
Den Menschen zugewandt: Im Zivilberuf arbeitet Diakon Stefan Pölling mit Behinderten im Stift Tilbeck westlich von Münster.
Die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bistum
Bundesweit nirgends mehr aktive Ständige Diakone
Bistum. Längst sind die Priester nicht mehr die einzigen Seelsorger: Das Bistum Münster setzt nicht zuletzt auf den Einsatz von Ständigen Diakonen, Pastoralreferentinnen und -referenten. Offenbar mit Erfolg.
Als Ständiger Diakon möchte ich die Liebe Gottes zu den Menschen tragen – vor allem im persönlichen Gespräch", sagt Helmut Spahn. Dieser Aufgabe stellen sich im Bistum Münster mehr Männer als in jeder anderen deutschen Diözese: 227 Ständige Diakone stehen wie der Horstmarer, der Sprecher des Diakonenrats im Bistum ist, im aktiven Dienst. Rechnet man die beurlaubten, emeritierten und entpflichteten Diakone hinzu, führt zwar das Erzbistum Köln die deutsche Statistik an. Aber Münster liegt bei der Zahl der Aktiven vorn.
Doppelte Arbeit
Aktiv – das bedeutet für die meisten Ständigen Diakone doppelte Arbeit: 192 von 227 üben ihr Amt neben einem Zivilberuf aus. Die 35 hauptamtlichen Diakone sind überwiegend ehemalige Pastoralreferenten. Männer also, die schon vor der Diakonenweihe im kirchlichen Dienst standen.
"Bischof Reinhard Lettmann war stets ein Befürworter des Ständigen Diakonats", sagt Spahn. Nicht nur "seine Diakone", wie der Bischof oft gesagt habe, sondern alle Seelsorger im Bistum hätten sich bei ihm gut aufgehoben gefühlt.
Verantwortung klar geregelt
Ein zweiter Grund für die hohen Zahlen sei ein formaler: "Im Bistum Münster waren die Verantwortlichkeiten für die Ständigen Diakone immer klar geregelt", betont Spahn. Es lohne sich, dass jemand schwerpunktmäßig Bischöflicher Beauftragter für den Ständigen Diakonat sei. In vielen Bistümern müsse zum Beispiel ein Weihbischof diese Arbeit zusätzlich erledigen.
Verantwortlich in Münster ist der Leiter des Instituts für Diakonat und pastorale Dienste (IDP). "Das IDP ist einmalig in Deutschland", sagt der Chef, Domvikar Hans-Bernd Köppen. Zwar gehe jede Diözese eigenene Wege der Aus- und Fortbildung von Diakonen und Pastoralreferenten. Aber kein zweites Bistum leiste sich ein solches festes Tagungshaus für die Weiterbildung pastoraler Mitarbeiter. "Das wird gut angenommen und trägt zur Attraktivität der Ausbildung bei", lobt Spahn. 39 Männer bereiten sich derzeit auf ihre Weihe zu Ständigen Diakonen vor, 36 davon stehen im Zivilberuf.
Bei Pastoralreferenten in der Spitzengruppe
In der bundesweiten Spitzengruppe liegt das Bistum auch bei der Zahl der Pastoralreferentinnen und -referenten. Besonderheit: Münster unterscheidet in dieser Gruppe nicht nach den Studienabschlüssen. "Die verschiedenen Ausbildungswege sind dieselben wie anderswo", sagt IDP-Leiter Köppen. "Aber wir unterscheiden bei der Bezeichnung nicht zwischen Theologen mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss und Absolventen der praxisbegleitenden Ausbildung."
Auch bei den Einsatzorten gebe es keine Trennung. Während andere Diözesen Pastoralreferenten vor allem überpfarrlich einsetzen und Gemeindereferenten ausschließlich in Gemeinden, ist die Grenze im Bistum Münster fließend.
Einziger Pastoralreferentenrat
Zudem sind die Pastoralreferenten gut vertreten: "Kein anderes Bistum in Deutschland hat einen Pastoralreferentenrat", sagt dessen Moderator Johann Grabenmeier aus Hamm-Bockum-Hövel. Das Gremium für die 450 Pastoralreferenten – 30 weitere befinden sich in Ausbildung – besteht seit 1997. Sie alle brächten ihre Charismen in die Seelsorge ein, betont Grabenmeier. Er vergleicht seinen Glauben mit einem Trampolin: "Er hält in Schwung, und es gibt Höhen und Tiefen. Ich möchte den Menschen vermitteln und vorleben, dass Glaube Lebenshilfe ist."
Hilfe erhoffen die pastoralen Mitarbeiter auch vom neuen Bischof. Köppen, Spahn und Grabenmeier freuen sich, dass Felix Genn in der Deutschen Bischofskonferenz Vorsitzender der Kommission für geistliche Berufe ist. "Wir werden ein offenes Ohr finden", ist Grabenmeier überzeugt.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Kirche von A bis Z: Diakon
Bistumshandbuch: Pastoralreferent
Bistumshandbuch: Kirchliche Mitarbeiter (Statistik)
Dossier: Bischof Felix Genn
Mehr Informationen im Internet:
Text: Jens Joest | Foto: Michael Bönte
02.05.2009
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