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24.05.2012
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Philosoph Rémi Brague erhält Josef-Pieper-Preis

"Beweis der christlichen Identität Europas"

Münster. Rémi Brague (61) hat den Josef-Pieper-Preis erhalten. Der Pariser Philosophie-Professor, der an der Universität "Sorbonne" und in München lehrt, bekam den Preis am Sonntag (17.05.2009) in Münster beim Symposion "Europa auf der Suche nach sich selbst" der Josef-Pieper-Stiftung. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung würdige Bragues Lebenswerk sowie "seine besonderen Verdienste um die Bestimmung einer europäischen Identität mit besonderer Beachtung des christlich-islamischen Dialogs".

Bei der Preisverleihung betonte Brague die enge Verbindung Europas mit dem Christentum. Das christliche Erbe sei "Lieblingsgegenstand" des europäischen Selbsthasses. Dass dies so sei, sei "der unumstößliche Beweis der christlichen Identität Europas".

Mehr noch: Für Brague bietet die Theologie die einzige Möglichkeit, die Welt zu bejahen. Der münstersche Philosoph Josef Pieper (1904-1997), an den das Symposion erinnerte, hatte das Wesen Europas 1957 als "theologisch gegründete Weltlichkeit" beschrieben. Brague hält die theologische Gründung für notwendig: Der Mensch müsse "felsenfest überzeugt sein, dass das Dasein der Menschen, auch der Ungeborenen, letztendlich ein Gutes ist". Diese Sicht, die dem Glauben entstamme, sei "der unverzichtbare Unterbau des menschlichen Lebens".

Öffnung des Kontinents gefordert

Damit Europa eine Zukunft hat, müsse es sich öffnen, sagte Brague, der in München den Lehrstuhl für Philosophie der Religionen Europas innehat. Es müsse den Dialog führen mit Amerika und Russland, mit den islamischen Ländern, mit Indien und China. Zuvor aber müsse der Kontinent die eigene Identität anerkennen und dürfe sich nicht an Elementen wie der christlichen Tradition abarbeiten.

Es stelle sich die Frage, ob sich in Europa der Wille zum Untergang "nicht schon eingestellt" habe. Brague erinnerte mit den Worten des französischen Philosophen Raymond Aron an den "demografischen Selbstmord" Europas. Erst "ein gesundes Verhältnis zur Vergangenheit ermöglicht den Willen, eine Zukunft zu haben".

In seiner Laudatio nannte Hans Maier, ehemals bayerischer Kultusminister sowie Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Brague einen "Meister der Verblüffung". Seine Sprache habe nichts von philosophischem Jargon oder intellektueller Einschüchterung, ähnlich wie bei Josef Pieper. Brague ist zweiter Träger des nach diesem benannten Preises. 2004 wurde er dem kanadischen Philosophen Charles Taylor zuerkannt.

Overbeck mahnt die Europäer

Auch Weihbischof Franz-Josef Overbeck rief beim Symposion die Europäer auf, sich dessen bewusst zu werden, dass Geschichte und Identität des Kontinents ohne das Christentum "nicht zu denken" sind. Aus Sicht der Kirche gebe es "kein Menschsein ohne Gott". Zudem sei Europas Rolle als Stabilitätsfaktor in der aktuellen Wirtschaftskrise "nicht zu unterschätzen". Zu ihrer Bewältigung empfahl Overbeck die Prinzipien der Personalität, der Solidarität und der Subsidiarität, die der katholischen Soziallehre entstammen.

Europa müsse sich "positiv" Gedanken machen, wie es den Flüchtlingen und Migranten, deren Zahl infolge der Globalisierung steige, eine Heimat biete. Weiter rief der Weihbischof dazu auf, die durch den Klimawandel bedrohte Natur immer wieder als Gottes Schöpfung zu verstehen und zu respektieren.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDokumentiert: Das Grußwort von Weihbischof Franz-Josef Overbeck
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Weihbischof Franz-Josef Overbeck
  3. Öffnet externen Link in neuem FensterJosef-Pieper-Preis für Rémi Brague (17.10.2008)
  4. Öffnet externen Link in neuem FensterJosef-Pieper-Symposion: "Ein Mann mit Blick auf das Ganze" (06.05.2004)

Text: Jens Joest
17.05.2009

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