
Pfarrer Jürgen Streuer (li.) ist zufrieden: Die Gastfreundchaft der evangelischen Gemeinde während der Sanierung von St. Petronilla ist für ihn ebenso erfreulich wie der zügige Fortschritt der Anstrich-Arbeiten im Kirchengebäude.
Gottesdienste in der evangelischen Zionskirche
Ökumenische Gastfreundschaft
Münster-Handorf. Ein Tabernakel und das Ewige Licht stehen derzeit ebenso ungewöhnlich wie selbstverständlich in der evangelischen Zionskirche: Denn seit Jahresbeginn gewährt an den Wochenenden die eine Konfession der anderen Asyl in ihren Kirchenmauern.
Die evangelischen Handorfer haben die katholischen mit offenen Armen aufgenommen, solange deren Pfarrkirche St. Petronilla innen renoviert wird. Und für beide Seiten war das offenbar ganz selbstverständlich, freut sich der katholische Pfarrer Jürgen Streuer über Äußerungen wie "Das war doch klar, dass wir dort Gottesdienst feiern". Ob er sich inzwischen wie ein "Wanderprediger" vorkomme? Diese Frage verneint er zwar lachend, doch von der Flexibilität seiner Gemeinde ist er sehr angetan: In der Fachklinik Hornheide wird in der Woche ebenso Gottesdienst gefeiert wie bei den Schwestern im Vinzenzwerk ("davon waren besonders die Dorbaumer begeistert"), in der Kapelle des Altenheims Handorfer Hof und eben am Wochenende in der Zionskirche. Alle diese Orte haben auch ihre Stamm-Besucher: "Im Altenheim feiern wir zum Beispiel am Dienstag auch den 'Marktgottesdienst', der zunehmend gut besucht wird", weiß Pfarrer Streuer.
Kurz vor Weihnachten kam die erfreuliche Nachricht, dass sich das Bistum mit 40.000 Euro an den 130.000 Euro Gesamtkosten für die Sanierung des Kirchenraums beteiligen werde - sogleich konnten die Arbeiten beginnen, denn die Gemeindemitglieder hatten bereits 75.000 Euro aufs Spendenkonto eingezahlt. "Aber nicht nur Katholiken haben ein Scherflein beigetragen", ist Jürgen Streuer noch immer ganz überrascht, denn: "Es haben auch evangelische Handorfer Geld gegeben, weil auch für sie unsere Pfarrkirche ein Stück Handorf ist."
Seither haben die Handwerker das Sagen in St. Petronilla. Zum Glück gab es bisher nur eine böse Überraschung: Beim Ausbauen wurde festgestellt, dass der Holzwurm das Chorgestühl befallen hatte. "Diese Mehrkosten halten sich aber in Grenzen." Die Kunstgegenstände und Figuren sind während der Säuberungs- und Anstricharbeiten bei drei Restauratoren sozusagen "auf Wellness-Urlaub": Sie werden - auf Kosten von Paten aus der Gemeinde saniert - pünktlich zum Wiedereinzug am Palmsonntag strahlend an ihre Plätze zurückgekehrt sein.
Dass das Zuhause auf Zeit bei der evangelischen Gemeinde rund um Pfarrer Witt so geschwisterlich-herzlich wirkt, kommt in Handorf nicht von ungefähr: Denn hier kennen sich die Menschen von vielen gemeinsamen Aktionen und Angeboten: So gibt es die ökumenischen "Kleinen Hilfen", den gemeinsamen Krankenhausbesuchsdienst, Projekttage in den Grundschulen und ein wöchentliches gemeinsames Gebet der Seelsorger beider Konfessionen ebenso wie einmal im Monat einen ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kirche: "Die kennen die Katholiken schon gut", sagt Streuer.
Nach dem festlichen Tag des Wiedereinzugs in die Kirche am 5. April, dem Palmsonntag, ist am 23. April ein ökumenischer Gottesdienst in der runderneuerten Pfarrkirche geplant: "Wir laden die evangelischen Mitchristen dann herzlich ein, sich unsere renovierte Kirche anzusehen", sagt Pfarrer Streuer. Die Besucher werden etwas Bekanntes in St. Petronilla sehen: Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit bekommen alle "Asyl-Orte" in diesem Jahr ihre Osterkerze von der katholischen Gemeinde geschenkt: "Alle haben das gleiche Motiv - neben dem Kreuz wird der brennende Dornbusch zu sehen sein", verrät Jürgen Streuer. Ein Jahr werden diese Kerzen dann als bleibende Erinnerung an Gastfreundschaft und gelebtes Christentum brennen.
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Text: Heike Hänscheid | Foto: Heike Hänscheid in
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