
Maria Bahlmann in ihrem Wohnzimmer in Visbek. Sie freut sich auf die Bischofsweihe ihres Sohns.
Maria Bahlmann hat den Einsatz ihres Sohnes immer unterstützt
"Wir telefonieren jede Woche – auf Plattdeutsch"
Bistum. An diesem Samstag wird Bischof Felix Genn den aus dem oldenburgischen Visbek stammenden Franziskaner Johannes Bahlmann zum Bischof weihen. Besonders bei Maria Bahlmann ist die Freude groß. Die Mutter des neuen Bischofs hat Kirche+Leben erzählt, warum sie ihrem Sohn das neue Amt zutraut und wie gern sie bei den wöchentlichen Telefongesprächen mit ihm Plattdeutsch spricht.
"Mama, komm mal, ich muss dich kurz sprechen." Maria Bahlmann kann sich noch genau an den Tag im letzten Winter erinnern, als ihr Sohn Johannes sie beiseite nahm. Der Franziskanerpater aus Brasilien war gerade zu Besuch in seinem Elternhaus.
"Ich dachte, dass da sonst etwas kommt, dass er vielleicht Probleme mit seinem Orden hat oder so. Man kann ja nie wissen", beschreibt Maria Bahlmann ihre ersten Gedanken. Aber nichts da. Stattdessen eröffnete ihr Sohn ihr etwas ganz anderes: "Mama, ich soll Bischof werden."
"Prima", lautete Maria Bahlmanns Reaktion damals, "das kannst du auch wohl." Sie lächelt. "Wenn er meine Gene hat, dann geht das." Dann brauche er Arbeit, Organisation und Verantwortung nicht zu scheuen, meint die 77-Jährige und erinnert sich, was sie in ihrem Leben schon alles organisiert hat. Die Trachten-Tanzgruppe "De Dörpspringers", die Visbeker Brasilienhilfe "und, und, und".
Schon oft in Brasilien
"Ich wusste natürlich, dass da viel auf ihn zukommt", erklärt die Mutter. "Aber gerade deshalb musste ich ihm doch auch gut zureden." Sie wisse ja, dass ihr "Hans" schon viel bewegt habe in Brasilien. Mit Projekten, die unter seiner Regie entstanden.
Gut ein Dutzend Mal war sie selbst schon bei ihrem 48-jährigen Sohn zu Besuch. Aber das wird künftig schwieriger. Denn: War Sao Paulo einigermaßen problemlos mit dem Flieger zu erreichen, so ist das mit Obidos anders.
"Es gibt keine Straßen", erklärt die Mutter. "Das letzte Stück dauert mit dem Schiff acht Stunden." Wann sie ihn dort mal besuchen kann, das weiß Maria Bahlmann noch nicht so genau. Nach einem Schlaganfall vor zwei Jahren kommt Fliegen zunächst noch nicht wieder in Frage.
Dafür machen sich zwei Brüder mit ihren Frauen und ein Schwager von Johannes Bahlmann auf den Weg, wenn er feierlich in sein Amt in Obidos eingeführt wird. Mit Wehmut denkt Maria Bahlmann auch an ihren Mann. "Wie hätte der sich gefreut, wenn er das noch hätte erleben können." Immerhin war er damals bei den Ordensgelübden und bei der Priesterweihe dabei. Obwohl er erst nachgefragt hatte, als Johannes Bahlmann ihm zu Beginn der 1980er Jahre von seinen Plänen mit Brasilien erzählte. "Priester kannst du doch auch hier werden", habe er ihm gesagt. "Aber Hans wollte ja unbedingt in die Mission."
Seine Arbeit dort unterstützen die Eltern nach Kräften. "Mama, du hast so viele alte Klamotten", hatte Johannes Bahlmann 1984 zu seiner Mutter gesagt. "Die könnten wir gut in Rio gebrauchen."
"Da habe ich angefangen, sie in Pakete zu packen und eines nach dem anderen nach Brasilien zu schicken", sagt Maria Bahlmann. "Zuerst von unserem Keller aus, später mit anderen Frauen zusammen im Visbeker Pfarrheim." Bis heute läuft diese Hilfe. "Und wir haben wohl schon an die tausend Pakete verschickt."
Regelmäßig kam Johannes Bahlmann immer wieder mal auf Heimatbesuch. "Er ist dann viel mit dem Rad unterwegs", sagt seine Mutter. "Hans hat sich immer stark für die Natur interessiert, ist zum Beispiel auch gern geritten. Deshalb hat er ja auch nach der Schule erst einmal die Landwirtschaftslehre auf einem Hof ganz in der Nähe absolviert. Hier in der Gegend kennt er jeden Baum und jeden Strauch."
Ob das mit den Besuchen weniger werde, weiß sie nicht. "Er wird ja als Bischof wohl mehr zu tun haben als bisher", vermutet Maria Bahlmann.
Treffen im Herbst in Rom
Aber im Herbst will sie ihn auf jeden Fall sehen. "Dann ist er zu einem Bischofstreffen in Rom. Und ich werde dann mit einer Gruppe aus Rechterfeld auch dort sein", freut sich die Mutter.
Wie lange habe sie früher warten müssen, bis ein Brief den Weg auf den anderen Kontinent geschafft habe! Und Maria Bahlmann erinnert sich auch noch an die Zeit, als Telefongespräche bis zu 30 Mark kosteten und man mit einer Stoppuhr am Telefon saß, um auch nur ja rechtzeitig auflegen zu können.
Heute meldet sich ihr Sohn einmal in der Woche bei seiner Mutter. "Und dann schnacken wir Plattdeutsch", sagt die Mutter strahlend. "Das kann er auch nach mehr als 15 Jahren in Südamerika noch hervorragend."
Immer für ihn gebetet
Auf die Bischofsweihe an diesem Wochenende freut Maria Bahlmann sich natürlich. Unzählige Glückwünsche hat sie in den vergangenen Wochen und Monaten schon entgegengenommen.Ob sie oft bete für ihren Sohn? "Ich gehe jeden Morgen in die Kirche", sagt Maria Bahlmann nickend. Und regelmäßig habe sie auch am Rosenkranzgebet um geistliche Berufe teilgenommen.Mehr zum Thema in kirchensite.de:
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Text: Michael Rottemann | Foto: Michael Rottemann in
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