
Das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes wird von Mitgliedern der Telgter Handwerksgilden in die Kirche getragen.
Regionalbischof Overbeck eröffnete in Telgte die Wallfahrtszeit
Den Glauben in die Tat umsetzen
Telgte. Mit einem festlichen Pontifikalamt und einer Lichterprozession ist am Samstag (25.04.2009) in Telgte die Wallfahrtszeit 2009 eröffnet worden. Rund 800 Gläubige begleiteten das Telgter Gnadenbild durch die Straßen der Stadt. Regionalbischof Franz-Josef Overbeck betonte in seiner Predigt zum Wallfahrtsthema "Ich weiß, wem ich glaube" (2 Tim 1,12), dass Maria auch für Christen von heute ein Vorbild sein könne.
Eine halbe Stunde vor Beginn des festlichen Gottesdienstes in der Propsteikirche St. Clemens versammeln sich bereits die ersten Gläubigen in der Kirche. Aus dem ersten Stock des benachbarten Pfarrheims dringt der Gesang der Chorgemeinschaft St. Clemens, die sich für ihren Auftritt vorbereitet. Unten, auf dem Kopfsteinpflaster zwischen dem Devotionalienladen, der zu später Stunde noch Kerzen anbietet, und der Gnadenkapelle, treffen die Fahnenabordnungen ein.
Johannes Vogel hat seine Fahne an die Hauswand gelehnt. Sie zeigt neben der Schmerzhaften Mutter von Telgte auch seine Heimatkirche in Bevergern. Seit 1645 kommen die Pilger aus diesem Ort Jahr für Jahr nach Telgte, immer am zweiten Sonntag nach Peter und Paul, wenn die Wallfahrer aus Osnabrück die Stadt wieder verlassen. Johannes Vogel, 65 Jahre alt, ist seit 1952 dabei - und seit fast 20 Jahren kommt er auch Ende April zur Eröffnung der Wallfahrtssaison nach Telgte. "Da fehlt mir was, wenn ich das nicht mitmache", sagt er.
Besonderes Privileg
Auch Ferdinand Bußmann kennt er gut. Der 58-Jährige betreibt nicht nur die Eisdiele direkt gegenüber der Gnadenkapelle, er ist auch Vorsitzender der Bäcker-Metzger-Brauer-Gilde, die bereits seit Jahrhunderten zu besonderen Anlässen das Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter trägt. "Dieser Dienst war damals ein ganz besonders Privileg - und auch heute empfinden wir es noch als große Ehre", betont der Bäckermeister.
Knapp 20 Einsätze haben die Herren im schwarzen Anzug und mit weißer Fliege jedes Jahr. Zu Beginn des Pontifikalamts tragen sie das Gnadenbild, das mit Krone, Kette, rotem Umhang und kostbarem Schleier geschmückt ist, hinter den Fahnenabordnungen, rund zwei Dutzend Messdienern, Regionalbischof, Propst und Priestern in die Kirche.
Zeichen der Kontinuität
Wallfahrten seien ein Zeichen der Kontinuität - auch in Zeiten der Veränderung, betont Regionalbischof Overbeck in seiner Predigt. Sie bedeuteten die Stärkung des Glaubens und seien gleichzeitig Zeugnis vom Glauben. Das Wallfahrtsmotto "Ich weiß, wem ich glaube" ließe sich dabei in vielfältiger Weise auf die Muttergottes von Telgte beziehen. Sie habe Gott vertraut und sich ganz der Aufgabe gewidmet, die er für sie vorgesehen habe. Wie Maria berufe Gott auch jeden Einzelnen, vom Anfang bis zum Ende für Jesus und damit wie er für die Menschen da zu sein.
Overbeck geht auch auf die aktuelle Weltwirtschaftskrise ein. Sie zeige, was passiere, wenn Menschen Freiheit und Verantwortung nicht richtig wahrnähmen. "Was wir sehen, ist, dass Menschen tun, was nicht zu ihnen gehört." Wenn die Krise eine Folge von Habgier sei, dann sei sie Folge von nicht recht wahrgenommener Freiheit und Verantwortung.
In der Würde aller leben
Zeugen Christi könnten Menschen dagegen sein, wenn sie ihre innere christliche Kraft nutzten, um Gesellschaft zu gestalten und dabei das Gemeinwohl im Blick behielten. "Das Menschsein besteht darin, in der Würde aller und der Verantwortung aller zu leben", so Overbeck. "Wir wissen, wem wir glauben, wenn wir unseren Glauben in die Tat umsetzen, wenn wir Zeugnis geben und wenn wir dem Geheimnis des Lebens, das den Tod umfasst, mit Hoffnung entgegensehen." Overbeck selbst hat die Schmerzhafte Mutter von Telgte übrigens Tag für Tag im Blick. In die Krümme seines Bischofsstabs hat er ein Abbild des Gnadenbilds einarbeiten lassen.
In feierlicher Prozession begleiten die Gläubigen, viele von ihnen mit einer Kerze in der Hand, das Gnadenbild schließlich durch die Straßen der Stadt. Beeindruckt davon zeigte sich auch eine Gruppe aus Telgtes polnischer Partnerstadt Polanica Zdrój, dem früheren Bad Altheide in Niederschlesien. "Diese Wallfahrtszeit ist wie bei uns", berichtet Viola Surowiec nach dem Abschlussgebet vor der erleuchteten Gnadenkapelle. Die 28-Jährige arbeitet in der Tourist-Information ihres Heimatorts und ist zum ersten Mal in Telgte. "Unsere Kirche ist auch Maria geweiht und die Marienfrömmigkeit spielt eine große Rolle." Jährliche Wallfahrtsziele sind Albendorf, Maria Schnee und Wartha.
Die Wallfahrtszeit in Telgte dauert bis 31.10.2009. Propst Heinz Erdbürger hofft wieder auf viele zehntausend Pilgerinnen und Pilger.
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Text: Andrea Hertleif | Foto: Andrea Hertleif
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