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24.05.2012
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Professor Kertelge.

Professor Kertelge starb jetzt im Alter von 83 Jahren.

"Führende Gestalt der katholischen Exegese"

Professor Karl Kertelge gestorben

Bistum. Im Alter von 83 Jahren ist in der Nacht von Sonntag auf Montag (29.06.2009) Professor Karl Kertelge gestorben.

Der Theologe war von 1976 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1991 Lehrstuhlinhaber für Exegese des Neuen Testaments und Direktor des Seminars für Exegese des Neuen Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Überdies war er von 1990 bis 2002 nicht-residierender Domkapitular am münsterschen St.-Paulus-Dom sowie Leiter der Fachstelle für Ökumene im Generalvikariat.

Alfers würdigt den Verstorbenen

Dompropst Josef Alfers würdigte das Wirken Kertelges als nicht-residierender Domkapitular gegenüber kirchensite.de: "Mit großem Engagement trug Professor Kertelge das Leben des Domkapitels mit", sagte Alfers. "In besonderer Weise hat er sich auch an der Liturgie des Paulusdomes beteiligt." Zudem habe er eine enge persönliche Verbindung zu den Mitgliedern des Domkapitels gepflegt.

Karl Kertelge, der am 28. April 1926 in Selm geboren wurde, hat in Münster und München Theologie studiert. Nach der Priesterweihe 1951 in Münster war er als Kaplan und Religionslehrer in Marl und Burgsteinfurt tätig. "Seine Ausbildung hat er in Münster bei Max Meinertz und Josef Gewiess genossen; aber er wusste, dass man sich auch umhören musste, um in der Bibelwissenschaft weiterzukommen", erläuterte sein Schüler, Professor Thomas Söding (Münster/Bochum) anlässlich seines 80. Geburtstags 2006.

Das Freisemester führte Kertelge nach München, wo er Friedrich-Wilhelm Maier, den Altmeister der modernen Exegese in der katholischen Theologie, suchte – und den jungen Privatdozenten Rudolf Schnackenburg fand, der ihm zeigte, "dass man nicht schwer zu leiden brauchte, sondern viel gewinnen konnte, um theologische Orientierung und historische Kritik zusammenzubringen", wie Söding verdeutlichte.

Schwerpunkte seiner exegetischen Arbeit

In Münster selbst wusste Kertelge die Nachbarschaft der evangelischen Fakultät zu nutzen. Als wissenschaftlicher Assistent an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster wurde er promoviert.

Die Schwerpunkte seiner exegetischen Arbeit waren früh vorgezeichnet: Die Dissertation über die "Rechtfertigung bei Paulus" (1966) war und ist ein Standardwerk; nach Södings Worten "ein Durchbruch, ein Meilenstein auch auf dem Weg zur 'Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre' des Lutherischen Weltbundes und des Päpstlichen Einheitsrates 1999 in Augsburg, dem wichtigsten Text der evangelisch-katholischen Ökumene". Zahlreiche Beiträge zu Paulus, zusammengefasst in "Grundthemen paulinischer Theologie" (1991) folgten; alle verbinden das exegetische mit einem ökumenischen Interesse.

Die Habilitationsschrift über die "Wunder Jesu im Markusevangelium" (1970) fasste ein heißes Eisen der historischen Jesusforschung an; neu war die Perspektive, das theologische Interesse des Evangelisten Markus an den Wundern Jesu zu untersuchen. Anschließend ging er als Professor für Exegese des Neuen Testaments an die Theologische Fakultät Trier. 1976 folgte Professor Kertelge einem Ruf zurück an die Universität in Münster.

Internationale Anerkennung

Auch in zahlreichen Arbeiten zu Themen der Urkirche, angefangen mit "Gemeinde und Amt" (1972) und im grundlegenden Artikel über die Kirche im "Handbuch der Fundamentaltheologie" (1986), gab sich Kertelge nach Södings Darstellung nicht mit hochfliegenden Theorien zufrieden, sondern fragte nach der "Wirklichkeit" der Kirche. Er habe aber nicht die historische Forschung gegen die theologische Urteilsbildung ausgespielt, sondern beides zusammengeführt.

1991 wurde Kertelge emeritiert. Aktiv blieb er weiter: Bei der Neuauflage des elfbändigen "Lexikons für Theologie und Kirche", die an der Jahrtausendwende abgeschlossen wurde, war er der Fachmann für Neues Testament. 17 Jahre lang war Kertelge Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der deutschen katholischen Neutestamentler, fünf Jahre lang Vorsitzender des Deutschen Ökumenischen Studienausschusses: Söding nannte Kertelge "eine führende Gestalt der katholischen Exegese und Theologie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil". Die internationale Anerkennung seiner Forschung sei mindestens so groß wie die nationale, die interkonfessionelle mindestens so groß wie die innerkatholische.

Beerdigung

Die Beerdigung von Professor Kertelge ist am Samstag (04.07.2009) um 10 Uhr in Selm. Das anschließende Requiem in der Pfarrkirche St. Ludger feiert Bischof em. Reinhard Lettmann mit den Gläubigen.

Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
29.06.2009

 

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