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07.12.2016
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Tagung in der Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus.

Blick auf Paulus (v.l.): Thomas Söding, Anastasios Kallis, Michael Kappes und Peter Wick.

Tagung in der Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus

Paulusbilder in den Konfessionen

Bistum. Mit dem Einfluss des Paulus auf Entwicklung und Selbstverständnis der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche hat sich die Tagung "Paulusbilder in den christlichen Konfessionen" am Dienstagabend (26.05.2009) in der Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus beschäftigt.

Die katholische Seite nahm Thomas Söding, Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bochum, in den Blick. Die Ausrufung des Paulusjahres durch Papst Benedikt XVI. sei nicht nur Indiz besonderer Wertschätzung, sondern auch "das stillschweigende Eingeständnis, Nachholbedarf bei der Entdeckung des Paulus zu haben", sagte Söding. Ursprünglich werde Paulus in der römischen Perspektive voll anerkannt, aber mit Petrus zusammen gesehen. Die "antireformatorische Profilierung" habe dann zu einer einseitigen Berufung auf Petrus geführt.

Die Kirchen der Reformation beziehen ihre konfessionsbildende Rechtfertigungslehre vor allem aus dem Römer- und Galaterbrief, so Söding. Demgegenüber sei das katholische Paulusbild mindestens so stark von der Apostelgeschichte und den Gefangenschafts- und Pastoralbriefen geprägt wie von seinen Hauptbriefen. Die katholische Kirche stelle Paulus als Missionar heraus, der den christlichen Glauben in die Welt trage und für die Ursprungstreue der Überlieferung des Evangeliums stehe.

Bekehrung und Einsatz

Darüber hinaus werde Paulus in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt, wobei sowohl seine Bekehrung als auch sein Einsatz für den Glauben und das Martyrium bewundert werden. Zudem habe man katholischerseits – ohne historisch-kritische Unterscheidung zwischen den paulinischen und den nachpaulinischen Briefen (Epheser, Kolosser, Pastoralbriefe) – aus den Themen paulinischer Theologie besonders das Kirchen- und Amtsverständnis sowie die Sakramente herausgegriffen.

Gegen die reformatorische Rechtfertigungslehre mit ihrem vierfachen "Allein" ("Allein aus Glaube, allein aus Gnade, allein aus der Schrift, allein durch Christus") betonte das Konzil von Trient im 16. Jahrhundert in einem "Dekret über die Rechtfertigung" die Zusammengehörigkeit von Glaube und Liebe und guten Werken. Das Dokument bezog sich Söding zufolge zum Teil auf dieselben Stellen des Römer- und Galaterbriefs wie die Rechtfertigungslehre.

Die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" von 1999 zwischen dem Lutherischen Weltbund und der katholischen Kirche habe dann dazu geführt, dass die Rechtfertigungslehre als kirchentrennende Frage des 16. Jahrhunderts an Bedeutung verlor und ein Grundkonsens erreicht wurde, stellte Söding fest.

Orthodoxer und evangelischer Blick

Anastasios Kallis, emeritierter münsterscher Professor für Orthodoxe Theologie, hob vor allem die Leistung des Paulus für die Inkulturation des Evangeliums hervor. Es sei sein Verdienst, das Christentum in die hellenistisch geprägte Welt Europas getragen zu haben. Für seine Missionstätigkeit sei die Verbindung von klarem christlichen Profil und Dialogoffenheit bezeichnend gewesen.

Peter Wick, Professor für Exegese und Theologie des Neuen Testaments und Geschichte des Urchristentums an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bochum, stellte anhand von Sprachbildern der Paulusbriefe "Glaube, Hoffnung und Liebe" als Zentralbegriffe paulinischer Theologie dar. Allerdings sei dies für die reformatorische Paulusinterpretation, die traditionell den "Glauben allein" betone, nicht typisch. Hier müsse reformatorische Theologie dazulernen.

Keine Kirche könne den Reichtum paulinischer Theologie für sich allein beanspruchen, betonte Michael Kappes, Leiter der Fachstelle Theologische Grundsatzfragen und Ökumene im Bischöflichen Generalvikariat Münster. Die Konfessionen mit ihren Auslegungsschwerpunkten könnten voneinander lernen und ergänzende Aspekte entdecken. "Die Paulusbilder der Konfessionen stehen nicht mehr einfach gegeneinander, sondern stellen eine bereichernde Vielfalt dar. Paulus kann so maßgeblich für die ökumenische Bewegung Orientierung geben", sagte Kappes.

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Text: Christoph Kirchhoff | Foto: Christoph Kirchhoff
28.05.2009

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