
Beate Wenzel, Ulla Bredeck und Silvia Hiltrop (v.l.) brüten über Themen und Ideen für die Nachtgebete.
Viertelstündigen Nachtgebeten zur Fastenzeit
"Du entzündest das Feuer in mir"
Recklinghausen-Speckhorn. Nur eine Viertelstunde. Länger soll das Nachtgebet nicht dauern. Zwei Mal pro Woche, an jedem Dienstag und Donnerstag jeweils um 21 Uhr, findet es während der Fastenzeit in der Pfarrkirche Heilige Familie in Recklinghausen-Speckhorn statt.
Für viele Gemeindemitglieder sind die Nachgebete längst mehr als ein kurzes Innehalten im hektischen Alltag. Sie erleben die gesamte Fastenzeit intensiver als früher. Die Gebete, das Treffen am Altar in der Kirche, geben Anlass, sich ausgiebiger mit dem Glauben und mit vorösterlichen christlichen Motiven zu beschäftigen.
Das gilt besonders für fünf Frauen aus dem Familienkreis der Gemeinde, die die Aufgabe übernommen haben, die Fastengebete zu organisieren: Silvia Hiltrop, Beate Wenzel, Ines Hausen, Ulrike Welzlau und Ulla Bredeck, die die Gruppe seit diesem Jahr verstärkt. "Es ist erstaunlich, was man im Team zusammenbekommt", sagt Beate Wenzel.
Die fünf Frauen sind mit großer Begeisterung bei der Sache und sprühen vor Ideen. Nach Inspirationen für die abendlichen Gebete müssen sie nicht lange suchen. "Feuer" lautet in diesem Jahr ein Thema. "Du entzündest das Feuer in mir" soll das erste Leitmotiv der diesjährigen Fastengebete werden. Die Frauen suchen nach gestalterischen Elementen für ihr Nachtgebet. "Es ist uns wichtig, dass alle Sinne angesprochen werden", erklärt Silvia Hiltrop. Und schon zaubert sie ein symbolisches kleines Feuer aus der Tasche, ein von Speckhorner Kindergartenkindern aus rotem Papier liebevoll gebasteltes kleines Nest aus Flammen. Das, so beschließen die Frauen, soll als Blickfang zum abendlichen Thema hin lenken. Das nötige Material, um noch mehr lodernde Papierflammen herzustellen, hat Silvia Hiltrop gleich mitgebracht.
Die Tradition der Nachtgebete wurde in Speckhorn im Jahr 2000 während einer Gemeindemission mit Redemptoristen begründet, seit sechs Jahren kümmert sich der Vorbereitungskreis der Frauen um die Organisation. Sie sprechen Gemeindemitglieder, Familien und Gruppen an, die die Nachtgebete gestalten könnten, geben Impulse für Themen.
Der zeitliche Rahmen ist mit 15 Minuten pro Abend vorgegeben, inhaltlich haben die Mitwirkenden eigene Gestaltungsmöglichkeiten: Ein Gebet soll vorkommen, ein Lied, das gemeinsam gesungen werden kann, vielleicht eine kurze Meditation. Als Quellen dienen Bücher, christliche Zeitschriften, CDs oder auch das diesjährige Misereor-Thema zur Fastenzeit "Die Schöpfung". Das Hungertuch mit dem Misereor-Motiv, das in der Kirche der Pfarrgemeinde Heilige Familie über dem Altar hängt, gibt zahlreiche Anregungen. Und schließlich gehört auch das Thema "Tod" mit in die Themenauswahl zur Fastenzeit.
Freiwillige zum Mitmachen zu bewegen, fällt dem engagierten Vorbereitungsteam nicht schwer. Pfarrgemeinderat, Kirchenvorstand, katholische Frauengemeinschaft, Familiengottesdienstkreis und Katechetinnen sind wie jedes Jahr selbstverständlich dabei. Auch nicht organisierte Gemeindemitglieder vom Theologiestudenten bis hin zur 82 Jahre alten Seniorin lassen sich zu ihren persönlichen Nachtgebeten inspirieren. Das bringt Vielfalt in die abendlichen Gebetstreffen, die ihren Schwerpunkt mal auf philosophische Texte dann wieder auf symbolische gemeinsame Aktionen legen. Nur eine Viertelstunde. Länger soll das Nachtgebet nicht dauern. Doch selten gehen die Teilnehmer nach der gemeinsamen Andacht sofort wieder nach Hause. Sie nehmen sich Zeit, um das Erlebte auf sich wirken zu lassen, für Gespräche mit anderen Teilnehmern.
"Außerdem beeinflusst das Nachtgebet unseren ganzen Alltag", erklärt Ulla Bredeck. "Man richtet den Tag danach ein, spricht über die Themen oder über organisatorische Dinge." Das Nachtgebet empfindet auch Silvia Hiltrop "als Bereicherung fürs ganze Leben". Woraus sie ihre Motivation schöpft, sich um die Organisation der Nachtgebete zu kümmern, die übrigens in Speckhorn auch zur Adventszeit stattfinden? "Man erlebt so viele schöne Dinge, die einfach in der Erinnerung bleiben."
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Text: Martina Möller | Foto: Martina Möller in
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