
Der Kalvarienberg bildet die Mitte des Daruper Altars.
Ein Altar erzählt von den Ereignissen der Kar- und Ostertage
Auferstehung sprengt den Rahmen
Nottuln-Darup. Osterglocken und Akeleiblüten finden sich in den Malereien des Altars in der kleinen Daruper Kirche St. Fabian und Sebastian. Sie sind nur ein kleines Detail von vielen. Der um 1420 entstandene Altar wird dem "Meister von Darup" zugeschrieben. Mit ausgefeilten Kompositionen und ungewöhnlichen Bildern von der Geißelung Christi bis zur Auferstehung bildet die Mitteltafel ein Kleinod der altwestfälischen Malerei.
Viel gibt es zu entdecken in dem unvollständigen Altarbild, das dem anonymen "Meister von Darup" zugeschrieben wird und wahrscheinlich in einer münsterschen Werkstatt gemalt wurde. Um 1420 ist der erhaltene Teil des Hochaltars entstanden, der heute den Altarraum der kleinen Dorfkirche schmückt. Bis in die 1950er Jahre stand er in einer Nebenkapelle. "Aber ursprünglich wird es der Hauptaltar gewesen sein", vermutet Pfarrer Bernhard Tietmeyer. Es sei schwer nachzuvollziehen, wo und wie das Altarbild entstanden sei.
Zu sehen sind die Geißelung, die Kreuztragung, der Kalvarienberg mit Kreuzigung, Christus im Grab sowie die Auferstehung. Es wird vermutet, dass die anderen Tafeln auf dem rechten Flügel weitere Szenen der Passion darstellten: Ölberg, Verspottung, Gefangennahme, Christus vor Pilatus. Links waren vermutlich dargestellt Christus als Gärtner, das Pfingstfest, Himmelfahrt sowie das Weltgericht. "Die Tafeln sind aus einer Zeit, als es noch keine perspektivische Malerei gab", erklärt Tietmeyer.
Ihn faszinieren besonders die Details, die der Maler in seinem Bild untergebracht hat. "So hat er das Geschehen in unsere Region geholt, um den Menschen zu zeigen, dass Passion bei uns geschieht", erklärt der 67-Jährige. "Erkennbar ist es zum Beispiel an den detailfreudig gemalten Blumen im Auferstehungsbild: die heimischen Narzissen, also Osterblumen, und die Akeleiblüte. Ein Stück Realität in der irrealen Welt." Religiöse Belehrung zur Stärkung des Glaubens, das hat der Maler in diesem Altar verwirklicht.
Die einzelnen Szenen beschränken sich in ihrer Darstellung auf das Wesentliche. Ob bei der Geißelung, bei der Christus an einer Martersäule steht, oder bei der Kreuztragung, in der Jesus das Kreuz fast liebevoll umarmt. Zwei Gruppen begleiten den Verurteilten: Es sind Maria und Johannes im Hintergrund sowie davor Simon von Cyrene, der hilft, das Kreuz zu tragen. Dazu kommen die Schergen und Soldaten, die ihn vorwärts treiben.
Der Kalvarienberg bildet den Mittelteil des Altars. Vier Gruppen sind Zeugen des Geschehens. So der blinde Longinus (links oben) oder der gute Hauptmann mit seinem Gefolge (rechts), unten die Mariengruppe – in zarten Tönen gemalt – und rechts eine Gruppe mit einem extravagant gekleideten Mann, einem Spötter, einem Greis und einem Jüngling. Jede Gruppe könnte für sich stehen, könnte ein Bild im Bild sein. Aber der "Meister von Darup" hat eine Klammer zwischen ihnen geschaffen: Maria Magdalena, die ebenfalls das Kreuz umarmt. In einem Aufsatz zum Daruper Altar von 1968 schwärmt Paul Pieper, damals stellvertretender Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Münster, von dem Künstler: "Einen Lyriker, einen Meister von außerordentlichem Feingefühl, zugleich begabt mit sehr hohem Ordnungssinn und entwickeltem Kompositionsverstand, so kann man diesen Maler kennzeichnen."
Fast einmalige Darstellung
Auf der rechten Seite sieht der Betrachter Jesus in einem Sarkophag liegen. Pieper beschreibt diese Darstellung im Abendland als "durchaus ungewöhnlich, fast einmalig". Während die Wächter schlafen, wird der Deckel des Sarkophags wunderhaft von Engeln emporgehoben, Jesus scheint zu schweben. "Die drei Marien nahen im Hintergrund mit Salbgefäßen in den Händen. Aber auch um eine Auferstehung im eigentlichen Sinne, um das Ereignis des Ostermorgens, handelt es sich nicht. Denn Christus ist noch nicht auferstanden, er ruht im Grabe, durch das Tun der Engel wird erst die Auferstehung vom Tode angebahnt. Es ist der Moment der zwar begonnenen, aber noch nicht vollzogenen Auferstehung gemeint – eine Darstellung, die fast ohne Beispiel ist in der christlichen Ikonographie", beschreibt Pieper die Szene.
Im letzten Bild entsteigt – mit der Siegesfahne in der Hand –Jesus dem Sarg. Das momentane des Ereignisses wird in dem Schlafen des einen und dem Erwachen des anderen Wächters deutlich, der dem entsteigenden Christus erstaunt nachblickt.
"Es gibt so viele wundervolle Kleinigkeiten in dem Bild zu entdecken – auf dem Kreuzigungsbild ist zum Beispiel ein Gebiss zu sehen. Oder bei der Szene der Grablegung weist der fehlende Rahmen bereits auf die Auferstehung hin, denn sie sprengt den Rahmen", erklärt Tietmeyer. Er nennt ein weiteres Beispiel: "Schaut man genau auf das Auferstehungsbild, erkennt man, dass Jesus mit dem rechten Fuß aus dem Sarkophag steigt. Anatomisch gesehen, ist die Darstellung nicht richtig, aber in der Bildsprache sagt diese Geste viel aus", sagt der 67-Jährige.
Die Kirche und die im Wald gelegene Kapelle mit dem Gabelkreuz von 1717 sind Kleinode. "Es gibt viel in der Daruper und in der St.-Martinus-Kirche in Nottuln zu entdecken. Aber man geht täglich an ihnen vorbei und schenkt ihnen keine besondere Aufmerksamkeit", bedauert er. Die Pfarrei in Nottuln ist erstmals im Jahr 860 als Stift erwähnt worden, aber "sie gehört zu den Urgemeinden der Diözese". Die erste Kirche in Darup soll um 1000 gegründet worden sein.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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