
In ihr Gebet schießen die Ordenschristen auch die Anliegen der Menschen außerhalb der Klöster ein und leisten damit einen wichtigen Dienst für das Bistum Münster.
Im Bistum Münster gibt es 297 Ordensniederlassungen
Im Gebet für andere da
Bistum. Auch wenn ihre Mitgliedszahlen in den vergangenen Jahren weiter gesunken sind, bleiben die Ordenschristen eine feste Größe im Bistum Münster. Ordensfrauen und -männer prägen das Glaubensleben, engagieren sich in der Seelsorge und in sozialen Diensten. Viele Klöster ziehen als geistliche Orte Menschen an, die auf der Suche nach religiöser Orientierung und geistlicher Heimat sind.
Das Glaubensleben im Bistum Münster wird durch eine große Zahl an Orden und Neuen Geistlichen Gemeinschaften geprägt. Ob kontemplativ oder karitativ tätig: In jeder Region, in vielen Gemeinden im Bistum sind Ordenschristen präsent.
2.634 Ordensfrauen leben im Bistum
Auch wenn die Zahl der Ordenschristen sinkt, liegt das Bistum Münster, was die Zahl der Ordensschwestern betrifft, im Vergleich zu anderen deutschen Diözesen im oberen Bereich: 2.634 Ordensfrauen (Stand: 31.12.2007) leben im Bistum. Zum Vergleich: In der zahlenmäßig größten deutschen Diözese, dem Erzbistum Köln (2,2 Millionen Katholiken), waren es zum selben Zeitpunkt 1.385. Das Erzbistum Freiburg mit seinen 2,05 Millionen Katholiken registrierte 1.863 Schwestern, und im Erzbistum München-Freising waren es 2.615.
Ordensfrauen aus 53 Gemeinschaften sind im Bistum Münster vertreten. Sie leben in 252 Niederlassungen. Die Zahl der Ordensmänner beträgt 383, davon sind 273 Priester und 110 Brüder. Sie sind mit 24 Gemeinschaften in 45 Niederlassungen vertreten. Insgesamt gibt es 297 Ordensniederlassungen im Bistum. Dazu zählen auch die vielen ausländischen, vor allem indischen Gemeinschaften, die sich in den vergangenen Jahren auf dem Gebiet des Bistums angesiedelt haben. Hinzu kommen 24 Neue Geistliche Gemeinschaften und kirchliche Bewegungen, die sich für die Neu-Evangelisierung in der Gesellschaft engagieren.
Nur wenige Neueinsteiger
Doch es gibt Nachwuchssorgen. Allein die Zahl der Ordensschwestern sei innerhalb der vergangenen zehn Jahre um mehr als ein Viertel gesunken, sagt Andrea Rösch, Ordensreferentin im Generalvikariat. Bei den Ordensmännern im Bistum Münster sei die Zahl im selben Zeitraum von 462 auf 383 Mitglieder gesunken. Auch die Zahl der Neueinsteiger sei gering: Zurzeit hat Andrea Rösch sechs Novizinnen, einen Novizen und vier Postulantinnen registriert, die sich auf das Ordensleben vorbereiten.
Im 19. Jahrhundert engagierten sich die Ordensleute vor allem in Krankenhäusern und Schulen. In dieser Zeit kam es auch zu vielen Eigengründungen im Bistum, sagt Andrea Rösch. Eine Besonderheit stellten die Clemensschwestern dar, die Barmherzigen Schwestern von der allerseligsten Jungfrau und schmerzhaften Mutter Maria. Sie sind eine der wenigen Gemeinschaften bischöflichen Rechts im Bistum Münster. Zu weiteren Eigengründungen im Bistum gehörten die Mauritzer Franziskanerinnen, die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung und die Brüdergemeinschaft der Canisianer.
Feste Größe
"Die Institute des geweihten Lebens sind in ihren vielfältigen Formen und Ausprägungen eine feste Größe im Bistum Münster und geradezu flächendeckend vertreten", sagt Domkapitular Christoph Hegge, Leiter der Abteilung Orden, Säkularinstitute und Geistliche Gemeinschaften. Ordenschristen hätten das geistliche Leben vieler Gläubiger mitgeprägt.
Doch mit der Abnahme der aktiven Beteiligung der Katholiken am kirchlichen Leben seit den 1960er Jahren ging auch die Zahl der Berufungen zum Ordensleben zurück. Mittlerweile verzeichnen die meisten Gemeinschaften einen hohen Altersdurchschnitt von mehr als 60 Jahren, viele sogar von 70 Jahren und mehr.
Viele ausländische Gemeinschaften
Einzige Ausnahme im Negativtrend sind die vielen ausländischen Gemeinschaften, darunter viele aus Indien, die in den vergangenen Jahren im Bistum Fuß gefasst haben. Sie weisen überwiegend einen Altersdurchschnitt zwischen 30 und 45 Jahren auf.
Einige Gemeinschaften mussten sogar traditionsreiche Niederlassungen schließen. So haben die Jesuiten und Karmeliten ihre Niederlassungen in Münster geschlossen, die Franziskaner verließen Münster und Warendorf, die Steyler Missionare das Missionshaus St. Arnold, die Benediktinerinnen gaben Kloster Vinnenberg bei Warendorf auf und wagten mit dem geschlossenen Umzug der Schwestern von Kloster Hamicolt in ein Altenheim einen Neuanfang, der laut Hegge "gut geglückt" ist.
Viele Orden können die Trägerschaft ihrer Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser oder Altenheime nicht mehr aus eigener Kraft gewährleisten. Daher übergeben sie diese an Einrichtungen der Caritas oder an das Bistum Münster.
Starker Einfluss
Dennoch ist der Einfluss der Orden nach wie vor stark: In jeder Region sind Ordensleute in zahlreichen Niederlassungen vertreten. Sie engagieren sich in der Seelsorge des Bistums, aber auch in der pfarrlichen und überpfarrlichen Seelsorge, dabei vor allem in der Kranken- und Altenseelsorge.
In den vergangenen Jahren sei bei einigen Ordensgemeinschaften die Einsicht gewachsen, "dass sie ihre Strahlkraft dann erhalten und verlebendigen können, wenn sie Orte lebendigen Glaubens und Oasen geistlichen Lebens bilden", sagt Hegge. Dort könnten Menschen auf der Suche eine "geistliche Heimat" finden. Als geistliche Zentren haben sich einige Klöster auch überregional einen Namen gemacht.
Domkapitular Hegge nennt das Benediktinerinnenkloster in Dinklage, die Benediktinerabtei in Gerleve, das Priorat der Benediktiner in Damme, das Kapuzinerkloster in Münster, das Klarissenkloster in Kevelaer und die Karmelitinnen in Dorsten-Lembeck. Andere Gemeinschaften engagierten sich besonders in der Jugendarbeit, wie zum Beispiel die Redemptoristen im Jugendkloster Bottrop-Kirchhellen oder die Salesianer Don Boscos in Calhorn. "Durch die betende Präsenz der Schwestern und Brüder wissen sich viele Gläubige in ihren Anliegen und Lebensschicksalen mitgetragen." Viele Gäste nutzten auch die Möglichkeit, persönliche Gespräche mit den Schwestern und Brüdern zu führen, geistliche Begleitung in Anspruch zu nehmen oder an Exerzitien und Einkehrtagen teilzunehmen.
Neue Initiativen entstehen
"Es wird immer schwieriger, eine größere Zahl junger Menschen für den Ordensberuf zu begeistern", sagt Hegge. Neue Initiativen entstehen: Ordenschristen besuchen Schulen und bieten Tage im Kloster für Jugendliche an.
Viele junge Menschen setzen sich mit ihrer Berufung erst im Alter zwischen 28 und 35 Jahren auseinander. Nach einer solch langen Zeit der Selbstständigkeit fällt es dann vielen schwer, sich in eine feste Gemeinschaft einzufügen.
Vernetzung der Gemeinschaften
Auch wenn einige Niederlassungen geschlossen werden mussten, haben sich neue Perspektiven ergeben: "Im Hinblick auf die rückläufigen Zahlen und die Vereinzelung der jungen Ordenschristen sind die Förderung des Dialogs, die Zusammenarbeit und die Vernetzung der Gemeinschaften notwendig", sagt Christoph Hegge.
Ein Schwerpunkt liege in der Option für die Armen, der Arbeit mit Menschen am Rand der Gesellschaft. Viele Ordenschristen engagieren sich in der Essensausgabe, in Kleiderkammern, Sozialkaufhäusern, aber auch in Sterbehospizen und in der Aidshilfe. Über solche Projekte seien auch junge Menschen wieder für das Lebenszeugnis der Ordenschristen zu begeistern.
"Großer Schatz"
Die älteren Ordensmitglieder sind laut Hegge "ein großer Schatz" für die Kirche des Bistums Münster. "Durch ihr geistliches Leben und ihr stellvertretendes Gebet leisten sie einen wichtigen Dienst für das gesamte Bistum." Sobald sie von der Last der Trägerschaft ihrer Einrichtungen befreit seien, engagierten sich viele Ordensfrauen und -männer in verschiedenen Feldern des kirchlichen Lebens, gründeten kleine Kommunitäten in Pfarrgemeinden, wo sie sich im karitativen und katechetischen Bereich engagierten, sagt Hegge. "Viele Christen erfahren auf diese Weise durch die Ordenschristen eine Ermutigung im Glauben und ein Zeugnis konkreter Nächstenliebe."
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