
Das Stück beginnt mit der Kindheit des heiligen Liudger. Das erste Bild zeigt Szenen aus dem Familienleben des 13-Jährigen.
Eine Inszenierung über den ersten Bischof von Münster
Liudger – Stimme des Herrn
Billerbeck. Zur 1.200. Wiederkehr des Todesjahrs des heiligen Liudger zeigt das Ensemble der Freilichtbühne Billerbeck in der St.-Johanni-Kirche eine Theater-Inszenierung über den Bistumsgründer. Regisseur Hannes Demming aus Münster hat das vom Benediktiner Gregor Schwake in niederdeutscher Sprache verfasste Stück "Liudger – Biskop van Mönster" ins Hochdeutsche übertragen und in Szene gesetzt.
Hannes Demming ist ein alter Hase in Sachen Bühne. Bereits vor vier Jahren feierte der heute 72-Jährige sein goldenes Bühnenjubiläum. Seine Leidenschaft: die niederdeutsche Bühne an den Städtischen Bühnen in Münster – als Schauspieler, Musiker, Autor und Regisseur. Beruflich ist er immer zweigleisig gefahren, denn bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 war er als Studiendirektor mit den Fächern Latein, Griechisch, Englisch und Musik am Recklinghäuser Gymnasium Petrinum tätig.
Gemeinsam mit dem Ensemble der Freilichtbühne Billerbeck setzt er nun ein Stück über den heiligen Liudger in Szene. Mehr noch, denn vor den Probenarbeiten stand die "Übersetzung". Das 1959 vom Benediktiner Gregor Schwake aus Gerleve geschriebene Stück ist, wie zahlreiche andere von ihm verfasste Stücke, in niederdeutscher Sprache geschrieben. "Heute gibt es allerdings an der Bühne in Billerbeck kaum noch Schauspieler, die das sprechen können", erklärt der pensionierte Studiendirektor. Uschi Niehues, Mitglied sowohl an der niederdeutschen Bühne in Münster als auch bei der Freilichtbühne Billerbeck, hatte bereits eine Vorübersetzung des Stücks gemacht und an Hannes Demming weitergegeben. "Gerade die niederdeutsche Sprache macht den Charme der Geschichte aus. Das Plattdeutsche trägt das Pathos, im Hochdeutschen wirkt es dann übertrieben", erzählt Demming. Aufgefangen habe er dieses durch die Einbindung des Alltäglichen. "Denn das Stück hat nichts Weihevolles und Hehres. Es ist ein stilles Stück." Das Werk im Original ist teils in gebundener Prosa und teils in Reimform geschrieben. Diese Form wollte Demming bei der Übertragung unbedingt wahren. Das Stück sei eine nüchterne Beschreibung des Lebens des heiligen Liudger, mit einfachen Mitteln erzählt. "Wo es sich vermeiden lässt, haben wir den Pathos herausgenommen, denn wir wollen Liudger nicht auf ein Podest stellen. Denn als normaler Mensch ist er uns näher."
Hannes Demming hat sogar einmal den Autor getroffen. "Es war 1965 während eines Festakts in Münster. Pater Gregor Schwake erhielt einen Preis für seine Verdienste um die niederdeutsche Sprache. Er war ein imposanter Mann, allein schon durch seine Größe."
In sieben Bildern erzählt das Stück "Liudger – Stimme des Herrn" von verschiedenen Stationen des ersten Bischofs von Münster. Zu Grunde liegt die Geschichte von Altfried, der als Erzähler die Zuschauer informiert. Neben optischen Trennungselementen setzt Demming in seiner Inszenierung – übrigens die erste in hochdeutscher Sprache – akustische Elemente ein. Ein zwölfköpfiger Projektchor unter der Leitung des Nottulner Kantors Heiner Block wird zwischen einigen Szenen Psalmen singen.
Intensiv hat sich Demming mit dem Stück und der Figur Liudger beschäftigt. Gereizt habe ihn vor allem das theatralische Geschehen. "Vorher wusste ich als ehemaliger Schüler am Paulinum, einem Gymnasium in Münster, dass der heilige Liudger der erste Bischof von Münster war. Über das Projekt bin ich mit der Figur und ihrem Charakter, so wie Altfried es dargestellt hat, in Verbindung gekommen. Beeindruckt haben mich sein großes Organisationstalent, die soziale Einstellung, die aus dem christlichen Glauben entsprungen ist, und seine Heimatliebe. Ich habe Liudger kennen gelernt als einen Menschen des weiten Blicks", würdigt er den Missionar.
Und dann äußert Demming noch einen Wunsch: "Damit die Schlussstille des letzten Bilds nicht zerrissen wird, wünsche ich mir, dass das Publikum nicht klatscht. Man kann seine Anerkennung über das Stück und die Schauspieler beispielsweise auch dadurch bezeugen, dass man aufsteht."
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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