
Bischof Felix Genn bei der Fußwaschung im St.-Paulus-Dom.
Gründonnerstag: Bischof Genn erinnert an Dietrich Bonhoeffer
Den bitteren Kelch des Leids annehmen
Bistum. Unermessliches Leid annehmen, die Stunde des Todes als Stunde des Lebens begreifen, das ist möglich im Vertrauen auf Gott. Darauf hat Bischof Felix Genn in seiner Predigt am Abend des Gründonnerstags (09.04.2009) im St.-Paulus-Dom in Münster hingewiesen. Er stellte den Gläubigen das Beispiel des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer vor Augen, der auf den Tag genau vor 64 Jahren – am 09.04.1945 – im Konzentrationslager Flossenbürg von den Nationalsozialisten hingerichtet worden war.
"Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag", ging der Bischof auf ein berühmtes Lied des Theologen ein. Der Text umreiße die Stunde des Todes, ganz besonders in der vierten Strophe, wo es heißt: "Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand."
Dem Klang des Herzens Sprache gegeben
"Wie kann jemand einen solchen Text verfassen?", fragte Genn. Dabei gehe es nicht darum, den Text beispielsweise literarisch einzuordnen. "Mit diesen Zeilen spricht uns jemand an, der dem Klang seines Herzens in einer schweren Situation mit Verfolgung, Gefangenschaft und Todesangst Sprache gegeben hat", sagte der Bischof. "Dieser Mensch, Dietrich Bonhoeffer, hat wahrhaftig mit der Taufe ernst gemacht. Er hat aus dem gelebt, was ihm in der Taufe geschenkt worden ist." Am Abend des Gründonnerstags könne dieses Lebenszeugnis helfen, "das Geheimnis, das wir feiern, Heimstatt für uns werden zu lassen", sagte Genn. Es könne helfen, sich bei Gott geborgen zu wissen trotz des Leids.
Dass dies nicht einfach sei, zeige auch Jesus. Er habe nach dem Letzten Abendmahl gebetet, dass der Kelch an ihm vorüberginge. "Aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe", erinnerte Genn an Jesu Worte. Jesus habe gewusst, dass dieser bittere Kelch durch seinen Tod zum Kelch des Lebens werden würde. Dies zeige, dass "die Liebe das Unmögliche möglich machen kann", sagte der Bischof. So werde aus der Stunde des Sterbens die Stunde des Lebens: "Jesus möchte mit mir, möchte mit dir in Gemeinschaft sein", so Genn. Eine Gemeinschaft, in der sich Bonhoeffer auch in den schweren Stunden vor seinem Tod sicher aufgehoben gefühlt habe.
Am Gründonnerstag gedenkt die Kirche des Letzten Abendmahls und der Gefangennahme Christi. Sie feiert besonders das Sakrament der Eucharistie, das Jesus bei diesem Mahl begründet hat. Traditionell nimmt der Priester – dem Beispiel Jesu folgend – nach dem Evangelium bei einigen Gläubigen die Fußwaschung vor. Die Mädchenkantorei am St.-Paulus-Dom sang unter anderem die "Missa brevis" von Berthold Hummel.
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Text: Ralf Thier-Hinse | Foto: Joachim Busch
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