsch, Türkisch und Holländisch. "Tschechisch üben wir noch", erklärte Kindergartenleiterin Rita König. Sie stellte dem Minister das Konzept der Drei-Gruppen-Einrichtung mit 69 Kindern vor, in der seit Jahrzehnten Kinder mit Behinderung und Kinder mit Migrationshintergrund zum Alltag des Miteinanders gehören.
Sing- und Lesepaten
Den generationsübergreifenden Ansatz hatte Laschet zum Auftakt miterlebt. Zehn Singpaten kommen jeweils mittwochs in den Kindergarten, um mit den Kleinen zu musizieren. Zudem gibt es Lesepaten, und auch Schwester Maria Geesink, die 33 Jahre den Kindergarten geleitet hatte und vor drei Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde, kommt regelmäßig ins Haus und bietet für die Vorschulkinder meditative Übungen an.
"Sie sehen, hier treffen sich die Generationen in vielfältiger Weise", hielt König fest. "Und obwohl wir kein Familienzentrum sind, erfüllen wir zahlreiche Voraussetzungen. Das reicht von Sprechstunden des Caritasverbands über Eltern-Kind-Kurse in Kooperation mit der Familienbildungsstätte und vieles mehr", führte sie weiter aus.
Individuelle Sprachförderung
Ein wichtiger Aspekt in der täglichen Arbeit in St. Jakobi ist das Thema Integration. "Seit mehr als 20 Jahren arbeiten wir integrativ. In selbstverständlicher Weise kommen zu uns Kinder mit Behinderung oder Kinder, die von Behinderung bedroht sind. Und dass dieses gemeinsame Miteinander für alle gut ist, erleben wir täglich", betonte die Leiterin. Aber Integration beziehe sich natürlich ebenso auf Kinder mit Migrationshintergrund. Damit dies alles gelinge, müssten viele Voraussetzungen geschaffen werden: Offenheit, Toleranz, Akzeptanz und eine positive Grundeinstellung zueinander auf allen Seiten. "Die deutsche Sprache gut zu beherrschen, ist der Schlüssel zur Integration", sagte König. Praktisch hieße das im Kindergarten: individuelle Sprachförderung ebenso wie das gemeinsame Singen.
Seit eineinhalb Jahren ist Christina Guljasch als Fachkraft für Sprachförderung im Kindergarten St. Jakobi angestellt. Zweimal wöchentlich arbeitet sie mit Kindern, bei denen durch die Sprachstandsfeststellung und das Testverfahren Delfin - "da hätte ich noch einige Verbesserungsvorschläge" - der Bedarf einer Förderung festgestellt wurde.
3.000 Familienzentren bis 2012
Minister Laschet zeigte sich beeindruckt von den unterschiedlichen Ansätzen in dem Kindergarten. Zum Thema Familienzentrum informierte er: "Bis 2012 werden wir im Land NRW 3.000 Familienzentren haben. Bis Ende dieses Jahrs werden es 1.750 sein. Aber nicht jeder Kindergarten muss ein Familienzentrum sein." Mit Freude habe er aufgenommen, wie wichtig das Thema Integration in der Einrichtung genommen werden. "Ich nutze statt des Begriffs 'Migrationshintergrund' lieber einen Begriff, den ich bei Weihbischof Josef Voß abgeschaut habe. Wir sprechen in unserem Ministerium von Menschen mit 'Zuwanderungsgeschichte'. Das trifft es besser."
Integration sei lange vernachlässigt worden. Aber jetzt werde vieles nachgeholt. "Vielleicht hätten die Kinder andere Chancen gehabt, wenn es schon vor Jahren ein verpflichtendes Programm zur Förderung gegeben hätte", meinte der 48-Jährige. Was er in den 45 Minuten gesehen und gehört hätte, würde ihn freuen. "Dies ist ein Kindergarten, von dem ich bestimmt erzählen werde. Es ist ein wirklicher Ort der frühkindlichen Bildung."
Besuch in der Familienbildungsstätte
In der Familienbildungsstätte Coesfeld, die ebenfalls auf dem Programm stand, informierten Domvikar Stefan Sühling und Hermann Flothkötter vom Bischöflichen Generalvikariat Münster Laschet über die Situation der Familienbildung im Bistum Münster. "Wir sind mit 26 katholischen Familienbildungsstätten gut aufgestellt. Im Bistum Münster gibt es bundesweit die meisten Einrichtungen. Sie sind niederschwellige Anlaufstellen. Uns sind Familien und ihr Zusammenleben wichtig, denn ohne sie ist die Gesellschaft vermutlich eine tote Gesellschaft", betonte Sühling. Die Familienbildungsstätte Coesfeld, deren Programm Leiterin Ulrike Wißmann dem Minister vorstellte, hat sich zu einem Haus der Bildung und Begegnung mit Kursen und offenen Treffpunkten entwickelt.
Der Kreisverband der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA) hatte Laschet als CDA-Kollegen für die Sommeraktion, die in diesem Jahr zum 15. Mal stattfand, gewinnen können. Sie stand unter dem Motto: "Chancengerechtigkeit durch Familienberatung, Bildung und Erziehung".
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe
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